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Autoplenum, 2010-12-25

15 Jahre EvoBus - Busse haben es schwer

Testbericht

Susanne Kilimann

Um Autos wird viel Wirbel gemacht. Von Bussen nimmt die Öffentlichkeit wenig Notiz. Busse müssen nicht schön sein - sie müssen fahren. Mit ihrem strategischen Bündnis Evobus haben sich Mercedes-Benz und Setra vor 15 Jahren an die Spitze der europäischen Busbauer gesetzt.

Immer wenn ein Autobauer auch nur kleinste technische Details an einem Modell seiner PKW-Flotte verändert, wenn Front- oder Heckpartie aufgehübscht werden, Leuchten oder Grill einen neuen Look bekommen, wird die Kundschaft unverzüglich und allzu blumig informiert. Über jedes Facelift, jeden Leistungszuwachs, die kleinste Effizienzsteigerung des Triebwerks wird berichtet. Und wenn ein völlig neues Modell an den Start gebracht wird, machen erste Informationen dazu schon Monate im Voraus die Runde. Die offizielle Premiere schließlich wird mit großer Inszenierung auf Messe oder eigens einberufenem Event gefeiert.

Davon kann die Nutzfahrzeugsparte nur träumen. Kommt ein neuer Bus auf den Markt, nimmt die Öffentlichkeit davon kaum Notiz. Medial führen Busse ein Schattendasein; was wohl auch damit zusammenhängt, dass die Nutzer der Sammelvehikel nicht deren Käufer sind und es den meisten Passagieren ohnehin völlig egal ist, ob der Bus, der sie befördert, von MAN, Volvo, Mercedes oder sonst einem Hersteller stammt. Hauptsache das Sammelgefährt bringt sie sicher, pünktlich und einigermaßen komfortabel zum Ziel. Mit spektakulärem Design können moderne Busse ohnehin nicht punkten.

Auf Begeisterung in kleinen Kennerkreisen stoßen da schon eher die historischen Modelle, Greyhound-Klassiker aus den USA, die roten Doppeldecker von der britischen Insel, Modelle mit Außentreppe und luftigen Schönwetterplätzen auf dem Dach, wie sie zu Kaisers Zeiten auf deutsche Großstadtstraßen kamen oder auch Omnibusse aus den Fünfzigern, wie der Mercedes–O3500-Reisebus mit seiner langvorgestreckten Schnauze. Auch sogenannte Zweiwegefahrzeuge, die vor mehr als einem halben Jahrhundert von der Deutschen Bundesbahn eingesetzt wurden, erregen mehr Aufsehen als die Biodieselmodelle von heute. Dass der Bus von damals auf Schiene und Straße gleichermaßen zu Hause war, erscheint aus heutiger Sicht unerhört modern.

Omnibusneuheiten von heute schinden höchstens bei den Besuchern von Fachmessen Eindruck. Für Busflottenbetreiber geht es auch nicht um Emotionen. Hier zählen die praktischen Faktoren – Funktionalität und Wirtschaftlichkeit. Dass Omnibushersteller ihrer Kundschaft ein Modellspektrum anbieten, das der Auswahl im PKW-Segment in nichts nachsteht, mag daher verwundern. Allerdings nur auf den ersten Blick. Denn an die Gemeinschaftstransporter werden mindestens so viele unterschiedliche Anforderungen gestellt, wie an die automobilen Untersätze für den Individualverkehr. So bieten Hersteller Linien-, Überland-, Express- und Reisebusse an. Von jeder Gattung gibt es auch entsprechende Minibusversionen. Zudem Links- und Rechtslenker für die national unterschiedlichen Geflogenheiten im Straßenverkehr. Modelle mit konventionellen Dieselmotor oder Antriebsalternativen – wasserstofftankende Brennstoffzellenbusse zum Beispiel, für Betreiber, die sich grün und zukunftsorientiert geben wollen. Eine besondere Kategorie sind sogenannte Niederflurversionen, tiefergelegte Busse – selbstverständlich nicht für den Einsatz bei Straßenrennen, sondern für den bequemen Ein- und Ausstieg und schließlich wären da noch die Gemeinschaftsfahrzeuge für den Transport behinderter Passagiere, die in jedem Fall den einen oder anderen Rollstuhl mit auf Tour nehmen müssen.

