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Testbericht

25. Mai 2016
Manche Vergleichstests bieten sich zwangsläufig an, wenn etwa ein neuer Opel Astra kommt, muss er sich selbstverständlich mit dem VW Golf messen lassen. Andere hingegen drängen sich sehr viel subtiler auf. Wie dieser etwa. Denn seit der Mini mit der neuen UKL-Plattform und der Viertürigkeit die Komfortzone des konkurrenzlosen Frauenlieblings verlassen hat, muss er sich nun jener Kleinwagenkonkurrenz erwehren, bei der die Entwickler mehr Gewicht auf Nutzwert als auf Design-Chic legten.Wie beim Skoda Rapid Spaceback. Dabei ist der Spaceback ja der Schönling der kleinen Rapid-Familie, dynamischer und gedrungener als die etwas betuliche Stufenheck-Limousine. Zumal dann, wenn er in Rallye-Grün-Metallic (490 Euro) und dem Designpaket Emotion (1.170 Euro) samt abgedunkeltem Panoramadach und schwarzer Heckklappe daherkommt. Unser Testwagen ist freilich ein Sondermodell Emotion Plus, das für 2016 ins Programm genommen wurde und neben dem Emotion-Paket (Panoramadach) auch 17-Zoll-Alus, Tempomat sowie Klimaanlage und das Infotainment-Paket Bolero enthält. Dergestalt ausstaffiert kostet der Spaceback dann mit dem 110 PS starken Benziner mindestens 20.650 Euro. Wobei nicht unerwähnt bleiben soll, dass es einen gleich motorisierten, aber weniger üppig ausgestatteten Spaceback bereits ab 16.730 Euro gibt. Das ist beim Mini ein wenig anders, es gibt den One mit 102 PS ab 18.550 Euro, billiger ist nur der One First mit 75 PS (ab 16.900 Euro).

Der 1.2-TSI im Skoda Rapid 1.2-TSI überzeugt
Womit wir bei der ersten Überraschung dieses Vergleichstests wären: Der Skoda ist das teurere Auto, in den Mini lassen sich ordentlich Extras packen, damit er auf den Preis des Spaceback Emotion Plus kommt. Der Mehrpreis für den kompakten Viertürer aus Mladá Boleslav ist jedoch kein so schlecht investiertes Geld, jedenfalls wenn es um die Antriebe geht. Der 1.2-TSI-Motor überzeugte in auto motor und sport-Vergleichstests ja bereits in einigen anderen Konzernmodellen, der Rapid macht da keine Ausnahme. Obwohl nominell nur acht PS kräftiger, geht der TSI-Motor einfach eine Klasse besser als der 102 PS starke, gleich große, doch nur dreizylindrige Mini-Motor. Ganz besonders fällt das bei der praxisnahen Zwischenbeschleunigung auf. Da nimmt der Rapid dem One 1,4 Sekunden ab. Klingt nicht nach viel, subjektiv sind es Ewigkeiten. Während der Skoda-Vierzylinder geschmeidig am Gas hängt, quält sich der Mini-Dreizylinder mühsam aus dem Turboloch, kämpft mit seiner langen Übersetzung und wird erst bei höheren Drehzahlen merklich lebendiger. Dass es fünf Newtonmeter mehr Drehmoment auf die Welle stemmt, verheimlicht das Mini-Triebwerk dabei komplett.Dabei plötert der Turbo-Dreier deutlich lauter als der Vierzylinder und läuft lange nicht so seidig. Eine Ausgleichswelle eliminiert zwar beim B38B12 (interne Bezeichnung für den Mini-Motor mit 1,2 Litern Hubraum und 102 PS) die Massenmomente erster Ordnung, diejenigen zweiter Ordnung (sie entstehen durch die Geschwindigkeitsdifferenzen der Kolben in der Auf- und Abwärtsbewegung) äußern sich jedoch in etwas kernig-schütteligem Lauf. Liest sich hier allerdings schlimmer, als es ist, der Dreizylinder passt mit seiner angedeuteten Raubeinigkeit gut in so ein charaktervolles Auto. Der theoretische Verbrauchsvorteil durch die geringere innere Reibung stellt sich aber nicht ein: Der Mini konsumiert im Schnitt 0,2 bis 0,6 Liter mehr als der Skoda – nicht viel, dennoch bemerkenswert.

Mehr Platz im Spaceback
Und bevor wir jetzt zu den Kapiteln kommen, die der Mini besser beherrscht, wenden wir uns einem weiteren Skoda-Vorzug zu, dem besseren Raumangebot. Nicht ganz fair, könnte man meinen, immerhin ist der Spaceback nicht nur rund 32 Zentimeter länger, sein kombiartiges Heck hat zudem bessere Voraussetzungen für ein ordentliches Ladevolumen. So bietet er denn auch fast einen halben Kubikmeter mehr Raum (genau 415 Liter), zudem ist er praktischer und leichter beladbar als der Mini. Ebenso finden sich Passagiere im Rapid deutlich luftiger untergebracht, was vor allem an der großzügigeren Innenbreite liegt. Wohler fühlen sie sich hier ohnehin, weil der Skoda nicht nur geräumiger ist, sondern dazu die komfortableren Sitze und das angenehmer federnde Fahrwerk auffahren kann.Wo denn nun die Vorzüge des Mini liegen, mögen Sie sich fragen, schließlich zeigt sich bisher der Rapid Spaceback als das tauglichere Auto. Agilität und Fahrspaß gehören ja zum Mini-Erbgut, das gilt für den Neuen genauso, wenngleich ihm mit der Konzernplattform etwas Handling-Talent abhandenkam. Es reicht dennoch, um den meisten Konkurrenten, auch hier dem Spaceback, locker die Rücklichter zu zeigen.

Mini One fröhnt der Fahrdynamik
Das lässt sich mit Zahlen belegen, im Pylonentanzen auf dem Testgelände ist der One wirklich schneller, doch erheblich wichtiger ist, wie es sich auf der Straße anfühlt. Da vermittelt er mit seiner sehr direkten Lenkung und dem spontanen Einlenken viel mehr Freude am Fahren als der etwas behäbigere Rapid. Weniger Karosseriebewegungen, weniger Untersteuern, kaum Antriebseinflüsse, so geht das, scheint der Mini zu sagen, während er durch die Kurven fegt und keine Zweifel daran lässt, dass sein Fahrwerk selbst mit der doppelten Motorleistung keineswegs überfordert wäre. Die besseren Bremsen hat er obendrein. Den sportiven Charakter erkauft sich der Mini mit einer deutlich strafferen Grundabstimmung, auch das erwartet man ja, wenn man in dieses Auto steigt. Und eine Sänfte ist der Rapid Spaceback im Vergleich dazu ebenfalls nicht, da sind die Unterschiede eher geringer als vorher vermutet. Immerhin hat der Skoda die bequemeren Sitze, und er ist einfacher und intuitiver zu bedienen. Auch das dürfte Mini-Freunde kaum überraschen und schon gar nicht stören, denn mit dem Kleinwagen aus dem BMW-Konzern ist es ja wie mit dem schlauen Telefon aus dem Apfelladen: Man liebt es, weil es cool und schön ist. Dass andere vielleicht bei den Sekundärtugenden besser abschneiden: geschenkt!
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-05-25

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