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Testbericht

Mario Hommen/SP-X, 19. August 2017

Kleinwagen müssen heutzutage mehr als nur einfache Pragmatismus-Zwerge sein. Diesen gestiegenen Ansprüchen ist der Mazda2 mit seinem Facelift im Frühjahr 2017 einmal mehr gerecht geworden. Doch seine Aufsteiger-Allüren sorgen bisweilen auch für etwas kuriose Facetten. Und ganz abschütteln kann er sein Kleinwagen-Naturell natürlich nicht.

Optisch sitzt das mit Sicken und schwungvollen Linien gesegnete Blechkleid des Mazda2 wie angegossen. Dank der vor einigen Jahren eingeführten Kodo-Designsprache hat sich auch das kleinste Modell der Japaner zu einem schmucken Fünftürer gemausert, der im Einerlei nicht verloren geht. Vor allem die Front mit Chromakzenten und fordernd dreinschauenden LED-Scheinwerfern gibt sich selbstbewusst. Die Hightech-Leuchten segnen ihn allerdings mit einem Überholprestige, welches der Linksspur-Hackordnung nicht ganz angemessen ist.

Ebenfalls in Details etwas überkandidelt präsentiert sich die schick gemachte und ergonomische Kommandozentrale. Die Verarbeitung und Materialien sind gut, manche Details wie die Lüftungsdüsen wirken sogar hochwertig. Ergonomie und Platzangebot vorne stimmen ebenfalls. Kurios ist allerdings das Kombiinstrument mit seinem großen zentralen Analog-Drehzahlmesser in der Mitte, der lediglich am Rand in einer kleinen Digitalanzeige die Geschwindigkeit anzeigt. Das vermittelt schicken Sportwagen-Flair, ist aber auch unpraktisch. Damit der Fahrer das Tempo besser im Blick hat, gibt es zusätzlich ein Head-up-Display in Form einer der Windschutzscheibe vorgelagerten kleinen Plastikscheibe. Das eigentlich technisch fortschrittliche Anzeigekonzept mag in diesem Fall nicht so recht überzeugen, denn das Head-up-Display ist zu tief, zu klein, zu funzelig.

Gut gelöst ist hingegen das Bedienkonzept, denn alles gruppiert sich übersichtlich um den Fahrer herum. Trotz vieler praktischer Funktionen ist die Menge an Schaltern und Knöpfen überschaubar. In der Mittelkonsole befindet sich ein Dreh-Drückknopf, über den sich alle Funktionen des Navi-Infotainment-Systems mit großem Farbdisplay im Armaturenbrett steuern lassen. Auch in Sachen Internetdienste und Konnektivität ist der Mazda2 auf der Höhe der Zeit.

Der 285-Liter-Kofferraum ist ausreichend groß. Allerdings benötigt man aufgrund einer hohen Ladekante zum Herausheben schwerer Getränkekisten etwas Kraft. Dank der zweigeteilt umlegbaren Rückbanklehne ist das Gepäckabteil auf fast 1.000 Liter erweiterbar. Etwas enttäuschend für ein immerhin 4,06 Meter langes Auto ist das Platzangebot im Fond. Zumindest erwachsene Gäste werden anecken, wenn sie sich durch die etwas enge Türöffnung zwängen. Knie und Kopffreiheit sind für durchschnittlich große Menschen zumindest ausreichend.

Einen überzeugenden Eindruck hat das Fahrwerk hinterlassen. Der Eintonner ist nicht nur komfortabel, sondern auch wendig und agil. Wer mag, kann durchaus beherzter durch Biegungen fegen, ohne es mit der Angst zu bekommen. Die Lenkung wirkt direkt, der Wagen reagiert prompt auf Befehle. Als Fahrer hat man eigentlich stets ein recht gutes Gefühl dafür, was als nächstes passiert. Nur gröbere Verwerfungen kann die Hinterachse gelegentlich auch mal mit etwas unwirschen Reaktionen parieren.

