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Testbericht

Peter Eck/SP-X, 25. Juni 2020
SP-X/Köln. Die von Mercedes vom Tuner zur sportlichen Hausmarke aufgewertete AMG-Abteilung steht im Kern für die Fans doch noch immer für bollernde Achtzylinder und echte PS-Protzer. Da nimmt sich unser Testwagen, eine A-Klasse, fast schon bescheiden aus. Mit 306 PS aus einem 2,0-Liter-Turbo markiert der auf Basis des schwäbischen Kompakten aufgerüstete Fünftürer ja auch tatsächlich so etwas wie einen Einstieg in die AMG-Welt. Der mit rund 48.000 Euro ohne Berücksichtigung der langen Aufpreisliste ja aber auch schon ein gut gefülltes Konto erfordert – oder eine vertrauensvolle Beziehung zum Kreditberater der Hausbank. Für das Geld erhält man also viel Leistung, aber im Vergleich zum direkten Premium-Wettbewerb auch nicht übermäßig viel. Und selbst ein Ford Focus ST ist gerade mal rund 25 Pferdestärken entfernt und entwickelt sogar ein höheres maximales Drehmoment. Deshalb sei es gleich an dieser Stelle gesagt: Wer mehr will, kriegt bei Mercedes-AMG auch mehr. Dann heißt die noch heißere A-Klasse A 45 und ist wahlweise mit 387 oder gar 421 PS (A 45 S) zu haben. Es geht also immer noch mehr, gerade bei den Affalterbachern.Nun wollen wir uns aber zunächst dem Antrieb widmen, denn das sollte ja für die meisten Käufer der wichtigste Kaufgrund sein. Nach dem Drücken des Startknopfs könnten diese zunächst einmal enttäuscht sein: Der Motor geriert sich sehr zurückhaltend, geradezu leise. Zudem gibt es, wir sind geneigt „Gott sei Dank“ zu schreiben, keinen Schalter für die Betätigung eines Klappenauspuffs, was der typische AMG-Fahrer vielleicht nicht so toll finden wird, alle anderen Verkehrsteilnehmer aber wahrscheinlich schon. Wer unbedingt angeben will, der sei auch hier an den A 45 verwiesen, der ein solches Krawall-Knöpfchen an Bord hat. Zudem startet das Fahrzeug immer im Komfort-Modus.Wenig zu meckern gibt es an der Performance, es sind eben „nur“ 306 PS und „nur“ zwei Liter Hubraum. Wunder darf man da keine erwarten. Aber gegen die Sprintzeit von 4,7 Sekunden ist nichts einzuwenden, und die Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf 250 km/h ist nicht nur Usus, sondern wohl auch kaum ein Grund zur Kritik. Viel wichtiger: Der A 35 schiebt aus dem Stand gut an, dreht willig hoch, hängt gut am Gas und lässt auch bei hohen Drehzahlen nicht abreißen. Dank Allradantrieb gibt es natürlich auch keine Traktionsprobleme und das Doppelkupplungsgetriebe mit „nur“ sieben Gängen verrichtete seine Arbeit aufmerksam, wird dem echten Sportfahrer aber nicht ganz gerecht, weil man es kaum schafft, die Gänge auszudrehen.Echte Emotionen kommen trotzdem nicht auf, dazu wirkt das Gesamtpaket einen Tick zu synthetisch, fehlt es an Sound und auch etwas an Leistung. In gewissen Momenten, etwa beim harten Beschleunigen auf der Autobahn ist man fast ein wenig enttäuscht über die Reaktion des Antriebs. Oder sind wir einfach nur sehr verwöhnt? Die große Stärke des schwächsten AMG liegt aber nicht auf der Autobahn, sondern auf kurvigen Strecken. Das Fahrwerk ist wirklich perfekt abgestimmt, die Lenkung direkt und sehr präzise, aus Kurven heraus stimmt auch die Beschleunigung. Sogar bei feuchtem Wetter oder schlechter Straße lässt sich der Schwabe