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Testbericht

Stefan Grundhoff, 18. Januar 2019

Der Jaguar XF steht seit Jahren im Schatten des deutschen Dienstwagendreierpacks aus BMW 5er, Audi A6 und Mercedes E-Klasse. Zu Unrecht, denn die Oberklasselimousine aus England ist nicht nur optisch eine Schau. Sein Antrieb ist eine echte Wucht - vorausgesetzt man steigt in den Sechszylinderdiesel.

Wenn man sich für einen Jaguar entscheidet, möchte man ein Statement setzen, anders sein. Irgendwie elegant, sportlich mit Understatement und was auch immer einem so durch den Kopf geht, wenn man sich über die Websites von Jaguar Land Rover durchklickt. Für all das steht der XF von Jaguar. Optisch ist die 4,95 Meter lange Limousine, die in China ebenso wie die deutsche Konkurrenz als besonders luxuriöse Version mit langem Radstand zu bekommen ist, ein Hingucker, der nicht lautstark auffallen will. Bei aller Eleganz ist dem europäischen Standardmodell in Sachen Platzangebot nichts vorzuwerfen. Und wenn schon ein cooler Jaguar dann bitte keinen der blassen Vierzylinder, sondern direkt die Bestbesetzung. Die ist fraglos der Dreiliter-Diesel mit der Bezeichnung XF 30d. Im Gegensatz zum 240 PS starken Vierzylinder zwar mit einem famosen Klang und einer exzellenten Laufruhe ausgestattet, aber leider nicht als Allradversion zu bekommen.

Der drei Liter große Commonrail-Diesel macht einem schnell klar, wieso man es mit einem Benziner oder dem Zylinderquartett gar nicht erst versuchen sollte. Er hat Durchzug, Dampf und Drehfreude in allen Lagen. 221 kW / 300 PS und ein maximales Drehmoment von heftigen 700 Nm bei 2.000 U/min bringen die emsige Hinterachse nicht nur in Verbindung mit den Winterreifen an die Grenze des machbaren. Dieses Drehmoment muss man erst einmal auf die Fahrbahn bekommen. Hier wäre eine Allradversion mit einem vollvariablen 4x4-Modul die bessere Wahl; aber die gibt es nur die Zweiliter-Diesel mit 180 und 240 PS, die ebenfalls flott sind, jedoch nicht an den drehmomentstarken V6-Motor und dessen exzellente Symbiose mit der Achtgang-Automatik aus dem Hause ZF herankommen.

Dabei macht der Jaguar XF 30d nicht nur deutlich mehr Laune als die kleineren Triebwerke; er verbraucht bei aller Dynamik kaum mehr Kraftstoff. Zwar ließ sich die Werksangabe von 6,0 Litern Diesel auf 100 Kilometern in der Praxis nicht erreichen, aber durchweg lässt sich der 1,9 Tonnen schwere Brite mit weniger als acht Litern bewegen - was will man mehr? Aus dem Stand beschleunigt der Jaguar XF in sechs Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Mit dem 66-Liter-Tank sind in der Realität locker 800 Kilometer oder mehr drin - selbst bei flotter Fahrweise. Mit einem Benziner, Hybriden oder gar Elektromodell einfach undenkbar. Das Fahrwerk ist klasse - nie schwammig, komfortabel genug und dabei allemal so stramm, dass man sportlich unterwegs sein kann, ohne am Fahrprogrammschalter in die Dämpferabstimmung eingreifen zu müssen. Gleiches gilt für die präzise und allenfalls einen Hauch zu leichtgängige Lenkung.

Im Innenraum bietet der XF das luxuriöse Niveau, das man von einem Jaguar erwartet. Doch in Sachen Bedienung, Exklusivität, Detailliebe und im Fond auch beim Platzangebot steht er hinter der deutschen Konkurrenz zurück. Das gilt insbesondere für Schalter und Bedieneinheiten sowie die Displays und speziell das Navigationssystem, das im Alltagsgebrauch nicht nur bei der verkehrsgerechten Zielführung viele Wünsche beim Fahrer offenlässt. Auch wenn Mercedes oder Audi mehr Platz im Fond bieten, kann man sich allenfalls über die abfallende Dachlinie beschweren, die bei groß gewachsenen Personen das Haupthaar eindrückt und die deutlich zu kurzen Kopfstützen, die auch im ausgezogenen Zustand nicht ausreichend komfortabel sind. Das sieht bei der chinesischen Luxusversion des Jaguar XF mit weichem Lederkissen ganz anders aus. Die würden sich auch gut im hiesigen Modell machen.

Das gute Platzangebot setzt sich hinter dem Fond fort. Der Laderaum mit umlegbarer Rückbank schluckt mindestens 540 Liter - mehr braucht niemand, der einen Bogen um SUV und Kombi machen will. Der sehr mäßig ausgestattete Jaguar XF 300d Prestige startet bei stattlichen 62.140 Euro. Das adaptive Fahrwerk, das sich entsprechend dem angewählten Fahrprogramm von komfortabel bis sportlich-straff anpasst, lassen sich die Briten mit 1.666 Euro bezahlen. Sinnvolle Ausstattungsdetails sind die elektrische Heckklappe (542 Euro), die in dieser Klasse nicht nur für die Kombiversion des XF Sportbrake serienmäßig sein sollte, anklappbare Außenspiegel (teure 573 Euro), beheizbare Frontscheibe (365 Euro), LED-Scheinwerfer (650 Euro) und beheizbare Sitze vorne und hinten (792 Euro). Nicht nachvollziehbar, wieso Selbstverständlichkeiten wie Navigationssystem (1.791 Euro) oder digitales Radio (396 Euro) teure Aufpreise kosten. Hier sollte Jaguar schleunigst nachlegen und bei der nächsten Überarbeitung eben auch den sinnvollen Allradantrieb für den XF 30d nicht vergessen.

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Technische Daten
Antrieb:Hinterrad
Getriebe:Achtgang-Automatik
Motor Bauart:Sechszylinder Diesel V-Form
Hubraum:2993
Drehmoment:700 Nm bei 2000 UPM
Preis
Neupreis: 62100 € (Stand: 2019-01-18)
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2019-01-18

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