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Testbericht

Sebastian Viehmann, 24. Oktober 2009
In den USA nennt man ihn schon den „besseren Prius“: Der Fusion Hybrid ist Fords Antwort auf die japanische Hybrid-Dominanz. Eins hat er dem Toyota in jedem Fall voraus - er bietet deutlich mehr Power.

Welches ist die sparsamste Mittelklasselimousine auf dem amerikanischen Automarkt? Die kommt bestimmt von einem japanischen Hersteller, werden viele denken. Weit gefehlt: Es ist der Ford Fusion Hybrid, der umgerechnet rund 18.000 Euro kostet. Der 4,8 Meter lange Fusion spielt größenmäßig in der Liga der Nippon-Hybride Toyota Camry oder Nissan Altima und verbraucht weniger Sprit als seine Konkurrenten. Als wichtigster Gegenspieler des Fusion gilt allerdings der etwas kleinere und sparsamere Toyota Prius 3.

In amerikanischen Automagazinen wird der Prius denn auch gern dem Fusion Hybrid gegenübergestellt. Häufig hat der Ford die Nase vorn, was nicht nur patriotische Motive nach dem Motto „Buy American“ haben dürfte – die wären in der globalisierten Autowelt ohnehin ein Eigentor, denn der Fusion wird in Mexiko gebaut. Der Ford hat einfach nicht den Öko-Look des Prius, sondern ist eine ganz normale und deutlich größere Stufenhecklimousine. Und da es in den USA bei den immer noch niedrigen Spritpreisen nicht auf jeden Liter ankommt, verzichten selbst grün geneigte Hybrid-Interessenten ungern auf ein wenig Bumms unter der Haube.

Der Parallel-Hybridantrieb des Fusion besteht aus einem 2,5 Liter großen und 156 PS starken Vierzylinder-Benziner sowie einem 78 kW starken Elektromotor. Die Systemleistung beträgt 191 PS. Beim leistungsverzweigten Hybrid Prius teilen sich ein 1,8-Liter Vierzylinder und ein 59 kW starker Elektromotor die Arbeit, die Systemleistung beträgt 134 PS. Das Batteriepaket im Ford schmälert den Kofferraum deutlich: Mit 334 Litern steht weniger Volumen zur Verfügung als beim normalen Fusion und auch weniger als im Prius (445 Liter). Beim Toyota mit seinem aerodynamischen Kamm-Heck konnten die Ingenieure den kompletten Wagen auf die Bedürfnisse des Hybrids hin konstruieren, während die Hybridtechnik beim Fusion in das normale Limousinen-Konzept integriert werden musste.

Bei der Hybridbatterie setzen Toyota und Ford noch auf Nickel-Metallhybrid-Akkus. Der Fusion fährt genau wie sein japanischer Gegenspieler flüsterleise rein elektrisch an und ist im Schubbetrieb allein mit Hilfe des Elektromotors unterwegs. Das ist im Gegensatz zum Prius sogar bis zu einem Tempo von 76 Km/h möglich. Doch die Batteriereserven des Ford gehen schon nach wenigen Kilometern zur Neige, der Benzinmotor muss relativ früh wieder mithelfen und die Batterie laden. Zudem kann man nur im Prius den Elektro-Modus per Knopfdruck „erzwingen“ und zum Teil mehrere Minuten flüsterleise durch die Stadt gleiten, auch wenn das nicht immer der effizienteste Modus ist.

Das Cockpit des US-Hybrids ist konventionell, aber sehr übersichtlich aufgebaut. Rechts und links vom Tacho informieren kräftig leuchtende Anzeigen über Spritverbrauch, Ladezustand der Batterie und darüber, ob der Wagen rein elektrisch oder mit Unterstützung des Verbrenners fährt. Nach jeder Fahrt rechnet der Bordcomputer die verbrauchte Spritmenge aus, und ein digitaler Blätterwald betont sparsames Fahren. Nach den in den USA üblichen Verbrauchsangaben schluckt der Fusion im Stadtverkehr 4,6 Liter und auf der Autobahn 5,4 Liter pro 100 Kilometer. In der Realität lässt sich bei behutsamer, aber auch nicht praxisferner Fahrweise ein Durchschnittsverbrauch von 5 Litern pro 100 Kilometer erzielen.

Beim Überholen und dem ständigen Spurwechsel auf den geschäftigen Autobahnen Nordamerikas braucht man trotz strenger Tempolimits Power unter der Haube. In Sachen Kraftreserven fährt der Ford Fusion dem Prius davon. Er braucht weniger als 9 Sekunden für den Spurt von 0 auf 100 Km/h und zeigt sich erfreulich elastisch. Nur bei Vollgas wirkt der Motor durch den „Gummiband-Effekt“ des CVT-Getriebes angestrengt, ansonsten bekommt man von dem laufruhigen Vierzylinder kaum etwas mit. Auch das Fahrverhalten kann überzeugen. Der Wagen ist komfortabel gefedert, lässt sich aber auch problemlos durch schnelle Kurven scheuchen.

In Deutschland müssen Ford-Kunden auf ein Hybridmodell noch warten. „In Europa spricht bis jetzt viel für den Dieselmotor, der jenseits des Atlantiks keine große Bedeutung hat“, sagt Ford-Sprecher Hartwig Petersen. Bislang beschränkt sich die europäische Firmensparte auf Mild-Hybrid-Technologie wie die Energierückgewinnung beim Bremsen, die etwa beim Focus Econetic eingesetzt wird. „Durch die globalen Fahrzeugentwicklungen ist für die Zukunft aber einiges zu erwarten“, sagt Petersen. Auf der IAA stellte Ford einen Focus mit vollelektrischem Antrieb vor, bei dem es sich aber nur um einen Prototypen handelt. Der Vorsprung der Japaner in Sachen Hybridtechnologie ist ohnehin enorm. Anfang 2010 sollen die ersten europäischen Testflotten des Prius Plug-In-Hybrid mit Lithium-Ionen-Akkus auf den Straßen rollen. Der Wagen kann bis zu 20 Kilometer weit rein elektrisch fahren, bevor der Benzinmotor mithelfen muss.
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Quelle: press-inform, 2009-10-24

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