Mit der Drehmomentstärke heutige Turbomotoren dient der 66 kW/90 PS starke 1,5-Liter-Benziner zwar nicht, dennoch sorgt der Sauger für ordentlichen Vortrieb. Die 100-km/h-Marke fällt bereits nach 9,4 Sekunden, um die maximal 183 km/h zu erreichen, braucht es hingegen viel Anlauf. Vor allem bei Zwischensprints und bergauf wirkt der Saugbenziner ab und zu auch etwas zugeschnürt. Entsprechend wird man auf der Autobahn gelegentlich ein oder zwei Gänge im Fünfgang-Getriebe runterschalten müssen.

Vor allem, wenn aufgrund der prestigereichen LED-Scheinwerfer plötzlich die linke Spur frei gemacht wurde. Gelegentlich fehlt dem Motor dann die von anderen Verkehrsteilnehmern erwartete Durchzugskraft. Vorbildlich ist der Skyactiv-Benziner dafür beim Verbrauch. 4,5 Liter gibt Mazda als Normwert an. Ein Wert, den man in der Praxis sogar erreichen dürfte. Bei normaler bis flotter Fahrweise pendelte der Spritkonsum zwischen 5 und 6 Litern. Angesichts des 44-Liter-Tanks sind Reichweiten von 600 bis 700 Kilometer drin.

Üppig ist auch die Ausstattung des Mazda2. Bereits die Basisversion Prime-Line (12.890 Euro) hat mit Start-Stopp-System, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, elektrischen Fensterhebern, Audiosystem und einer umfangreichen Sicherheitsausstattung einiges zu bieten. Den 90-PS-Benziner gibt es ab der höheren Ausstattung Center-Line für mindestens 15.590 Euro. Unser Testwagen in der Version Kizuko Intense kostet mit Metallic-Lack und Navi nochmal 6.000 Euro mehr. Angesichts dieses Preises könnte man sich allerdings fragen, ob ein derart üppig ausgestatteter Kleinwagen wirklich sinnvoll ist. Für das gleiche Geld bekommt man bei Mazda auch schon den 3 mit 120-PS-Benziner in der bereits guten Ausstattung Center-Line.

Mazda2 – Technische Daten:

Fünftüriger, fünfsitziger Kleinwagen; Länge: 4,06 Meter, Breite: 1,70 Meter (mit Außenspiegeln: 1,98 Meter, Höhe: 1,50 Meter, Radstand: 2,57 Meter, Kofferraumvolumen: 280 – 950 Liter
1,5-Liter-Benzinmotor, Fünfgang-Schaltgetriebe, 66 kW/90 PS, maximales Drehmoment: 148 Nm bei 4.000 U/min, 0-100 km/h: 9,4 s, Vmax: 183 km/h, Durchschnittsverbrauch: 4,5 Liter/100 Kilometer, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: B, Testverbrauch: 5,6 Liter
Preis: 15.590 Euro (Mazda2 G90 Center-Line)
Preis des Testwagens: 21.630 Euro
Basispreis: 12.890 Euro (Mazda 2 G75 Prime-Line)

Mazda2 – Kurzcharakteristik:

Warum: weil er gut aussieht und ein für seine Klasse vorbildliches Infotainment-System bietet
Warum nicht: weil man für den Preis einer sehr gut ausgestatteten Version auch schon einen Kompakten bekommt
Was sonst: VW Polo, Opel Corsa, Ford Fiesta, Toyota Yaris, Renault Clio

Mazdas 2 will mehr als nur Kleinwagen sein. Mit seinen Premium-Allüren kann der Japaner fraglos Eindruck schinden. Das sorgt bisweilen aber auch für etwas schrullige Facetten.

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Fazit
Mazdas 2 will mehr als nur Kleinwagen sein. Mit seinen Premium-Allüren kann der Japaner fraglos Eindruck schinden. Das sorgt bisweilen aber auch für etwas schrullige Facetten.
Testwertung
3.5 von 5

Quelle: spot-press, 2017-08-19

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