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Testbericht

Jürgen Wolff, 7. Mai 2013
Downsizing auf Italienisch: Maserati bietet seinen Klassiker Quattroporte nun auch mit einem 6-Zylinder an, dafür aber auch mit intelligentem Allradantrieb.

Bei Maserati hat man sich bekanntlich viel vorgenommen: Spätestens ab 2015 wollen die Italiener weltweit jedes Jahr mindestens 50.000 Autos verkaufen. Das wären etwa acht Mal so viele wie vergangenes Jahr. Neben dem "kleinen" Maserati-Modell Ghibli, das Ende 2013 auf den Markt kommt, soll vor allem der Klassiker Quattroporte für den Aufschwung sorgen. Nachdem die sportliche Luxuslimousine vor ein paar Monaten komplett überarbeitet, aber wie gehabt zunächst mit einem 8-Zylinder unter der Haube zu den Händlern gerollt ist, wird nun eine um knapp 40.000 Euro preiswertere Variante mit V6-Motor folgen.

Von einer Sparversion kann allerdings kaum die Rede sein. Der Doppel-Turbo mit den zwei Brennkammern weniger bringt zumindest in der Allradversion Q4 ähnliche Fahrleistung auf die Straße wie der Achtender. Dabei lesen sich zumindest auf dem Papier die reinen Motordaten beim V8 noch deutlich eindrucksvoller: Aus 3798 ccm Hubraum kommen bei ihm 390 kW/530 PS und ein maximales Drehmoment von 710 Nm. Der V6 dagegen holt aus seinem Hubraum von 2979 ccm eine Leistung von 301 kW/410 PS und ein maximales Drehmoment von 550 Nm, das zwischen 1750 und 5000 U/min. anliegt.

Auf der Straße selbst allerdings verwischt die Papier-Potenz zusehends. Vor allem beim Allradler. Der kommt binnen 4,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 - gerade mal 0,2 Sekunden langsamer als der V8-Quattroporte. So wenig Unterschied merkt real kein Mensch. Ein Grund dafür: Der Sechszylinder liefert sein höchstes Drehmoment rund 500 U/min früher als es der V8 schafft. Die Sport-Taste gedrückt, voll aufs Gas-Pedal - für 40.000 Euro weniger praktisch der gleiche Anpressdruck in die Ledersitze. Kein Schwänzeln im Heck, keine durchdrehenden Pneus - reiner Vortrieb.

Auch, wenn man sich eine knapp zwei Tonnen schwere Limousine nicht unbedingt wegen ihrer Rennqualitäten zulegt: Ab und an einfach mal die schiere Kraft zu spüren - das erhöht die Lebensqualität. Die Höchstgeschwindigkeit ist erfreulicherweise nicht elektronisch begrenzt und liegt bei 283 km/h. Und damit unterhalb der 300-km/h-Grenze, die der V8-Quattroporte um sieben km/h übertrifft. Auch das ist ein eher theoretischer Wert in einer Welt voller Tempolimits - aber allemal gut fürs Image. Und um 40.000 Euro Mehrpreis zu rechtfertigen.

Ganz so schwarz braucht dabei nicht einmal das grüne Gewissen werden. Die Ingenieure haben den Verbrauch des Motors, der wie sein großer Bruder bei Ferrari in Maranello gebaut und dann bei Maserati selbst noch einmal überarbeitet wird, auf einen Durchschnittswert von 10,5 Liter Super je 100 Kilometer gedrückt. Damit liegen die Italiener in etwa auf einem Level mit dem ähnlich starken Konkurrenten Porsche Panamera. Auch da rauschen in der Realität und bei artgerechter Fahrweise allerdings ein paar Liter mehr durch die Direkteinspritzung.

Aber, fragt sich nun ein in der Wolle gefärbter Maserati-Fan: Sechs Zylinder können doch nicht so tönen wie deren acht. Nein, können sie nicht. Aber fast. Der Sound, den ein Maserati traditionell produziert, wenn man ihn beschleunigt, das zusätzliche Brabbeln, das so klingt, als freue sich die Maschine über jede Leistungsabfrage, das Bollern beim Herunterschalten vor der Kurve - auch der V6 liefert die sinfonische Untermalung für den Fahrspaß. Dass der V6 ähnlich sinnlich klingt wie der V8 hat einen einfachen Grund: Der Klang ist in weiten Teilen unabhängig vom Motor selbst und vor allem das Ergebnis eines von Ingenieuren in die Abgasanlage integrierten "Musikinstruments". Der "Sound Tank" sorgt dafür, dass sich im Normalmodus bis 3000 U/min die entsprechenden pneumatischen Ventile schließen und ein eher diskretes und komfortables Klangbild entsteht. Im Sportmodus sind die Abgasventile offen, die Gase nehmen den kürzest Weg und sorgen für den typischen Maserati-Sound.

Erstmals gibt es den Quattroporte künftig als Q4 auch mit Allradantrieb. Dabei sorgt eine ausgeklügelte Elektronik dafür, dass im Normalfall die Antriebskraft zu 100% an die Hinterachse geht. Erst wenn die Vorderräder Traktion beisteuern müssen, variiert das System die Kräfte auf allen vier Rädern. Binnen 150 Millisekunden, so Maserati, kann die Elektronik etwa von einem reinen Heckantrieb auf eine 50:50-Verteilung umschalten - wer will, der kann sich das im Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser optisch anzeigen lassen. In der Realität sorgt das System für eine optimale Fahrweise. Der schwere und mit 5262 mm Länge nicht gerade kompakte Maserati schlängelt sich agil durch enge Kurven, folgt den Lenkbewegungen präzise wie auf Schienen. Dazu kommt die serienmäßige Acht-Stufen-Automatik von ZF, die nahezu unmerklich schaltet und perfekt zum Motor passt. Wer lieber selber schaltet: Die wuchtigen Wippen am Lenkrad geben auch diese Option.

Neben der Freude am Fahren produziert der Quattroporte wie gehabt Freude schon beim Hinsehen. Er ist auch in der 2013er Generation eine Design-Ikone und seine Form hat was Erotisches. Die Front mit dem üppigen, vom Dreizack beherrschten Kühlergrill, die Kiemen an der Seite, die lang geschwungene Seitenlinie, die nun rahmenlosen Seitenscheiben - nur beim Heck muss Maserati langsam aufpassen, nicht in Beliebigkeit abzurutschen. Innen gepflegter Luxus mit großen Sitzen, üppigem Platz vorne und hinten, edelen Materialien wie Holz und Leder. Ein wenig getrübt wird der Eindruck bei der ein oder anderen Dekor-Option, die zwar aus Echtholz ist, aber wie Plastik anmutet. Oder durch ein paar Schalter, die aus dem Konzernregal kommen und allzu austauschbar erscheinen. Der Kofferraum fasst 530 Liter - fast so viel wie die aktuelle S-Klasse und mehr als der Porsche Panamera in normaler Bestuhlung. Als Basispreis ruft Maserati für den Quattroporte S Q4 107.695 Euro auf - Porsche etwa ist mit dem ebenfalls allradgetriebenen Panamera 4S rund 2.000 Euro preiswerter. Ende des Jahres soll der V6-Quattroporte auch ohne Allradantrieb verfügbar sein, zum Einstiegspreis von wohl knapp über 100.000 Euro.
Testwertung
5.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2013-05-07

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