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Testbericht

Stefan Grundhoff, 25. März 2020
In Europa sind die meisten S-Modelle von Audi nur noch mit bärenstarken Dieseltriebwerken zu bekommen. Wer heutzutage einen S4, S6 oder S7 als Benziner bewegen will, muss in die USA fliegen.

Die wohl perfekte Antriebswahl eines aktuellen Audi A4 ist der S4. Der wird von einem bulligen Dreiliter-Commonraildiesel angetrieben, der nicht nur 255 kW / 347 PS, sondern auch 700 Nm leistet und selbst bei schnellem Autobahntempo einen sparsamen Verbrauch offeriert. Wer sich im Motorenportfolio von A5, A6, A7 oder den Q7-Modellen Q7 und Q8 umsieht, wird das kaum anders sehen. Die perfekte Mischung aus Antrieb, Fahrleistungen, Verbrauch und Alltagsnutzen bieten durchweg die S-Modelle. In Europa werden die S-Modelle von Audi abgesehen vom 571 PS starken Kraftprotz des S8 ausschließlich von Dieselmotoren angetrieben.

Bisher waren die meisten S-Modelle in Europa Benziner und nur die sehr beliebten Power-SUV von SQ5 und SQ7 waren mit kraftvollen Selbstzündern unter der Haube unterwegs. Audi ging einen mutigen Weg, als man vor Jahren darauf setzte, dass die Dieselkriese weit genug hinten in den Köpfen seiner Fans angelangt sei. Und man wusste um die eigene Motorenkompetenz und die Stärke seiner Powerdiesel, deren Kombination aus Sportlichkeit und Effizienz von einem Benziner nur schwer zu schlagen ist. In den USA sieht die Sache etwas anders aus, denn hier fassen die deutschen Autohersteller das Thema Diesel bisher noch nicht wieder an. Obschon der Dieselskandal in den USA nahezu vollends aus den Köpfen potenzieller Kunden verschwunden ist, bieten Marken wie Volkswagen, Audi, Mercedes oder BMW aktuell keine Diesel an. Die amerikanische Konkurrenz geht zumindest bei den großen Pick Ups einen anderen Weg und kommt bei General Motors, Nissan oder Ford zunehmend auf den Dieselgeschmack aus sparsamen Verbräuchen, gigantischen Reichweiten und bulligen Drehmomenten. Ähnlich sieht es bei Land Rover und Mazda aus, die ihre großen SUV mittlerweile wieder mit Dieselantrieben offerieren.

Jetzt gibt es aber doch den ein oder anderen Fan eines Audi S-Modells, der gerne einen Benziner fahren würde wollen. Ideal für den 2,9 Liter großen Turbomotor, der Modelle wie Audi S6 / S7 antreibt, stattliche 326 kW / 444 PS und ein maximales Drehmoment von 600 Nm leistet. Eine Verbrauchsersparnis von über 20 Prozent und ein betont bulliger V6-Sound soll dafür sorgen, dass die Fans der sportlichen Familienmodelle die V8-Triebwerke ihrer Vorgänger nicht allzu vermissen. Allradantrieb und 250 km/h Höchstgeschwindigkeit sind dabei identisch mit den europäischen Dieselbrüdern. Aus dem Stand beschleunigt der Audi S6 dabei in rund 4,5 Sekunden auf Tempo 100 km/h.

Wie bei seinen europäischen Schwestermodellen wird der Motor weitgehend seiner Anfahrschwäche bzw. des Turbolochs beraubt, weil ein kleiner Elektromotor als Verdichter fungiert. Der sorgt mit einer Maximaldrehzahl von gigantischen 70.000 U/min dafür, dass Audi S6 / S7 bereits aus niederen Drehzahlen bullig antreten, indem schneller als gewohnt der Ladedruck im Turbolader aufgebaut wird. Möglich wird das durch ein 48-Volt-Bordnetz, das an eine 9,6-Ah-Lithium-Ionen-Batterie im Heck des Fahrzeugs gekoppelt ist. Von dort liefert das Akkupaket die Energie des Elektromotors, um die Turbine zu beschleunigen, die sich stromabwärts der Turbolader befindet. Die verschiedenen Komponenten bringen zwar zehn Kilogramm Mehrgewicht ins Fahrzeug, reduzieren die Reaktionszeit beim kraftvollen Antritt jedoch auf weniger als 250 Millisekunden.

So viel Sportlichkeit hat leider auch in den USA ihren Preis. Der Audi S6 startet mit einer allerdings sehr guten Ausstattung bei 73.900 Dollar, während man für den identisch motorisierten Audi S7 10.000 Dollar mehr bezahlen muss. Und wer weiß - vielleicht finden die S-Modelle mit Benziner beizeiten auch noch ihren Weg nach Europa. Für alle, die partout keinen Diesel wollen.
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Quelle: Autoplenum, 2020-03-25

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