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Testbericht

11. März 2011
Schwarzenberg (Österreich), 11. März 2011 - Bescheidenheit ist eine Zier: Dieses Motto könnte auch für Cadillac gelten. Nach dem Neustart der US-Kultmarke im Jahr 2010 in Westeuropa möchte man 2011 zwischen 700 und 1.000 Fahrzeuge auf deutschem Boden absetzen. Dazu beitragen soll der SRX, ein SUV im Format des BMW X5, Jeep Grand Cherokee oder Infiniti FX. Wir haben ihn getestet. Ein Gesicht in der Menge Schon bei der ersten Begegnung fällt der SRX auf. Sein von Ecken und Kanten geprägtes Design hebt ihn aus der Masse hervor. Während das seitliche Profil leicht nach hinten ansteigt, fällt die Dachlinie in Richtung Heck sanft ab. Das schränkt die Sicht nach hinten deutlich ein, zum Trost ist eine Rückfahrkamera serienmäßig an Bord. Ein echter Hingucker sind dreidimensional ausgeformten Rückleuchten, während die eckige Gestaltung der Scheinwerfer handfeste Vorteile hat. Die obere Kante der Leuchten dient als praktischer Peilsteg. Soviel ist klar: Die neue Formensprache der Marke Cadillac ist nicht jedermanns Fall, aber sie lässt den SRX kompakter wirken, als er ist: Mit einer Länge von 4,85 Meter und einer Breite von 1,91 Meter spielt er bereits in der gehobenen SUV-Liga mit. Qualität im Blick Anders als US-Kunden achten deutsche Autokäufer viel stärker auf die im Innenraum verwendeten Materialien und deren Verarbeitung. In dieser Hinsicht muss sich der Cadillac SRX nicht verstecken: Leder auf den Sitzen und am Lenkrad, ein handvernähter Armaturenbrettbezug und dekorative Chromelemente sind stets mit an Bord. Einen hübschen Akzent setzt die analoge Uhr in der Mittelkonsole. Leider ist letztere mit zu vielen Tasten belegt. Drei Drehknöpfe verschärfen die Verwirrung unnötig, denn sie sorgen für akute Verwechslungsgefahr. Das Platzangebot in der ersten Reihe gibt keinen Anlass zur Klage, wenngleich der Seitenhalt der Vordersitze verbesserungswürdig ist. Obacht ist beim hinteren Einstieg geboten, da die abgesenkte Dachlinie für Beulen sorgen kann. Für die Beine der Fondpassagiere steht ausreichend Platz zur Verfügung, opulent ist der Fußraum indes nicht. Da wir gerade von Raum sprechen: Das Gepäckabteil bietet ein Volumen von 537 bis 1.548 Liter, womit der SRX im oberen Mittelfeld seiner Klasse rangiert.

