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Testbericht

Patrick Broich/SP-X, 6. Juni 2019
SP-X/Köln. Machen wir uns nichts vor, ein Volksporsche ist der Sportwagen-Einsteiger 718 Cayman mit über 55.500 Euro Einstiegspreis nicht. Genauer betrachtet war das aber auch der 914 nicht, der immerhin diesen Spitznamen bei den Bundesbürgern trug. Mit einem Neuwagenpreis von mindestens 11.954 Mark im Jahr 1970 rangierte der Mittelmotor-Flitzer beispielsweise über dem honorigen Opel Commodore – der noble Zweitürer war bereits ab 10.816 Mark zu haben. Viel Performance gab es damals und viel Fahrspaß bereitet der inzwischen recht beliebte 914er auch heute noch. Das hier besprochene Exemplar trägt schon den später eingesetzten Zweiliter-Boxer unter der Motorhaube – je nach Ausführung gibt es 74 kW/100 PS auf die Hinterräder. Unter markantem Anlasser-Sound startet das kleine Kraftpaket und verfällt in typische Boxerklänge. Da schimmert akustisch ein bisschen Elfer durch, und schon gleiten die Mundwinkel nach oben.Der erste Gang geht etwas knochig, die Kupplung greift recht spät und lässt den nicht mal eine Tonne wiegenden Oldie sanft loslegen. Wo der quietschgelbe 914er auch langschlendert, es gibt häufig einen nach oben gerichteten Daumen. Auf der Landstraße bei gut gewärmtem Öl rutscht das rechte Pedal näher ans Bodenblech; das Tempo, das der grummelig klingende Zweiliter macht, fühlt sich schneller an, als die Tachonadel bestätigt. Richtig Druck hat das Targa-Coupé zwar nicht (10,5 Sekunden bis 100 km/h), aber das Fahrgefühl ist cool. Ein ungefiltertes Erlebnis macht die nominal langsamen Zeiten wett, die schwergängige Lenkung erzeugt ein veritables Sportwagen-Empfinden. Zumal der Basis-Porsche ausgewogen durch Kehren wetzt im Rahmen seiner Möglichkeiten. Man hat ja Respekt vor Autos ohne Regelsysteme – denn wer es in der Kurve übertreibt, dem hilft nur Gegenlenken, und das muss gekonnt sein.Umstieg in den Vierzylinder-Neuwagen. Porsche wäre nicht Porsche, wenn die Techniker das Boxer-Konzept über Bord geworfen hätten. Die Schwaben schenken ebenfalls zwei oder beim stärkeren Modell sogar 2,5 Liter ein. Damit es maximal stürmisch nach vorn geht, gönnt man dem S-Modell 257 kW/350 PS. Willkommen in der Welt des PS-Wettrüstens. Dreh am Schlüssel auf der linken Seite, der turboaufgeladene Boxer tobt akustisch gleich los. Bei genauem Hinhorchen könnte man womöglich ein von seinem Sechszylinder-Vorläufer leicht abweichendes Klangbild ausmachen, aber genau weiß man es nicht ohne direkten Vergleich. Viel wichtiger: Die Soundexperten haben ihrem jungen Triebwerk Porsche-Boxer-Timbre anerzogen, und das macht definitiv an. Fahrstufe „D“ eingelegt, die Mittelmotor-Neuinterpretation rollt los, wenn die Lamellenkupplung des Doppelkupplers langsam schließt.Ein nervöser rechter Fuß will niederdrücken, doch da sind diese mahnenden Verkehrsschilder. Schon in der geschlossenen Ortschaft ahnt man, wie präzise der perfekt austarierte Cayman Lenkradbewegungen folgt. Endlich geht es aufs einsame Land, der Vierzylinder stählt unfreiwillig die Nackenmuskeln, während das Getriebe einen Gang nach dem anderen reinknallt. Das Grinsen auf dem Gesicht des Fahrers ist eindeutig: Der macht richtig Laune.Nach einer schnellen Runde geht es zum Runterkommen wieder in den 914, den Karmann als Auftragsfertiger für die eigens gegründete VW-Porsche Vertriebsgesellschaft auf die Räder stellte. Im direkten Vergleich entschleunigt der Oldie – obwohl man mit dem Exoten auch richtig flott auf der Landstraße unterwegs sein kann, Mittelmotor sei Dank.Beruhigend ist aber auch das karge Armaturenbrett, auf dem es nicht viel zu regeln gibt außer der Heizung. Multimediale Dauerberieselung – natürlich Fehlanzeige. Das Konzept mit dem groß dimensionierten Drehzahlmesser hat der 914 aus dem großen Bruder 911 übernommen. Drehfreudig ist der Zweiliter schließlich. Dagegen gibt sich der Cayman ganz zeitgemäß als Infotainment-Vollprofi mit schnell reagierendem Touchscreen und ebenso zackig arbeitendem Navigationssystem. Man muss sich schon ein bisschen mit dem neuzeitlichen Performer beschäftigen, um der Tasten-Armada Herr zu werden. PASM, PCM, Sport-Chrono – alles klar? Beim 718 kann auf Wunsch alles elektronisch beeinflusst werden von den Dämpfern bis zu einem perfekten Start, um innerhalb von rund vier Sekunden auf Landstraßentempo zu gelangen. Mehr Aufmerksamkeit vor der Eisdiele bekommt ganz klar der 914 – und das auch noch zum deutlich günstigeren Tarif.VW-Porsche 914 2.0 – technische Daten:Mittelmotor-Sportwagen, Gesamtbauzeit 1969 bis 1976, Länge: 4,12 Meter, Breite: 1,65 Meter, Höhe: 1,23 Meter, Radstand: 2,45 Meter2,0-l-Vierzylinder-Boxer-Benzinmotor, 74 kW/100 PS, maximales Drehmoment: 157 Nm bei 3.500 U/Min, 0-100 km/h: 10,5 s, Vmax: 190 km/h, Fünfgang-SchaltgetriebeEhemaliger Neupreis:  ab 11.954 Mark (1970)Heutiger Marktpreis nach Classic DataNote 1: 42.000 EuroNote 2: 26.000 EuroNote 3: 16.000 EuroPorsche 718 Cayman S – technische Daten:Mittelmotor-Sportwagen, Länge: 4,38 Meter, Breite: 1,80 Meter, Höhe: 1,28 Meter, Radstand: 2,48 Meter2,5-l-Vierzylinder-Boxer-Benzinmotor mit Turboaufladung, 257 kW/350 PS, maximales Drehmoment: 420 Nm bei 1.900 bis 4.500 U/Min, 0-100 km/h: 4,2 s, Vmax: 285 km/h, Siebengang-Automatik (Doppelkupplung), Durchschnittsverbrauch: 8,5 l/100 km, CO2-Ausstoß: 193 g/km, Effizienzklasse: F, Grundpreis: ab 68.003 EuroDer sogenannte „Volksporsche 914“ des Jahres 1969 und der heutige 718 Cayman haben einiges gemeinsam. Beide Mittelmotor-Sportler zaubern ihren Fahrern ein Lächeln auf die Lippen.
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Fazit
Der sogenannte „Volksporsche 914“ des Jahres 1969 und der heutige 718 Cayman haben einiges gemeinsam. Beide Mittelmotor-Sportler zaubern ihren Fahrern ein Lächeln auf die Lippen.

Quelle: Autoplenum, 2019-06-06

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