hier dank der 4Matic kaum beirren.Ein weiterer Vorteil des A 35: Man kann ihn dank der guten Federung auch im Alltag noch kommod bewegen. Der Verzicht auf eine Übermotorisierung verlockt den Fahrer zudem nicht zu ständigen Tempoüberschreitungen. Und: Dieser AMG scheint auch andere Verkehrsteilnehmer, vornehmlich solche mit ähnlichen Modellen süddeutscher Provenienz, nicht zu gefährlichen „Meiner ist Größer“-Spielen herauszufordern, was den Auto-Alltag deutlich entspannter werden lässt. Zumal, wenn man sich im „Comfort“-Modus bewegt und die Finger von Einstellungen wie „Sport“ oder gar „Sport+“ lässt.Noch ein paar Worte zum Innenraum: Hier erinnert das meiste doch an die normale A-Klasse. Selbstverständlich hatte unser Testwagen einige aufpreispflichtige Extras an Bord, darunter auch das formidable MBUX-System mit der aktuell immer noch besten Sprachsteuerung. Ansonsten wollen wir an dieser Stelle auf die übliche Aufzählung (teurer) Optionen verzichten. Wer schon mal Mercedes fuhr weiß, dass man den Grundpreis sicher um mindestens 10.000 Euro übertreffen muss, um ein wiederverkaufbares Auto zu erhalten und das 20.000 Euro plus eher die Regel als die Ausnahme sein werden.Von daher wird es – anders als es das Marketing gerne habe möchte und erzählt – wohl kaum eine wirklich junge Zielgruppe sein, die sich einen neuen A 35 leisten kann. Trotzdem ist der Baby-AMG eine insgesamt erfreuliche Erscheinung, verzichtet er doch optisch und akustisch auf zu viel Krawall und macht sich so auch interessant für Fahrer, die meistens zurückhaltend unterwegs sind, und nur sehr selten den motorisierten Sportler raushängen lassen.Mercedes-AMG A 35 4Matic – Technische Daten:Fünftürige, fünfsitzige Kompaktlimousine, Länge: 4,44 Metern, Breite: 1,80 Meter (mit Außenspiegeln: k.A.), Höhe: 1,41 Meter, Radstand: 2,73 Meter, Kofferraumvolumen: 370 – 1.210 Liter2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, 225 kW/306 PS, maximales Drehmoment: 400 Nm bei 3.000 - 4.000 U/min, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Allradantrieb, Vmax: 250 km/h, 0-100 km/h: 4,7 s, Normverbrauch: 7,4 - 7,6 l/100 km, CO2-Ausstoß: 170 - 175 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-temp, Effizienzklasse D, Testverbrauch: 9,2 l/100 kmPreis: ab 47.529 EuroKurzcharakteristik:Warum: hohe Qualität, guter Rest-Komfort, Fahrwerk und Fahrleistungen klasseWarum nicht: teuer, hoher Realverbrauch, kleiner Kofferraum, wenig Platz im FondWas sonst: Audi RS 3 Sportback, BMW M135i, Ford Focus STJa, ja ist klar: Über solche Autos darf man ja eigentlich heute gar nicht mehr schreiben. Aber bevor Sie sich an einem Shitstorm beteiligen: Unter den Fahrzeugen der AMG-Schmiede darf sich unser Testwagen ja wohl noch am ehesten das Prädikat „vernünftig“ umhängen. Oder sagen wir lieber: am wenigsten unvernünftig.
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Fazit
Ja, ja ist klar: Über solche Autos darf man ja eigentlich heute gar nicht mehr schreiben. Aber bevor Sie sich an einem Shitstorm beteiligen: Unter den Fahrzeugen der AMG-Schmiede darf sich unser Testwagen ja wohl noch am ehesten das Prädikat „vernünftig“ umhängen. Oder sagen wir lieber: am wenigsten unvernünftig.

Quelle: Autoplenum, 2020-06-25

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