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Testbericht

Stefan Grundhoff, 27. Dezember 2020
Sein Elektroauto aufladen wird immer leichter. Neben öffentlichen Ladesäulen auf Parkplätzen, in Parkhäusern, der Innenstadt oder privaten Haushalten installieren immer mehr private Geschäfte Möglichkeiten zum Nachladen und versprechen sich davon neue Kunden.

Man muss nur mit offenen Augen durch die eigene Stadt fahren. Die Zahl der Ladesäulen nimmt kontinuierlich zu - in den Metropolen mehr - auf dem Land weniger. Dort, wo einst ganz normale Fahrzeuge parken konnten, geht es zukünftig nur noch mit einem Plug-In-Hybriden oder einem Elektroauto für die Zeit des Nachladens. Doch die immer größer werden Zahl von Ladesäulen wird von einer deutlich größer gewordenen Anzahl von elektrischen Autos überdeckt. Eine freie Ladesäule zu finden, ist gerade in den Innenstädten der Metropolen nicht einfach. Kein Wunder, dass auch immer mehr Baumärkte, Einkaufscenter oder Fast-Food-Ketten eigene Ladesäulen bauen und sich hiervon nicht nur ein grünes Image, sondern insbesondere neue Kunden versprechen. Denn eines der größten Probleme bei einem Elektroauto ist das zeitintensive Nachladen. Dauert es mit einem Benziner oder Diesel gerade einmal drei bis fünf Minuten, ehe der Tank vollgelaufen ist und man wieder auf die Straße rollt, sieht das mit einem Elektroauto oder einem Plug-In-Hybriden ganz anders aus. An einer Schnellladesäule können hier durchaus 30 bis 120 Minuten oder noch mehr ins Land gehen, ehe der Akku wieder komplett erstarkt ist.

Daher versprechen sich Supermärkte einiges von den neu erschaffenen Lademöglichkeiten. Supermärkte wie Lidl, Rewe oder Kaufland bauen ihr Netz an Ladesäulen daher sukzessive aus. Zwar stehen den Kunden hier zumeist nur zwei bis vier Ladesäulen zur Verfügung, doch so kann man sich die nervige Wartezeit mit einem Wochenendeinkauf oder einer kurzen Shoppingtour verkürzen. Eine ähnliche Strategie wie die Supermärkte fahren erste Fast-Food-Ketten. Das Energieunternehmen EWE Go und McDonald\\\'s Deutschland haben jüngst eine Kooperation zur Förderung der E-Mobilität in Deutschland gestartet. Bis zum Jahre 2025 soll es an über 1.000 Drive-In-Standorten von McDonald\\\'s Restaurants die Möglichkeit geben, das eigene Elektro-Fahrzeug mit Ökostrom zu laden.

Im Rahmen der neu geschlossenen Zusammenarbeit stellt McDonald\\\'s die Standorte für Ladesäulen zur Verfügung. Diese werden durch EWE Go aufgebaut und betreut. \"Elektro-Mobilität kann sich letztlich nur durchsetzen, wenn eine flächendeckende Versorgung mit Lademöglichkeiten besteht\", so Holger Beeck, Vorstandsvorsitzender von McDonald\\\'s Deutschland, \"die Senkung von CO2-Emissionen ist zudem ein integraler Bestandteil unserer Nachhaltigkeitsziele. Die Kooperation mit EWE Go fügt sich daher als konsequenter Baustein in unsere Nachhaltigkeitsstrategie ein. Gleichzeitig bieten wir unseren Gästen einen weiteren Service an, der für immer mehr Menschen in Deutschland wichtig wird.\" Aus den aktuell gerade einmal 40 McDonald\\\'s Fast-Food-Restaurants mit sogenannten Highpower-Chargern (150 kW) von EWE Go sollen bis Ende 2021 rund 200 Ladesäulen hinzukommen; ab 2022 soll das McDonald\\\'s-Ladenetz um 250 Punkte pro Jahr wachsen. \"Mit der Kooperation treiben McDonald\\\'s und EWE Go den Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur in Deutschland massiv voran. Wir gestalten die Mobilitätswende aktiv und machen elektrisches Fahren für jeden möglich, einfach und leicht verfügbar\", so EWE-Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler.

