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Testbericht

automobil-magazin.de, 15. Juli 2010
Test: Ford Focus RS

Der Focus RS ist Kultauto. Schon jetzt und nicht erst in Zukunft. Soviel Verbrennung für so wenig Kohle. Der Ford Focus RS steht mit 35.900 Euro in der Preisliste.Was für ein Preis-Leistungs-Verhältnis. Günstig, weil im Motorraum 305 PS zur Arbeit eingeteilt sind. Halbstark? Wirkt das nur, wenn man ihn nicht gefahren hat.
Raum ist hier Raumgewinn. Auch Kofferraum (385 l), aber eher peripher. In 5,9 Sekunden ist Tempo 100 Vergangenheit, weil Tempo 200 gleich Zukunft ist. Der im Auspuffkrümmer integrierte Turbolader von BorgWarner pumpt den quer eingebauten 2,5-Liter-Fünfzylinder zwischen 2.300 und 4.500 U/min mit maximal 1,4 bar auf 440 Newtonmeter. So Mitte 3.000 drückt der Turbo noch mal mächtig nach, bei 6.500 U/min macht er dann 305 PS Laune. Knurrend, zischend, schmatzend, verdaut der RS lässig eine Kurve nach der anderen.

Schnelle Kurven riechen. Kein Geruch von Gummiabrieb. Ein freundlicherer Duft, der über die Belüftungsdüsen hereindringt: Eine Duftwolke von Scheibenwischwasser, dessen Reservoir im Testwagen so gründlich aufgefüllt wurde, dass im Motorraum in schnellen Kurven auch mal ein Tropfen daneben geht. Ein anmachender Geruch. Auch weil die unheilig scheinende Allianz von über 300 PS Motorleistung und Frontantrieb wenig vom Potential verschüttet, wenn es richtig flott zugeht.

Geht es um Kurven, vertragen sich starker Motor und Frontantrieb auf überzeugende Weise. Die tendenzielle Auslegung ist neutral bis leicht untersteuernd. Mit einem Gas-Lupfer in der Kurve lässt sich ein auskeilendes Heck provozieren. Die elektrohydraulische Servolenkung arbeitet direkt. Flott gehts durch die Schaltgassen des Sechsganggetriebes. Die Bremsanlage ist, wie es zur WRC-Sonderprüfungs-Aura des Kölners gut passt, von zupackendem Charakter (336 mm-Scheiben vorne, 302 mm hinten). Die Mischung stimmt. Dass der RS die Zähne – bei ansonsten akzeptablem Komfort – über derben Schlaglöchern zusammenbeißen lässt oder bei einem Fahrmanöver am Wendekreis von 13,1 Meter scheitert, das alles ist nicht mehr – als eine vom Besitzer alsbald voll akzeptierte Nebenwirkung.

Ganz nebenwirkungsfrei ist der RS-Karosserie-Karneval nicht: Vorne beginnt der aufgebretzelte Rheinländer mit breitem Schlund für die Kühlluft. Seitlich trägt er mit ausgestellten Radläufen und Schwellern ziemlich jeck auf, aber das härteste kommt zum Schluss: der doppelflügelige Dachspoiler, der verblendete Doppelauspuff und ein Heckdiffusor im Ihr-kriegt-mich-nicht-Format – Geschmack ist, wenn man darüber streiten kann. Fraglos: Hier kann man.

Weniger aufbrausend wirkt das Interieur. Die serienmäßigen Recaros mit hohen Wangen sind das beste, was einem Rücken passieren kann (straff gepolstert, optimaler Seitenhalt). Unpraktisch bei unterschiedlichem Fahrer-Höhenprofilen ist allerdings die Höhenverstellung. Die gibt es, aber verstellt werden kann nur mit Werkzeug. Wo sich sonst im Focus ein praktisches Ablagefach auf dem Armaturenbrett auftut, erblickt man hier den besser passenden Dreisatz von Öltemperatur, Ladedruck und Öldruck. Drumherum: Die Zahl „280“ (real: 263 km/h), Karbonlook und einwandfrei in der Hand liegende Arbeitsmittel (RS-Schalthebel und RS-Lederlenkrad), aber das war´s dann fast schon. Ansonsten? Alles ziemlich Focus.

Dezentheit sieht trotzdem anders aus. Wer die Praxis kennt, beklagt sich jedoch nicht mehr über die Form. Denn der Focus RS fängt seine Kritiker mit herzhafter und bißfester Performance ein. Knistert es im Auspufftrakt und stinkt die Kupplung, dann denkt mancher schon an den Kaufvertrag. Störfeuer gibt´s nur vom Verbrauch, von der dämlichen Sitzhöhenverstellung, aber vorallem von anderen Interessenten: Der RS ist limitiert. Nicht in seinem Talent, sondern in seiner Zahl. Mit dem jüngst präsentierten, von 305 auf 350 PS erstarkten Focus RS500 verschärft sich die Einkaufssituation nochmals. Der steuert dem Kult zum Ende einer Focus-Generation noch heftiger entgegen.


(le)
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: automobilmagazin, 2010-07-15

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