Seat Ibiza Cupra: Rassiges Topmodell
Testbericht
Barcelona, 5. Februar 2013 - Kaum, dass der Fuß das Gaspedal berührt, erwacht der Cupra aus der Siesta. Er röhrt und dröhnt, er blabbert, er drängt vorwärts. Das ist gut, denn wer die sportliche Speerspitze einer Baureihe sein will, der muss ordentlich Feuer unterm Hintern haben - beziehungsweise PS unter der Haube. Beim Ibiza Cupra sind es 180 Pferdchen, bereitgestellt vom 1,4-Liter-Benziner mit doppelter Aufladung. Der treibt den temperamentvollen Spanier auf bis zu 228 km/h Höchstgeschwindigkeit und aus dem Stand in 6,9 Sekunden auf hundert km/h. Eigentlich zu schade, um im Innenstadtverkehr von Barcelona gemütlich von Ampel zu Ampel zu schleichen.
Spanisches Temperament
Das Jagdrevier des Kraftprotzes befindet sich auf kurvigen Straßen im Hinterland seiner spanischen Heimat. Wenn die Umrisse der Sagrada Familia im Rückspiegel verschwinden, riecht der Cupra den Duft der Freiheit und sprintet los. Das Drehmoment von 250 Newtonmeter liegt auf einem breiten Band von 2.000 bis 4.500 Umdrehungen an und verleiht dem Kleinen ordentlich Wumms, dank bewährtem VW-Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe hängt er gut am Gas und vermeldet kaum tote Punkte beim Schaltvorgang.
Sportlerherz
Das Sportfahrwerk ist im Vergleich zum Serien-Ibiza zwei Zentimeter tiefer gelegt. Der niedrigere Fahrzeugschwerpunkt und das elektronische Quer-Sperrdifferential lassen den spanischen Heißblüter so selbstbewusst durch die Kurven stolzieren wie ein Torero durch die Arena. Die Lenkung könnte einen Ticken direkter sein, die Bremsen ein Quäntchen bissiger, ansonsten gibt das Fahrwerk keinen Grund zur Klage. Die Abstimmung ist straff und versetzt den Insassen beim Überfahren jeder Temposchwelle einen ordentlichen Stoß, doch nichts anderes erwartet man von einem Auto, dessen Beiname "Cupra" auf den Begriff "Cup Racing" verweist.
Auch äußerlich unterscheidet sich die Sportversion vom Basismodell. Der große Lufteinlass streckt sich fast bis zum Kühlgrill und trägt das Nummernschild. Am Heck rahmt ein breiter Stoßfänger den stattlichen Diffusor ein, in dessen Mitte das zentrale Auspuffrohr prangt. Wer jetzt noch nicht weiß, was Sache ist, der wird vom zentralen Cupra-Schriftzug auf der Kofferraumklappe und den Cupra-Logos mit schwarz-weiß-kariertem Renncharakter darauf hingewiesen.
Konzernkonkurrenz
Im Vergleich mit dem konzerninternen Dynamik-Rivalen Polo GTI hat der Cupra die deutlich rassigeren Linien. Allerdings gibt's den Sport-Polo ab 22.925 Euro, der Cupra kostet mindestens 23.590 Euro und damit 3.000 Euro mehr als der bisherige Top-Benziner. Dafür rollt der jüngste Cupra am 14. März 2013 beinahe vollausgestattet zu den Händlern. LED-Tagfahrlicht, 17-Zoll-Leichtmetallräder, Klimaautomatik und Navigationssystem sind serienmäßig mit an Bord. In puncto Verbrauch schließlich sind sich die Konkurrenten einig: 5,9 Liter benötigen beide laut Datenblatt für 100 Kilometer.
| Antrieb: | Frontantrieb |
|---|---|
| Anzahl Gänge: | 7 |
| Getriebe: | DSG |
| Motor Bauart: | Vierzylinder-Ottomotor |
| Hubraum: | 1.390 |
| Anzahl Ventile: | 4 |
| Anzahl Zylinder: | 4 |
| Leistung: | 132 kW (180 PS) bei 6.200 UPM |
| Drehmoment: | 250 Nm bei 2.000-4.500 UPM |
Der Ibiza Cupra macht Spaß. Die 180 PS verleihen ihm ordentlich Karacho, überwältigen ihn aber nicht mit ihrer Kraft. Das Fahrwerk ist angemessen straff abgestimmt, für Freunde der Steißbeinmassage kommt möglicherweise im Lauf des Jahres eine noch härtere Fahrwerksoption.
Bleibt die Frage, wer sich den Cupra leisten kann und will. Laut Hersteller ist die Zielgruppe unter 29 Jahre alt und kinderlos. Ob die für das Mehr an Ausstattung mehr zahlen möchten als für einen Polo GTI, wird sich zeigen. Den sportlich-rassigeren Look hat allemal der Cupra.





























