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Testbericht

Marcel Sommer, 7. Juli 2015
Mit dem neuen 500 schwimmt Fiat auf der neuesten Trend-Welle. Warum was verändern, wenn es sich auch so gut verkauft?

Wenn aktuell ein großer Trend im Automobilsektor die Runde macht, dann der Glaube daran, etwas Gutes nicht verändern zu müssen. Was Volkswagen bei seinem zweiten Facelift des T6, beziehungsweise des neuen T6 vor wenigen Tagen vormachte, kann Fiat schon lange. Und so sieht der offensiv als neuer 500 C vermarktete Kleinstwagen mit Faltdach zumindest von außen eigentlich genauso aus, wie sein Vorgänger. Na gut, die Lampentechnologie ist neu, die Heckleuchten beinhalten jetzt ein großes, in Wagenfarbe lackiertes Loch und das Omega des Schnäuzchens ist hervorgehoben. "Das Was wurde was?" ist die absolute korrekte Reaktion an dieser Stelle. Doch wenn Chefdesigner Roberto Giolito diesen Satz mit typisch italienischer Leidenschaft formuliert und zugleich noch zwei zusätzliche Farben anpreist, wird klar, dass auch innerhalb des Fiat-Konzerns mehr nach neuen Beschreibungen von Altbewährtem, als nach einem komplett neuen Design gesucht wurde. Um das Omega-Schnäuzchen-Bild aufzulösen: aus einem Chrom-Bärtchen in der Front wurden zwei.

All die Nichtänderungen bedeuten aber keinesfalls, dass aus einem funktionierenden und über 1,5 Millionen Mal verkauften Fiat 500 ein schlechtes oder langweiliges Auto geworden ist. Der immer noch 3,57 Meter lange und 1,89 Meter breite Stadtfloh überzeugt weiterhin mit seiner Wendigkeit, einer sehr leichtgängigen Lenkung und einem für die Großstadt ausgelegten, komfortablen Fahrwerk. Der 0,9 Liter kleine TwinTurbo-Benzinmotor mit 85 PS arbeitet ebenso lautstark wie unaufgeregt und lässt sich mit dem manuellen Fünfganggetriebe gut dosieren. Vom Automatikgetriebe sollten auch schaltfaule Fahrer weiterhin die Finger gelassen werden. Zu schlecht reagiert sie auf die Wünsche von Fahrer und Motor - und die ersten drei Gänge reichen in der Stadt und auf dem Land für eine amüsante Fahrt völlig aus. Denn um das 970 Kilogramm leichte Cabrio zum spontanen Überholen zu motivieren, sollte der Drehzahlmesser nicht allzu weit von der 4.000er-Marke entfernt sein.

Gegen Aufpreis wird aus dem ursprünglichen Zeigerinstrument ein sieben Zoll großer TFT-Bildschirm, auf dem die maximale Geschwindigkeit von 173 Kilometern pro Stunde in digitaler Form erlebt werden darf. Doch ist der Fiat 500 C noch nie für wirklich für solche Tempi erdacht worden und dabei sollte es eigentlich auch bleiben. Der Tempo 100-Sprint in elf Sekunden macht da schon mehr Spaß. Dabei zeigt sich, dass weder bei geschlossenem noch bei offenem Dach übermäßig viel Motorenklang in den Innenraum dringt. Ein tiefes Grummeln im hohen Drehzahlbereich ist alles - und wahrscheinlich für einen Großteil der mit 70 Prozent die größte Käuferschicht bildende Frauenwelt durchaus sportlich laut genug.

Wird das Dach elektrisch komplett zusammengefahren besteht noch immer das Problem, dass nach hinten die Sicht gleich Null beträgt. Ist es in der vorletzten Position, in die es beim Öffnen des 185 Liter fassenden Kofferräumchens automatisch fährt, bietet eine Glasscheibe den vollen Durchblick. Die bemerkenswerteste Literzahl des 17.150 Euro teuren Cabrios in der Loungeausstattung ist jedoch die des Spritverbrauchs. Denn wenn ein 35 Liter kleiner Benzintank für eine Reichweite von über 900 Kilometern langt, ist das schon was. Genauer gesagt benötigt der auf Wunsch auf 15 Zoll großen Rädern rollende Fronttriebler 3,8 Liter Benzin auf 100 Kilometern. Fast so viel Liter, wie das neue Handschuhfach aufweist. Ja genau, der neue Fiat 500 hat ab sofort ein Handschuhfach. Es ist sozusagen eines von insgesamt 1.900 Teilen, das dann doch neu beim Italiener ist. Dass ein so kleiner Wagen aus mehr als doppelt so vielen Teilen besteht ist auch nicht gerade auf den ersten Blick ersichtlich.

Was ebenfalls neu ist, sind die zu den 13 Farben hinzukommenden sechs Second Skin-Farbversionen. Soll heißen, ob gelb oben und unten schwarz oder unten schwarz und oben rot - die Auswahl könnte riesig sein - gut sieht es aus. Und vor allem sind sie finanziell reizvoll, da diese Versionen dem Preis einer Einzelfarbe entsprechen. Das große Aber folgt leider. Diese beiden Farbkombinationen sind die einzigen. Ansonsten stehen nur noch seltsam beklebte Camouflage-Varianten zur Wahl. Aber vielleicht folgen ja später noch mehr Kombinationsmöglichkeiten, denn schick sehen sie aus.

Ebenfalls schick geht es noch immer im Interieur zu. Die Sitze wurden leicht verbessert, das Lenkrad ist moderner gestaltet und das Smartphone ist nun in ständigem Kontakt mit dem fünf Zoll großen Display in der Mittelkonsole. Insgesamt stehen zehn verschiedene Interieurfarben zur Wahl. Der neue Fiat 500, der mit seinem unveränderten Design-Stil in die unantastbaren Stil-Ikonen-Fußstapfen eines Porsche 911 oder Jeep Wrangler fahren möchte, rollt noch bis Ende Juli mit einem 500 Euro-Begrüßungs-Preisnachlas zu den Händlern. Und eines muss den Italienern gelassen werden: Konsequent sind sie. Denn mit einem Einstiegspreis von 12.250 Euro für den 69 PS starken Fiat mit festem Dach, ist nicht nur das Design, sondern auch der Preis gleichgeblieben.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Getriebe:manuelles Fünfganggetriebe
Motor Bauart:Reihen-Zweizylinder-Benzin
Hubraum:875
Drehmoment:145 Nm bei 1.900 UPM
Preis
Neupreis: 17.150 € (Stand: 2015-07-07)
Testwertung
3.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2015-07-07

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