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Testbericht

24. November 2016
Eigentlich hat es ja Tradition. Japanische Autohersteller paaren gerne Antriebsoptionen, die europäische Kunden etwas ratlos zurücklassen, ganz besonders im SUV-Bereich. Im Land der aufgehenden Sonne ist beispielsweise die Vorliebe der Europäer, in Allrad-SUV drehmomentstarke Dieselmotoren mit einem Automatikgetriebe zu koppeln, nach wie vor schwer vermittelbar. Das galt auch seit 2014 für den Nissan X-Trail. Wer Automatik wollte, bekam keinen Allrad. Und wer Allrad wollte, musste selbst schalten. Und wer einen starken Diesel für schwere Last oder weite Fahrt wünschte, musste zur Konkurrenz.

Nissan X-Trail 2.0 dCi ALL-MODE 4x4i Xtronic Automatik
Dank der dennoch für Nissan sehr vergnüglichen Verkaufszahlen des X-Trail kamen die Marketing- und Technik-Strategen nun jedoch endlich zum Einsehen, diesen Sachverhalt zu ändern. Die Bühne betritt: Der Nissan X-Trail 2.0 dCi ALL-MODE 4x4i Xtronic Automatik. Und der kann außer einem langen Namen auch sonst einiges besser als die bisher bekannten Modelle.Vor allem jedoch: Mehr. 25 Prozent mehr Hubraum, 36 Prozent mehr Leistung, 19 Prozent mehr Drehmoment. Mit seinen 177 PS und 380 Newtonmeter steht der Zweilter-Diesel nun so gut im Futter, wie man sich das bereits zum Verkaufsstart des nicht gerade zierlichen Nissan X-Trail gewünscht hätte. Kein Wunder, dass da auch die Nissan-Deutschland-Zentrale euphorisiert ist und beabsichtigt, die ohnehin bereits recht ansehnlichen Verkaufszahlen des X-Trail künftig erheblich zu steigern, bis zu 60 Prozent soll der Anteil der neuen Topmotorisierung betragen.

Preis ab 34.490 Euro
Kunden, die das ähnlich sehen, müssen dafür mindestens 34.490 Euro einplanen, hier beginnt der 2.0 dCi. Das bedeutet einen Aufschlag von 1.960 Euro gegenüber dem gleich ausgestatteten 1.6 dCi. Für die von uns gefahrene Topversion Tekna mit Automatik und Allradantrieb stehen 43.970 Euro in der Preisliste, anreichern lässt sich das nur noch mit Sonderrädern, Sonderlack und der aufpreispflichtigen dritten Sitzreihe. Für die Option, den X-Trail selbst schalten zu lassen, war die Suche nach einem passenden Getriebe recht kurz – es arbeitet bereits im 1.6er-Diesel-X-Trail, dort allerdings nur mit Frontantrieb. Keine klassische Wandlerautomatik also, sondern das Xtronic-CVT-Getriebe. Dieses stufenlose Getriebe mit variabler Übersetzung ist von früheren Varianten – die DAF-Variomatik steckt noch in vielen Vorurteilsköpfen fest – weit entfernt. Mit elektronischer Steuerung werden Gangstufen simuliert und das wilde Hochdrehen früherer Generationen wirkungsvoll unterbunden. Es gibt sogar einen Handschaltmodus, in dem man mit passablem Effekt eine bestimmte Übersetzungsstufe vorwählen kann.

CVT-Eigenheiten
So fährt sich die neue Kombination aus kräftigem Diesel und stufenlosem Getriebe eigentlich sehr angenehm und entspannt. Das "Eigentlich“ gründet in ein paar Eigenarten speziell des Getriebes. Etwa dem teigigen Gefühl beim Beschleunigen oder der Unart, den Motor erst verzögert in den Leerlauf zurückfallen zu lassen, eine Folge der Motorbremsfunktion, die Nissan dem Getriebe softwaretechnisch eingebaut hat. Erstaunlich herzhaft hingegen die Vorstellung bei hohem Tempo und hoher Leistungsabforderung. Bei Volllast steigt zwar die Drehzahl in den Bereich der maximalen Motorleistung, doch mit leichtem Lupfen sinkt sie sofort, ohne nennenswert an Vortrieb einzubüßen. Hier wurde offensichtlich große Mühe darauf verwendet, dem stufenlosen Getriebe ein höfliches Benehmen anzuerziehen.Der neue Diesel gibt sich kräftig, in Verbindung mit der Xtronic fehlt allerdings speziell beim Spurt aus dem Stand und aus niedrigen Geschwindigkeiten ein wenig Kick. Vibrationstechnisch ist der Vierzylinder wohlerzogen und hält sich zurück, in bestimmten Drehzahlen gibt es jedoch bisweilen unangenehme Dröhngeräusche. Ein Schönheitsfehler, jedoch ohne erheblichen Einfluss auf den Alltagseindruck. Von Null auf Tempo 100 nimmt der neue 2.0 dCi dem 1.6er über anderthalb Sekunden ab und rennt auf der Autobahn bei Bedarf fast 200 (nochmals flotter: der 2.0 dCi mit Schaltgetriebe). Der Allradantrieb entspricht dem bisher schon beim schwächeren Diesel angebotenen All-Mode-4x4, der mit einer automatischen Kraftverteilung arbeitet und sich bei Bedarf auf reinen Frontantrieb beschränken lässt. Bei niedrigem Tempo kann die Kraftverteilung zwischen den Achsen per Drehregler auf 50:50 eingestellt werden, was sich besonders für den Offroad- oder Winterbetrieb bei Tiefschnee anbietet. Denn auch abseits der Straße macht der X-Trail – für ein SUV – seine Sache ganz ordentlich und respektabel.

Mit Schaltgetriebe mehr ziehen
Wer etwas zum nörgeln sucht, findet es jedoch auch beim X-Trail. Schade zum Beispiel, dass das Automatikgetriebe ein Limit bei der Anhängelast bedingt, obwohl gerade diese Kombi – Allrad, Automatik, starker Diesel – geradezu nach einem dicken Trailer ruft. Dennoch, die Schaltgetriebe-Varianten dürfen zwei Tonnen an den Haken nehmen, mit Automatik endet die genehmigte Zugraft 350 Kilo früher. Und für das zum Modelljahr 2018 anstehende Facelift wünschen wir uns ein moderneres Multimediasystem mit größerem Bildschirm. Auch ergonomisch gibt es noch – Stichwort Sitzgestaltung und Schalterplatzierung – Raum für Verbesserungen.Der Rest des Autos ist bereits durch die bisherigen Varianten bekannt und durch deren Verkaufserfolg bestätigt: Der Nissan X-Trail ist ein angenehmes, auch für größere Familien geeignetes SUV mit viel Platz, sicherem Fahrverhalten und beruhigenden Assistenzsystemen, das vom Stadtverkehr über den Einsatz als Sportgerätetransporter bis zur vielköpfig besetzten Urlaubsreise genau den Nutzwert-Spagat bewältigt, der SUV in dieser Größenkategorie so beliebt macht. Wer sich bei den asiatischen und europäischen Modellen auf einen Preislisten- und Maßtabellen-Vergleich einlässt, bekommt zusätzliche Argumente für den X-Trail geliefert.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-11-24

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