Der Bushersteller Evobus hat derzeit 78 Bus-Variationen im Produktportfolio. Das Unternehmen ist vor 15 Jahren als Zusammenschluss von Mercedes-Benz und Kässbohrer-Tochter Setra an den Start gegangen – als strategisches Bündnis mit dem Ziel, unter anderem durch gemeinsame Forschung und Entwicklung die Kosten zu, ein gemeinsames Vertriebs- und Servicenetz im In- und Ausland auf- und auszubauen und sich so auf den hart umkämpften Märkten Europas Markanteile zu sichern und sukzessive auszubauen. Unter dem gemeinsamen Dach lassen die einstigen Konkurrenten seither zwei Marken fahren – Mercedes-Benz und Setra. „Beide Unternehmen sind ihrer Historie und ihren Werte treu geblieben und haben es gemeinsam geschafft, Europas größter Omnibusbauer zu werden“, so Hartmut Schick, Leiter der Bussparte im Daimlerkonzern. In Entwicklung, Produktion, Service und Vertrieb sowie in Sicherheits- und Umwelttechnologien ist EvoBus führen in der Branche.“

Der Evobus Produktionsverbund stelle heute eine eng zusammenarbeitende, flexible „Omnibus-Mannschaft“ in fünf Ländern dar. Busse werden an sechs Standorten in Deutschland, Frankreich, Spanien, Tschechien und in der Türkei gebaut. „Die Vernetzung der Werke bildet das Rückgrat für die wirtschaftliche und synergetische Herstellung von Omnibus-Rohkarossen, Komplettbussen und Fahrgestellen“, erläutert Schick. Jeder Standort hat dabei Spezialaufgaben übernommen. So liefert das Werk im tschechischen Holýšov die Rohbau-Segmente an. In Mannheim entstehen Mercedes-Benz und Setra-Rohkarossen. Hier wird auch der Korrosionsschutz aufgetragen, in einer Anlage für kathodische Tauchlackierung, die weltweit zu den modernsten ihrer Art gehört. In Mannheim werden zudem Mercedes-Benz-Niederflurbusse auf Basis der Baureihe „Citaro“ fertigmontiert.

Die übrigen Busse gehen auf Reisen bevor sie fertig sind – per Bahn. In Neu-Ulm erfolgt die Montage von Reise- und Überlandbussen. Die Belegschaft im französischen Ligny schraubt Stadt- und Überlandbusse zusammen. Hochbodenfahrzeuge für den strapaziösen Stadt- und Überlandeinsatz in der Türkei und Reisebusse, die zwischen dem europäischen Westen des Landes und dem fernen Osten Anatoliens pendeln, lässt das Zwei-Marken-Unternehmen in der Nähe von Istanbul bauen. In punkto Absatzzahlen hat das Gemeinschaftsunternehmen ein beachtliches Absatzplus eingefahren. Auch weil die Nachfrage nach Bussen steigt. Als Evobus vor 15 Jahren an den Start ging, verkauften beide Marken gemeinsam rund 5.700 Fahrzeuge. Im vergangenen Jahr wurden bereits 9.400 Busse aller Art an die Kundschaft in 37 europäischen Ländern gebracht. Und das Bus-Bündnis blickt weiter voller Optimismus in die Zukunft. Ihren Marktanteil von derzeit rund 60 Prozent in Deutschland und 26 Prozent in Europa will der Busbauer weiter ausbauen. Zur Zeit läuft die Produktion auf Hochtouren. „Der Hauptabsatzmonat für Busse ist traditionell und zyklusbedingt der Dezember“, sagt Schick. Um alle Aufträge rechtzeitig zu erledigen, wird an den deutschen Standorten momentan auch wieder an den Samstagen gearbeitet. So heißt es auch 2011: bitte einsteigen.

Quelle: Autoplenum, 2010-12-25
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