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Testbericht

Sebastian Viehmann, 10. November 2008
Dicht an dicht drängen sich kompakte Nobel-SUV auf einem ohnehin schwierigen Markt. Nun kommt mit Infiniti eine weitere Marke hinzu. Der EX 37 punktet mit einer reichhaltigen Ausstattung, doch das dürfte für einen schnellen Erfolg kaum reichen.

Im Herbst 2009 wird es ernst für Infiniti. In anderen Ländern Europas ist der Verkauf bereits angelaufen, in Deutschland kam das Händlernetz bislang nur schleppend voran. Bis zum nächsten Herbst sollen zumindest in mehreren großen Städten Infiniti-Center eröffnen und die Edelmarke hierzulande anlaufen. Neben dem großen SUV FX und dem G37 rechnen sich die Japaner vor allem beim EX Chancen aus. Mit 4,64 Metern Länge und 1,9 Tonnen Lebendgewicht geht einem das Wort Kompakt nur zögerlich über die Lippen, doch der EX soll die kleinen SUV der „Großen Drei“ angreifen: Audis Q5, BMWs X3 und den GLK von Mercedes.

Im Vergleich zum FX wirkt der kleinere EX dezenter und gefälliger gestylt. Allerdings sieht er von außen größer aus, als er innen ist. Auf den vorderen Plätzen kann man es sich noch bequem machen, hinten hätte man vor allem an den Knien mehr Lebensraum erwartet. Auch die sehr hohe Ladekante und ein Gepäckraum von lediglich 340 Litern enttäuschen. Ein Audi Q5 schluckt 540 Liter, der X3 kann 480 Liter wegstecken und der Mercedes GLK immerhin noch 450 Liter. Im Innenraum kann sich der Infiniti ebenfalls kaum von der Konkurrenz abheben: Die Verarbeitung ist tadellos, aber die Innenraumanmutung eben auch nicht besser oder schlechter als bei Audi und Co.

Ein Highlight, das die Konkurrenz nicht zu bieten hat, ist das optionale Rundumsicht-System. Vorne, hinten und in den Außenspiegeln des EX37 sind winzige Kameras angebracht. Die Bilder werden vom Computer verknüpft und auf dem serienmäßigen 8-Zoll-Farbdisplay angezeigt, so dass der Fahrer eine Sicht aus der Vogelperspektive mit dem Auto in der Mitte hat. Das erleichtert das Rangieren ungemein, denn die runden Formen des EX machen den Wagen unübersichtlich. Immerhin ist auch ohne Rundumsicht-Monitor eine akustische Einparkhilfe für vorn und hinten serienmäßig an Bord.

Überhaupt ist es die reichhaltige Ausstattung, die den EX dann doch noch von der Konkurrenz abhebt. Im Basispreis, der ungefähr 46.000 Euro betragen soll, sind Dinge wie Zweizonen-Klimaautomatik, Audiosystem mit Multifunktionslenkrad, Automatikgetriebe oder elektrische Sitzverstellung bereits enthalten. Die Aufpreisliste besteht im Wesentlichen aus Oberklasse-Features wie Abstandstempomat, Xenon-Scheinwerfern mit Kurvenlicht oder dem Rundumsicht-System.

Auch beim Fahrverhalten peilt Infiniti die deutschen Premiummarken an. Für den europäischen Geschmack wurden die bislang vor allem in den USA bekannten Infinitis mit über 500 Modifikationen speziell abgestimmt. Das Fahrwerk ist erfreulich straff, die Lenkung direkt und der permanente Allradantrieb sehr reaktionsfreudig, so dass der EX37 auf der Straße eine überraschend dynamische Figur abgibt. Dazu steuert natürlich der Antrieb sein Scherflein bei. Mit 3,7 Litern Hubraum, 235 kW / 320 PS Leistung und einem maximalen Drehmoment von 360 Newtonmetern galoppiert der schwere Geländewagen in 6,4 Sekunden auf 100 Km/h. Flotter ist man auch mit X3, Q5 oder GLK nicht unterwegs.

Sparsamer allerdings sehr wohl: Der satt vor sich hin brabbelnde und dennoch seidenweich laufende V6 ist bislang die einzige Motorisierung, die für den EX zu haben ist. 11,2 Liter pro 100 Kilometer (Werksangabe) fließen im Durchschnitt durch die Leitungen. Die stärksten Benzinaggregate der Konkurrenz (etwa der Dreiliter-Benziner mit 272 PS beim X3 oder der 3,5-Liter V6 mit 272 PS beim GLK) geben sich mit deutlich weniger Sprit zufrieden. Vor allem aber punkten Audi, BMW und Mercedes mit sparsamen und trotzdem kraftvollen Dieselmotoren. Bei Infiniti halten Selbstzünder und Hybridantrieb voraussichtlich erst 2010 Einzug. Basis ist das Dreiliter-Aggregat, das die Renault-Nissan-Allianz im neuen Renault Laguna Coupé vorgestellt hat. Dort leistet es 235 PS. Vor dem Einzug unter die Infiniti-Haube wird es wahrscheinlich in den Genuss einer Leistungsspritze kommen.

Beim Preis orientiert sich Infiniti an der Konkurrenz. Ein Q5 ist ab 42.350 Euro zu haben (hat dann aber nur einen Zweiliter-Benzinmotor), der X3 xDrive 3.0 kostet 44.900 Euro und der GLK 350 stramme 46.053 Euro. Weil aber der Dieselmotor im SUV-Segment eine enorme Rolle spielt und im X3-Segment rund zwei Drittel aller Zulassungen für sich verbuchen kann, könnte der Start des EX37 trotz eines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses ziemlich holprig werden.

Quelle: Autoplenum, 2008-11-10

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