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Testbericht

Stefan Grundhoff, 15. Mai 2010
Wenn Ford in der Modellpalette etwas fehlt, sind es emotionale Autos. Das einzige As ist der auslaufende Focus RS – der wird als RS 500 jetzt zum fliegenden Rheinländer.

Vom Ahrtal geht es hinauf durch die Weinberge. Das Wetter könnte besser sein, doch immerhin ist die Straße mittlerweile trocken. Endlich keine Touristenbusse mehr, keine Radfahrer, die sich auf dem schmalen Kurvenschlängeln breit machen. Zweiter Gang, dritter Gang, anbremsen, wieder in den zweiten und einlenken. Der Aufstieg ist steil und der aufgeladene Fünfzylinder jubelt, als er wieder Luft zum Atmen bekommt. Zum x-ten Male möchte sich der Pilot am Steuer bedanken – Hände schütteln bei den Ingenieuren von Ford, denen die die Lenkung kreiert haben oder das Fahrwerk zu dem gemacht haben, was es ist und dem Motor nochmals ein paar Flügel mehr verliehen haben.

Die aktuelle Modellgeneration des Focus ist in den letzten Zügen. Und das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. Der Ford Focus RS ist bereits in Spaßmacher, wie er spektakulärer kaum sein könnte. Doch wem 305 PS an der Vorderachse nicht reichen, der gönnt sich einfach den RS 500 – der bietet nochmals 45 Pferde mehr. Überflüssig zu erwähnen, dass die in engen Kehren an der Vorderachse zerren. Doch es bleibt beeindruckend, wie der rasende Kölner seine Leistungsausbrüche mit Vorderradantrieb in Vortrieb umwandelt. Der 2,5 Liter große Fünfzylinder brüllt und presst den knapp 1,5 Tonnen schweren Rallye-Ableger die engen Kehren der Weinberge hinauf. Das ganze Teilstück geht im zweiten Gang, der sich bis an die 7.000er-Drehzahlmarke keinerlei Zögern erlaubt. Der Vortrieb ist gewaltig und der typische Fünfzylindersound begeistert derart, dass man das Seitenfenster gar nicht wieder hinauffahren möchte.

„Wir wollten das Produktionsende der aktuellen Modellgeneration des Focus RS mit einer ganz speziellen Variante krönen“, so Joe Bakaj, Vizepräsident der Produktentwicklung bei Ford Europa, „angesichts der begeisternden Optik und der atemberaubenden Leistungsdaten haben wir keinerlei Zweifel, dass uns der RS 500 von Sportwagen-Enthusiasten förmlich aus den Händen gerissen wird.“ Dabei sind die baulichen Unterschiede zum gewöhnlichen Focus RS gering. Abgesehen von dem mattschwarzen Lack, der an sich jedes Auto der Lächerlichkeit Preis gibt. Doch wen stört es? Vorausfahrende Autos werden sowieso beim Anbremsen oder dem Herausbeschleunigen gefressen. Gegner hat der Focus RS 500 wenige. Die, die es gibt, sind waschechte Sportwagen aus dem Hause Porsche, BMW oder Ferrari. Den meisten drohen Schwindelanfälle, wenn der mattschwarze RS 500 im Rückspiegel auftaucht und sie vernascht.

Doch der Focus RS 500 ist mehr als ein fahrender und brüllender Motor auf einem 19-Zoll-Radsatz. Genauso begeisternd wie der bullig blubbernde Fünfzylinder mit seinen 257 KW / 350 PS und 460 Nm maximalem Drehmoment ab 2.500 Touren ist das ungemein neutrale Fahrwerk. So sehr man sich bei Wechselkurven auch an den vermeintlichen Grenzbereich herantastet, es scheint ihn kaum zu geben. Die ESP- Leuchte am Armaturenbrett zeigt keine Regung und das Heck bleibt schon durch den gewaltigen Dachspoiler in der Spur. Allein das üppige Gewicht von rund 1,5 Tonnen kann der Focus nicht völlig überspielen – aber das leistungsstarke Triebwerk lässt einen immer wieder darüber hinwegsehen.

Die Höchstgeschwindigkeit hat sich durch den Leistungszuwachs von rund 15 Prozent kaum geändert. Statt der 263 km/h Spitze des RS schafft der RS 500 265 km/h. Das reicht immerhin, um abgeregelte Luxuslimousinen aus Stuttgart, Ingolstadt oder München zu jagen. Die Unterschiede der beiden RS-Versinen liegen vielmehr im bissigeren Ansprechen des Fünfzylinders in höheren Drehzahlbereichen. 0 auf Tempo 100 schafft der Kölner Bolide in 5,6 Sekunden. „Die optimierte Sauerstoffzufuhr des Motors ermöglichte ein deutlich höhere Kraftentfaltung, ohne dafür den Ladedruck übermäßig heraufsetzen zu müssen“, erläutert Cheftechniker Gunnar Herrmann. Der in Aussicht gestellte Normverbrauch von 9,4 Litern Super auf 100 Kilometern lässt sich angesichts der möglichen Kraftausbrüche des Focus RS jedoch nur abseits aller Realitäten erreichen. Schließlich will im Focus RS 500 geritten und nicht flaniert werden.

Optisch unterscheidet sich der Focus RS 500 vom normalen RS allein durch den mattschwarzen Lack den RS-500-Schriftzug am Heck und die kleine Plakette in der Mittelkonsole mit der laufenden Produktionsnummer. Nach Nummer 500 wird Schluss sein, auch wenn die Kundschaft lautstark an die Tore der Händler klopft und die nötigen 46.050 Euro auf den Verkaufstisch legen möchte. Denn im Herbst war es das mit dem aktuellen Focus. Anfang des Jahres steht die neue Generation in den Schaufenstern. Und man muss kein Prophet sein, um auch beim Nachfolger eine RS-Version am Horizont blitzen zu sehen – vielleicht dann auch mit Allradantrieb. Der würde den Focus RS noch besser machen.
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Quelle: Autoplenum, 2010-05-15

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