Auf der Jagd nach Drehzahlen Beim Motor haben SRX-Fans nicht die Qual der Wahl: Im Angebot ist lediglich ein V6-Benziner mit drei Liter Hubraum und 268 PS. Gekoppelt ist das Aggregat an ein Sechsgang-Automatikgetriebe und einen Allradantrieb. Prinzipiell läuft der Sechsender kultiviert, aber Motor und Getriebe liefern sich eine wilde Jagd um das Drehmoment. Untenherum wirkt der gut zwei Tonnen schwere SRX träge, gefühlt wähnt man die Hälfte der 268 PS in der Mittagspause. Bereits bei der kleinsten Berührung des Gaspedals zuckt die Nadel des Drehzahlmessers aber leicht nach oben. Sobald mehr Leistung angefordert wird, schießt die Drehzahl, begleitet von einem kernigen Sound, in die Höhe. Kurz vor dem roten Bereich schaltet die Automatik zwei Gänge hoch und es herrscht Ruhe. Ein Blick ins Datenblatt bringt des Rätsels Lösung: Erst bei 5.100 Touren wird das maximale Drehmoment von 302 Newtonmeter erlegt. Wie es besser geht, zeigt der größere 3,6-Liter mit 311 PS Leistung in der Limousine CTS: Hier stehen bereits bei 3.400 Umdrehungen 374 Newtonmeter zur Verfügung, die Kraftentfaltung verläuft deutlich komfortabler. Schaukeln war gestern Zu bemängeln ist der für unseren Geschmack zu indifferente Druckpunkt des Bremspedals. Für gute Laune sorgt hingegen das ausgewogene Fahrwerk. In der von uns getesteten SRX-Topversion "Sport Luxury" weist es eine kontinuierlich variable Dämpfung auf. Es bietet einen guten Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit, allerdings ist das Abrollverhalten eine Spur zu straff. Dennoch gefällt die europäische Abstimmung mit neutral ausgelegter Lenkung und geringer Wankneigung des Aufbaus. Alles drin, alles dran Bereits in der Grundversion namens Elegance ist der SRX gut ausgestattet. Für 52.950 Euro sind achtfach elektrisch verstellbare Vordersitze mit Beheizung und Memoryfunktion, eine elektrisch einstellbare Pedalerie, Parkpiepser plus Kamera, eine elektrisch öffnende und schließende Heckklappe, Leder, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik und ein Audiosystem mit 40-GB-Festplatte an Bord. Wir empfehlen aber dennoch den Griff zur "Sport Luxury"-Ausstattung. Für 2.000 Euro Aufpreis bietet diese nochmals mehr, unter anderem durch Xenon-Licht, belüftete Vordersitze, eine Sitzheizung im Fond und eine Dreizonen-Klimaautomatik.

Exklusive Fortbewegung Welche Marken steigen gegen Cadillac in den Ring? Hinsichtlich des SRX könnte man zunächst den BMW X5 xDrive35i nennen, aber dem Kundenkreis der US-Marke geht es in erster Linie um die Lust an der individuellen Note. Eine Alternative zum SRX kommt ebenfalls aus den Staaten: Der neue Jeep Grand Cherokee 3.6 V6 Overland leistet 286 PS und kostet 52.850 Euro. Bei Infiniti gibt es den FX37 GT Automatik mit 320 PS für 56.150 Euro. Demnächst betritt noch ein Kontrahent die Bildfläche: Der Saab 9-4X ist eng mit dem Cadillac SRX verwandt. Wer einen SRX haben will, muss etwas Geduld mitbringen: Da von dem SUV im vergangenen Jahr in den USA 51.000 Stück verkauft wurden, kommt die Produktion kaum nach. Doch das Warten lohnt sich: In unseren Breiten ist ein Cadillac zur Zeit noch exklusiver als ein Aston Martin.
Technische Daten
Antrieb:Allradantrieb permanent
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:Benziner in V-Form mit Direkteinspritzung
Hubraum:2.997
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:6
Leistung:197 kW (268 PS) bei UPM
Drehmoment:302 Nm bei 5.100 UPM
Preis
Neupreis: 54.950 € (Stand: März 2011)
Fazit
Natürlich gibt es für den Preis des Cadillac SRX auch einen BMW X5. Doch die Entscheidung zugunsten des Amis fällt weniger aufgrund harter Sachargumente, sondern aus dem Bauch heraus. Man ist Cadillac-Fan, sucht das Individuelle oder findet das Design toll. Nüchtern betrachtet, sammelt der SRX Punkte mit seinem europäischen Fahrverhalten, dem guten Platzangebot und der kompletten Ausstattung. Ein Manko bleibt aber die unharmonische Motor-Getriebe-Kombination, wodurch der SRX ein Fall fürs entspannte Gleiten ist. Ein Diesel käme als Lösung in Betracht, lohnt sich aber ob der geringen Stückzahlen nicht. Unsere Bitte an Cadillac lautet daher: Baut den größeren V6 mit 3,6 Liter Hubraum ein. Die Mehrkosten dürften die Kunden verschmerzen, denn eines ist klar: Einen Cadillac kauft man nicht, weil man ihn braucht, sondern weil man ihn will.
Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-news, 2011-03-11

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