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Testbericht

15. Dezember 2006
Turin (Italien), 15. Dezember 2006 – Als wir nach der Pressevorstellung des Daihatsu Materia am Flughafen ankommen, ist der Angestellte beim Check-in neugierig. Er will unbedingt sehen, um welches Auto es sich da handelt und bittet um unsere Pressemappe. Der Mann guckt sich ein Foto des Materia an und verzieht das Gesicht – es ist offensichtlich, dass ihm das Design nicht gefällt. Daihatsu gibt zu: Der kastenartige Neue erregt zwar Aufsehen, gefällt aber beileibe nicht jedem. Wir haben das Auto mit dem polarisierenden Design für Sie getestet, um herauszufinden, wie es sich fährt. Start im März 2007 Die ersten Exemplare des Daihatsu Materia wird man schon Anfang Januar 2007 beim Händler sehen, doch in Kundenhand kommt das Auto erst im März. Dann kann man sich zwischen zwei Angeboten entscheiden. Die Einstiegsversion hat einen 1,3-Liter-Motor und 91 PS. Nur zwölf PS stärker ist die 1,5-Liter-Version mit 103 PS. Eine dritte Variante kommt im Mai 2007 dazu, wenn ein Allradler mit dem 103-PS-Motor startet. Der 3,80 Meter lange Materia basiert auf dem Sirion und ist in Japan schon als Daihatsu Coo und in einer baugleichen Version der Konzernmutter als Toyota Bb (gesprochen Bibi) auf dem Markt. Die Motoren des Materia sind von anderen Daihatsu-Modellen her bekannt, wurden aber an den Materia angepasst. 1,5-Liter-Aggregat mit 103 PS Der von uns gefahrene 1,5-Liter-Antrieb arbeitet in ähnlicher Form im Daihatsu-SUV Terios. Er beschleunigt den etwa eine Tonne schweren Kleinwagen-Van in recht flotten 10,8 Sekunden auf Tempo 100. So fehlt es dem Auto kaum je an Kraft zum Überholen oder an Steigungen. Aber 103 PS sind ja auch eine Menge Holz für einen Stadtflitzer.

Zielmarke verfehlt Alles in allem gibt’s am Antrieb wenig zu kritisieren, außer vielleicht, dass das Aggregat um 3.000 Touren herum ein wenig brummig klingt. Das Triebwerk soll laut Hersteller 7,2 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Mit 169 Gramm ausgestoßenem Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer verfehlt das Auto die von der Autoindustrie in ihrer Selbstverpflichtungserklärung gesetzte Zielmarke von 140 Gramm. Der Materia 1.5 wird mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe ausgeliefert, das weniger befriedigt als der Motor: Der Schalthebel hakelt und die Kupplung lässt einen klar definierten Druckpunkt vermissen. Wer will, kann statt der Schaltung eine Vierstufenautomatik für 970 Euro bestellen. Straffes Fahrwerk Das Fahrwerk eines Autos, das fast so hoch wie breit ist, hat’s schwer. So ein hohes Fahrzeug wird sich in Kurven wohl immer störend nach außen neigen. Landstraßen-Fans oder Serpentinenjägern kann man also von vornherein abraten. Doch für eine Höhe von 1,64 Metern fühlt sich der Materia in der Kurve bemerkenswert straff an – was wohl auf das Konto der Torsionsstabilisatoren an Vorder- und Hinterachse geht. Über Bodenunebenheiten geht der hochgewachsene Japaner recht unbeeindruckt hinweg. Sitze ohne Seitenhalt In der Kurve fallen allerdings die Sitze auf, die kaum Seitenhalt bieten. Selbst wer vorsichtig in die Biegung hineinfährt, hängt manchmal unangenehm im Gurt. Das Innenraumgefühl ist jedoch dank der hohen Decke gut. Die Instrumente befinden sich in der Mitte des Armaturenbretts. Was bei ausgewachsenen Vans stört, weil der Blick zwischendurch immer mal wieder weit nach rechts zum Tacho wandern muss, ist bei der geringen Breite des Materia kein Nachteil. Die blau leuchtenden Skalen sind angenehm anzusehen. Auch sonst wirkt der Daihatsu für seine Klasse recht ordentlich verarbeitet. Nur der Schaltknauf verdrehte sich immer wieder, sodass das darauf geprägte Gangschema schief stand.

