Gebrauchtwagenkauf in Peking - Von unten nach oben
Testbericht
In China entwickelt sich der Gebrauchtwagenmarkt sukzessive zum zweiten Standbein für die Autobauer. Doch auch abseits von Audi, BMW Co blüht das Geschäft mit den Second-Hand-Fahrzeugen. Doch der Kaufpreis ist nicht das größte Hindernis auf dem Weg zum mobilen Glück.
Chinesische Gebrauchtwagen-Märkte - das sind doch bestenfalls Hinterhof-Butzen, auf denen runtergerockte heimische Karren von zwielichtigen Gestalten angeboten werden. Von wegen! Wer den "Huaxiang Used Car Market" im Süden Pekings betritt, traut seinen Augen kaum. In den Hallen direkt neben einem Mercedes-Benz-Vertragshändler stehen Luxusmobile, wie ein Lamborghini Gallardo Spyder, ein Ferrari 458 oder auch ein Bentley Continental nebeneinander und warten auf ihre Käufer. Das Klientel ist dementsprechend die chinesische Frau, gerne mit Ray Ban Aviator, Louis-Vuitton-Tasche und Louboutin-Schuhe begleitet ihren Mann, der meistens in Anzughose, Kurzarmhemd und teuren Slippern auftritt zum Erwerb eines neuen Autos. Die Preise für die automobilen Preziosen sind dementsprechend: Der gebrauchte Lamborghini Gallardo Spyder kostet die Kleinigkeit von 356.000 Euro. Der Neupreis des Geschosses aus Sant\\\'Agata Bolognese betrug übrigens geschmeidige 605.000 Euro.
Wer gerade nicht so viel Geld stecken hat, kann das Auto auch finanzieren. Je nach Laufzeit variieren die Raten, die interessanterweise pro Tag angegeben werden: Bei einem Jahr sind es 483 Euro, bei zwei Jahren 253 Euro und bei drei Jahren 176 Euro. Allerdings muss bei jedem Autokaufkredit die Hälfte des Preises bar bezahlt werden. Da Chinesen Luxusgüter in der Regel neu kaufen, steht der Lamborghini schon eine Weile. Das zeigt auch der händisch reduzierte Preis um 100.000 Yuan in der Windschutzscheibe des Renners. Allerdings gehört auch im Reich der Mitte das Handeln zum Handwerk. Nachlässe sind auch bei Luxusschlitten an der Tagesordnung.
Wer nicht so viel Geld hat, wird hinten auf den Freilicht-Parkplätzen fündig. Da stehen 3er BMWs, Minis, Skoda Octavias, Mini Cooper oder auch Passats, Toyotas und Stufenheck-Peugeots. Alle deutlich günstiger, aber blitzblank gewienert auf einem durchgängig asphaltierten Platz. Alte Autos findet man hier nicht. Die werden umgehend in die Provinz verscherbelt. Auch die Autohersteller wie Mercedes, BMW und Audi versuchen, auf den zunehmend luxuriöseren Zug aufzuspringen. Wie stark der Markt mit den gebrauchten Fahrzeugen explodiert, zeigt die Tatsache, dass 2006 noch 34 Autos beim Neukauf eines Audis bei einem Pekinger Händler in Zahlung gegeben wurden. In diesem werden es rund 1.400 Autos werden.
Das Verlangen nach einem Premium-Auto ist so groß, dass ein begehrtes Auto aus erster Hand, wie zum Beispiel ein Audi A6 nach einem Jahr noch etwa 85 Prozent seines Neupreises wert. Dabei muss aber miteinkalkuliert werden, dass beim Neukauf noch einmal acht Prozent Steuer auf den Händlerpreis addiert werden. "In der Regel werden bei uns gebrauchte Autos nach 15 bis 20 Tagen weiterverkauft"; erklärt Cul Tao. Da der Gabrauchtwagen-Markt noch sehr jung ist, sind auch die Preise je nach Region unterschiedlich. Ist man dann endlich glücklicher Besitzer eines Autos, ist noch jede Menge Papierkram zu erledigen. Die Finanzierung muss vorgelegt werden, der Führerschein und einige Bescheinigungen. Deswegen geht es in der Halle des "Huaxiang Used Car Market", in der die Autos umgeschrieben werden, auch zu, wie in einer monströsen Zulassungsstelle. Hunderte von Menschen wieseln wie Bienen in ihrem Stock durcheinander, sitzen auf einfachen Plastikstühlen und warten, bis ihre Nummer rotschimmernd auf digitalen Anzeigen erscheint. Das wichtigste Gut, ist dabei das Nummernschild.
Schließlich bleibt es beim Besitzer und wird immer wieder an jedes neue Auto angebracht. Nur wer ein Nummernschild hat, darf auch ein Auto erwerben und die goldenen Zeiten, in dem man in Peking einfach so ein Nummernschild bekam, sind vorbei. Um dem Verkehrsinfarkt und dem Stau entgegenzuwirken, hat die Regierung die Vergabe der Schilder massiv eingeschränkt. So soll die Anzahl der Automobile in Peking bis 2015 auf sechs Millionen beschränkt werden. Jeden Monat werden nur 20.000 Nummernschilder bei einer Online-Lotterie zugeteilt. Rund eine Million Einwohner nehmen an der Verlosung teil. Und selbst wenn sie Nummernschild und Auto ihr eigen nennen, müssen sie einen Tag der Arbeitswoche das Gefährt stehen lassen. Die letzte Ziffer des Nummernschilde entscheidet am welchen Tag.





























