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Testbericht

Stefan Grundhoff, 9. Dezember 2019

Hyundai will sportlicher, emotionaler werden. Mit Modellen wie dem i30 N oder dem Veloster N klappt das auf den einzelnen Märkten schon ganz gut. Doch wie würde es erst aussehen, wenn ein Prototyp wie der RM19 Realität werden würde? Wir haben mit dem Zukunfts-Renner schon einmal ein paar Runden gedreht.

Lange lief das Projekt des Hyundai RM19 unter dem Radar abseits der Öffentlichkeit. Albert Biermann, vor Jahren von der Garchinger M GmbH als Entwicklungsverantwortlicher nach Korea übergesiedelt, macht die Portfolios von Kia, Hyundai und Genesis fit für die Zukunft. Und abseits des Volumengeschäfts lässt er seinen Gedanken bisweilen ebenso freien Lauf wie seinen Mitarbeitern. Was dabei herauskommt, ist so eine Sportskanone wie der RM19. "Derzeit gibt es von dem RM19 zwei Fahrzeuge", leitet Konzern-Entwicklungs-Chef Albert Biermann ein, "wir arbeiten derzeit an einem dritten Fahrzeug." Für öffentliche Straßen sind die ersten beiden Prototypen mit Rennreife, verkleidetem Unterboden und Spoilerwerk nicht gedacht. Wen wundert es da, dass die Testfahrten auf dem streng geheimen Testgelände in der kalifornischen Mojave-Wüste stattfinden. Dort, wo Spiel- und Unterhaltungssüchtige auf dem Weg ins Spielermekka Las Vegas sind, donnern allenfalls einmal nicht weniger geheime Flugzeuge der amerikanischen Streitkräfte über das 113.000 Quadratkilometer große Wüstenareal, das sich von Kalifornien bis nach Nevada, Utah und Arizona zieht.

Der HATCI Proving Ground wurde Anfang 2006 eröffnet und hat neben seinem Hochgeschwindigkeitsoval und den zahlreichen Teststrecken in seinem Innern auch einen rund vier Kilometer langen Handlingkurs, der Laune macht. Genau das richtige Areal für die ersten Testkilometer im Hyundai RM19, der als sportlicher Prototyp seinen Ahnen aus der RM-Reihe folgt. Optisch ist der RM19 dabei ein Ableger des Hyundai Veloster N, der auf dem nordamerikanischen Markt das sportliche Gegenüber zum i30 N darstellt. So gibt es eine Reihe von Teilen, die sich der Koreaner mit der Motorsportversion aus der TCR-Serie teilt. In diesem Zusammenhang wurden Front und Heck komplett verändert; die Fahrgastzelle blieb - im hinteren Teil mit einer Käfigstruktur verstärkt - erhalten. Dazu gibt es spärliche Instrumente und den Purismus eines Tourenwagens. Spannend jedoch, dass sowohl Hyundai i30 als auch Veloster an sich über die Vorderachse angetrieben werden. "Das haben wir beim RM19 geändert. Der Motor wanderte hinter die Frontsitze an die Hinterachse für beste Traktion", ergänzt Albert Biermann, der eine Reihe seiner M-Gene mit nach Asien herübergerettet zu haben scheint.

Die Radhäuser wurden für entsprechende Rennpneus vergrößert, während Front und Heck den Hauptgrund haben, für entsprechenden Abtrieb zu sorgen, damit die üppige Motorleistung auch auf die Straße kommt. Dafür soll insbesondere der gewaltige Heckflügel und ein kaum kleinerer Diffusor in der Heckschürze sorgen. Für entsprechenden Vortrieb sorgt der vom TCR entliehene Zweiliter-Turbo, der statt der üblichen 275 PS / 354 Nm knapp 400 PS / 400 Nm leistet. Die Motorleistung wird im Vergleich zum Serienmodell über ein sequentielles Sechsganggetriebe an die Hinterachse übertragen. Einkuppeln muss man dabei nur im ersten Gang. Die Kupplung ist spitz und so braucht es Gefühl und Drehzahl, ehe der Hyundai-Renner die ersten Meter auf dem Testkurs zurücklegt.

Die Reifen sind noch kalt, denn in der sonst so heißen Mojave-Wüste war es vergangene Nacht knapp über null Grad Celsius. Das merkt man auch dem in der Sonne gerade einmal zweistellig warmen Asphalt an. Es dauert daher, ehe Pilot, Rennwagen und Semi-Slicks auf Betriebstemperatur gekommen sind. Dabei gewöhnt man sich an das Kurvengeschlängel der rund vier Kilometer langen Piste schnell. Das Auto wegwerfen kann man hier problemlos - es gibt links und rechts sandigen Platz im Überfluss, jedoch keine echten Auslaufflächen. Nach ein paar Runden haben sich die drei Hauptakteure Auto, Pilot und Reifen aneinander gewöhnt die Gänge flutschen nur so durch die einzelnen Stufen. Das meiste läuft dabei in den Gängen drei und vier; nur vor drei engen Kurven kommt auch der zweite Gang zum Einsatz. Sind Reifen und Fahrer auf Temperatur, geht es mit mächtig Dampf durch die kalifornische Wüste. Der Grip des Hyundai RM19 ist dabei mehr als beeindruckend, der mächtige Motorklang hinter dem Fahrersitz trotz fehlender Dämmstoffe allemal erträglich für einen Rennwagen. Die 245er Rennreifen verzahnen sich trotz der kühlen Temperaturen überraschend hungrig mit der Fahrbahnoberfläche, während die 305er-Walzen an der Hinterachse sich etwas schwerer tun, den rechten Grip zu finden. Bissiger denn je: die Bremszangen. Das Rennlenkrad aus dem TCR-Boliden sorgt für einen idealen Kontakt mit der Fahrbahn und genießt die Rückmeldung, die ein zum Pilot aufgestiegener Fahrer braucht, um den Wagen in Richtung Grenzbereich zu bewegen. Der mächtige Flügel im Heck sorgt mit den sich zunehmend erwärmten Walzen dafür, dass sich der Hyundai RM19 wie auf Schienen durch das Asphaltband der Wüste schlängelt. Der Motor arbeitet perfekt oberhalb der 4.000 Touren und spielt sein maximales Drehmoment bereits deutlich tiefer aus. Das Hoch- und Herunterschalten des sequentiellen Sechsgang-Getriebes ist dabei ein Genuss. Die Schaltvorgänge sind hart, knackig; nein, fast krachend und sorgen für die Härte, die ein Rennwagen braucht. Auf der Straße hat so ein Auto wohl kaum etwas zu suchen.

Doch Hyundai überlegt, was man mit einem Prototypen wie dem RM19 zeigen kann. Ein heißer Hot-Hatch mit viel Leistung an der Hinterachse - das wäre wohl etwas, das nicht nur Hyundai prächtig stehen würde, um emotionaler und sportlicher zu werden. Dazu ein Renndress, ein verstellbares Fahrwerk und fertig wäre der Transfer vom Motorsport in die Kleinserie. Was daraus werden könnte? Träumen muss erlaubt sein - nicht nur zu Weihnachten. Aber wenn man Alber Biermann und seinem Entwicklungsteam in die Augen schaut, ahnt man, dass der Hyundai RM19 mehr als nur eine realitätsfremde Spielerei ist.

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Quelle: Autoplenum, 2019-12-09

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