Fondraum wie in der Oberklasse Äußerlich ist der Materia durch seine kleinwagenartige Länge und seine übergroße Höhe als Minivan einzustufen. Aber auch bei den inneren Werten – konkret in puncto Variabilität – braucht er sich vor größeren Vans nicht zu verstecken. So lässt sich die Fondsitzbank um 16 Zentimeter längs verschieben. Selbst wenn sie ganz nach vorn gerückt ist, kann ein Erwachsener noch hinten sitzen. Entsprechend mehr Knieraum ergibt sich, wenn man die Bank zurückschiebt. Das kann man so weit treiben, dass man im Fond fast wie in einer Oberklasselimousine sitzt. Nach oben ist ohnehin mehr Raum als man benötigt. Selbst Zylinderträger brauchen ihre Kopfbedeckung nicht abzunehmen. An die Kissen denken Die Lehne der Rückbank lässt sich asymmetrisch geteilt umklappen. Dabei ergibt sich ein ebener Laderaum – selten bei Kleinwagen, und sogar bei Minivans nicht selbstverständlich. Sehr ungewöhnlich auch die „Liegewiese“: Beim Materia kann man serienmäßig auch noch die Lehnen der Vordersitze nach hinten umlegen. Schiebt man die Fondbank ganz zurück und entfernt die vorderen Kopfstützen, dann ergibt sich eine Liegefläche mit 2,20 Meter Länge. Beim Probefläzen störte nur, dass das Sitzpolster des Frontsitzes so tief liegt. Wer im Materia übernachten will, sollte also an dicke Kissen denken. Außer zu Campingzwecken lässt sich der umklappbare Beifahrersitz auch gut nutzen, wenn man lange Gegenstände transportieren will. Im Normalfall passen je nach Position der Rückbank 181 bis 294 Liter in den Kofferraum. Legt man die Sitze um, so ergeben sich 619 Liter. Der zweite Wert bezieht sich allerdings auf das Volumen bis zur Fensterunterkante. Bis zur Decke beladen, dürfte rund das doppelte Volumen zur Verfügung stehen.

Schreck beim Blick in die Preisliste Vom Design abgesehen, sind wir vom Materia ganz angetan. Doch als wir zum ersten Mal einen Blick in die Preisliste warfen, mussten wir uns festhalten. Ganz schön happig für einen Kleinwagen, dachten wir. Denn die Basisversion des Materia mit 91-PS-Motor kostet 14.490 Euro. Und für den Materia 1.5, nur zwölf PS stärker und fast identisch ausgestattet, wird noch mal ein Tausender mehr verlangt. Aber halt – der Vergleich mit einem Kleinwagen ist nicht ganz fair. Wir haben den Materia als Minivan bezeichnet, also muss man ihn auch mit anderen Minivans vergleichen. Ein geeigneter Vergleichskandidat ist der Renault Modus. Der ist ebenfalls rund 3,80 Meter lang und fast ebenso hoch. Mit einem 112-PS-Motor kostet das Auto 16.400 Euro. Damit ist man auf ähnlichem Niveau wie der 15.490 Euro teure Materia. Während ESP bei dieser Modus-Version Serie ist, muss es beim Materia 1.5 für knapp 500 Euro dazubestellt werden. Gute Ausstattung Sieht man vom nicht serienmäßigen ESP ab, ist die Ausstattung des Materia gut. So gibt es die kleinwagenüblichen vier Airbags und jede Menge Komfort: Elektrische Fensterheber rundum, elektrisch einstellbare Außenspiegel, Zentralverriegelung mit Fernbedienung sind auch noch eine Klasse höher nicht selbstverständlich. Dazu kommen Alufelgen, Nebelscheinwerfer und sogar Klimaanlage sowie CD-Radio. Beim Modus fehlen Alufelgen und Nebelscheinwerfer. Auch wenn man die Ausstattung mit einrechnet, ist der Materia auf gleichem Preisniveau wie der Renault. Die Extrapreisliste ist beim Materia kurz: Nur Kopfairbags, ESP, Automatikgetriebe und Perleffektlackierung gibt es gegen Aufpreis. Die Sonderlackierung ist allerdings fast ein Muss, denn ohne Aufpreis gibt es nur die Farbe Weiß. (sl)
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Schaltung
Motor Bauart:Ottomotor, DOHC, variable Ventilsteuerung
Hubraum:1.495
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:76 kW (103 PS) bei UPM
Drehmoment:132 Nm bei 4.400 UPM
Preis
Neupreis: 15.490 €
Fazit
Der Materia ist wahrlich kein Schönling – hier rangiert er unserer Ansicht nach in der gleichen Liga wie Fiat Multipla, Renault Kangoo oder SsangYong Rodius. Aber er bietet viel Nutzwert auf wenig Länge, und das ist es, was man in der Stadt braucht. Das Innenraumangebot ist für ein nur 3,80 Meter langes Auto hervorragend – sogar ein VW Fox ist schließlich größer. Das 1,5-Liter-Aggregat mit über 100 PS ist eine gute Motorisierung, und auch das recht straffe Fahrwerk ist lobenswert.

Zusammen mit der guten Ausstattung kosten diese Vorzüge natürlich Geld, sodass der Materia auf den ersten Blick recht teuer aussieht. Doch ein Blick auf die Konkurrenz zeigt, dass Daihatsu nicht mehr als der Wettbewerb verlangt. Wer allerdings einen Billigheimer erwartet hat, sieht sich getäuscht. Als gewichtige Kritikpunkte bleiben eigentlich nur das hakelige Getriebe und das Design – ansonsten überzeugt der Materia.
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2006-12-15

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