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Autoplenum, 2014-04-19

Automarkt China - Kalkulierbares Risiko

Testbericht

Stefan Grundhoff

Amerika ist auf dem Weg zurück zu alter Stärke, Europa dümpelt unentschlossen vor sich hin und Südamerikas Weg zeigt ebenfalls nach oben. Doch wenn die Automobilindustrie in den kommenden Jahren nennenswerte Zuwächse erwarten darf, dann in China.

Dabei ist die Situation auf dem chinesischen Markt nicht einfacher geworden. Denn entgegen aller Hoffnungen der Regierung tun sich die lokalen Marken nach wie vor schwer. "Gerade die heimischen Anbieter mussten weitere Einbußen hinnehmen", erläutert Henner Lehne, Analyst bei IHS Automotive, "ihr Marktanteil sank zum vierten Mal in Folge." Die ausländischen Herstellern und hier insbesondere diese aus Deutschland und den USA mit einer wiedererstarkten Ford Motor Company haben im Gegensatz dazu nach wie vor gut lachen. So wuchs der chinesische Neuwagenmarkt 2013 um zwei auf rund 17 Millionen Neufahrzeuge. "Ein wesentlicher Markttreiber war die starke Nachfrage nach Offroad-Fahrzeugen", ergänzt Henner Lehner. Kein Wunder daher, dass Mercedes auf der Auto China in Peking seinen neuen Hoffnungsträger MLC als seriennahe Studie zeigt, die dem längst enteilten BMW X6 als Crossover Coupé der Luxusklasse folgen soll ehe Audi seinen Q6 präsentiert. Ebenfalls auf der Pekinger Automesse zu sehen sind der neue BMW X4 oder die Crossover-Studie des Audi TT Offroad Concept.

Zumindest leicht erholen konnten sich die japanischen Marken. Zwar ist der Streit zwischen China und Japan noch längst nicht beigelegt, doch langsam stabilisiert sich der japanische Marktanteil auf niedrigem Niveau. Von den chinesischen Autohersteller konnte sich im eigenen Land allein Great Wall nennenswert in Szene setzen, während heimische Firmen wie Geely, Dongfeng oder SAIC weiter schwach unterwegs waren. Die unzähligen chinesischen Millionenmetropolen kämpfen zunehmend mit Verkehrs- und Umweltproblemen. Die dramatische Entwicklung der Luftbelastung in vielen Großstädten hat die Problematik in den Fokus der Öffentlichkeit gebracht. Neue Emissionsstandards sollen diesem Problem entgegenwirken. Die Einhaltung dieser Vorschriften wird besonders für die chinesischen Hersteller eine Herausforderung, die auf dem Feld der Abgasreduzierung ihren ausländischen Wettbewerbern zumeist noch unterlegen sind.

Kein Wunder daher, dass immer mehr Großstädte Beschränkungen für die Zulassungen von Neuwagen einführen. Nach Guangzhou, das 2012 ein Limitierungssystem verabschiedete, hat zu Jahresbeginn auch Tianjin eine entsprechende Regelung eingeführt. Seit Anfang 2011 reguliert die Hauptstadt Peking die Vergabe neuer Nummernschilder über ein ungewöhnliches Lotteriesystem. Seit Anfang des Jahres wurde die monatliche Quote für Neufahrzeuge weiter gesenkt. Längst sorgt diese Entwicklung für Kopfzerbrechen bei den europäischen Herstellern. Hier sind die besonders volumenstarken Marken des Volkswagen- oder PSA-Konzerns genauso betroffen, wie die Premiumhersteller Audi, BMW, Porsche und Mercedes.

Daher kommen zunehmend Elektroautos und Hybriden auf die Tagesordnung. Mittlerweile ist auch Tesla mit einem Verkaufsraum in Peking vertreten. "Der Volkswagen Konzern übernimmt erneut eine Vorreiterrolle in China und startet die größte Initiative für E-Mobilität in Chinas automobiler Geschichte", so Volkswagen-Chef Martin Winterkorn am Vorabend der Messe. Hier geht es nicht nur um Elektroautos wie E-Up und E-Golf, sondern insbesondere neue Plug-In-Modelle wie Porsche Panamera S E-Hybrid, Golf GTE und Audi A3 e-tron. Die anhaltenden Diskussionen über weitere regionale Beschränkungen für Neuzulassungen beinhalten ein Risiko für die Wachstumsdynamik mehrerer Großstädte im Land. "Nichts desto trotz prognostiziert IHS für 2014 ein solides Wachstum von 8,7 Prozent im PKW-Markt", unterstreicht Analyst Henner Lehne, "China bleibt der große Wachstumstreiber der Autobranche. Im März stiegen die Verkaufszahlen um knapp acht Prozent auf 1,7 Millionen Pkw."

In dem zweitgrößten Automarkt der Welt, den USA, waren die Absatzzahlen im März nach einem frostigen Jahresauftakt um knapp sechs Prozent auf gut 1,5 Millionen Autos geklettert. Die Angst vor weiteren Verkaufs- und Zulassungsbeschränkungen könnte sich kurz- und mittelfristig daher zu einem echten Verkaufsboost entwickeln. Wegen der extremen Smog-Belastung haben einige Metropolen die Zahl der Neuzulassungen bereits gedeckelt, weitere Städte könnten folgen. Um dem zuvorzukommen, greifen manche Chinesen schneller zum Neuwagen. Nach Schätzungen eines zweiten örtlichen Branchenverbandes könnten die Verkäufe in diesem Jahr alleine deswegen um eine halbe Million steigen. Bleibt abzuwarten, was die Auto China in Peking als wichtigste Verkaufsmesse für neue Impulse bringt. Insbesondere die Erwartungen der europäischen Marken sind gigantisch. Doch das Risiko kaum kleiner.

Quelle: Autoplenum, 2014-04-19
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