In eine ähnliche Richtung gehen Tankstellen, an denen man bisher nur Diesel und Benzin sowie allenfalls noch Erdgas tanken konnte. Aral hat in Wuppertal gerade vier Ladepunkte in Betrieb genommen. Tanken und laden geschieht hier Seite an Seite unter einem Dach. Bis Januar sollen hundert Schnellladepunkte ihren Dienst aufgenommen haben - mit schnellen 300 sowie 350- Kilowatt-Säulen. \"Es ist bautechnisch eine Besonderheit und die erste Station von Aral europaweit, die Laden und Tanken unter einem gemeinsamen Dach anbietet\", erklärt Aral Vorstand Patrick Wendeler. Im Januar werden 100 Schnellladepunkte an 25 Stationen am Netz sein, unter anderem in Hamburg und Braunschweig. \"Damit liegen wir voll im Plan, unseren Kunden bis Mitte 2021 über 100 Ladepunkte an mehr als 30 Aral Tankstellen anzubieten und der führende Anbieter von Elektromobilität an Tankstellen zu sein\", so Patrick Wendeler. Aral betreibt seine Ladesäulen - gespeist mit 100 Prozent Ökostrom - dabei in Eigenregie. Die entsprechende Akkutechnik vorausgesetzt, kann das Fahrzeug innerhalb von zehn Minuten Strom für eine Reichweite von bis zu 350 Kilometern laden.

Konkurrent Shell hat Mitte des Jahres in Hamburg seine ersten eigenen Schnellladesäulen in Betrieb genommen. Im Dezember 2019 hatte Shell in einer Kooperation mit EnBW die ersten Hochleistungsladesäulen ans Netz genommen. Die neuen Shell eigenen Schnellladesäulen liefern einheitlich mindestens 150 kW Leistung. Damit können Elektroauto-Fahrer binnen weniger Minuten bis zu 100 Kilometer Reichweite nachladen. Bei den Shell Recharge Ladesäulen handelt es sich um modulare DC-Hochleistungsschnellladestationen mit hoher Ausgangsleistung, die 400-VDC- und 800-VDC-Fahrzeuge unterstützen. Sie sind mit CCS- und CHAdeMO-Anschlüssen ausgestattet. \"Die Inbetriebnahme unserer ersten eigenen Schnellladesäulen bedeutet für uns einen weiteren Meilenstein auf dem Weg in eine CO2-ärmere Zukunft\", sagt Jan Toschka, Chef des Shell Tankstellengeschäfts in Deutschland, Österreich und der Schweiz. \"Wir sind überzeugt, dass die Bedeutung der Elektromobilität im Pkw-Sektor zunehmen wird, und mit steigenden E-Auto-Zulassungen wird auch die Nachfrage nach Schnellladepunkten steigen. Bislang kann die öffentliche Infrastruktur von Schnellladesäulen einen solchen Anstieg kaum bewältigen.\"

Die Bundesregierung will Tankstellenbetreiber dazu verdonnern, an ihren Stationen nicht nur Diesel und Benzin, sowie ggf. Erdgas zu vertreiben, sondern auch einige Ladesäulen für Elektroautos bereitzuhalten. Möglich gemacht werden soll das durch ein entsprechendes Konjunkturprogramm, wonach sich die Ladesäulendichte in den nächsten Jahren deutlich verbessern sollte. Unklar ist dabei weiterhin, wie viele Ladestationen man real benötigt. Für die geforderte eine Million Elektroautos geht der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft davon aus, dass man mindestens 70.000 Ladestationen und 7.000 Schnellladepunkte braucht. Bundesfinanzminister Olaf Scholz schweben bis zum Jahre 2030 rund eine Million Ladepunkte in Deutschland vor. Viele Experten behaupten, dass eine deutlich kleinere Zahl reichen würde, weil Akkus leistungsfähiger würden und die Ladegeschwindigkeit zunehme. Scholz kann sich dabei sogar vorstellen, es Tankstellen vorzuschreiben, auch Ladesäulen aufzustellen, wenn die sich weigern würden. Dabei schütteln die meisten Tankstellenbetreiber mit Blick auf die zusätzlichen Kosten und die dafür benötige Fläche den Kopf. Derzeit gibt es Deutschland rund 15.000 Tankstellen, sodass es auf einen Schlag einen nennenswerten Zuwachs durch die Tankstellen mit Ladesäulen gäbe. Doch wenn die Zahl der Elektroautos sich in den nächsten Jahren weiter derart steigert wie 2020 wird die Nachfrage schon den Markt regulieren und gerade größere Tankstellen werden die Elektro-Zapfsäulen gerne als zusätzliche Einnahmequelle nutzen. Schließlich verdienen die Tankstellenbetreiber an einem Liter Benzin oder Diesel nur ein paar Cent.

Quelle: Autoplenum, 2020-12-27

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