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Testbericht

Stefan Grundhoff / Wolfgang Gomoll, 15. Mai 2017
Augsburg hat abgesehen von der Geschichte der Fugger nicht viel Spektakuläres zu bieten. Das ist seit dem Wochenende anders. In einem ehemaligen Straßenbahn-Depot befindet sich das größte Mazda-Museum der Welt. Für Walter Frey und seine beiden Söhne Joachim und Markus geht ein Lebenstraum in Erfüllung. Derart viele Klassiker gibt es nicht einmal in der japanischen Mazda-Zentrale.

Man würde annehmen, dass ein Autohersteller die schönsten und exklusivsten Autos seiner Geschichte in einem eigenen Museum nahe der Firmenzentrale hortet und Markenjünger aus aller Welt dorthin strömen, um ihre automobilen Lieblinge zu bewundern. Bei Mazda sieht das etwas anders aus. Die Mazda Motor Cooperation, 1920 gegründet und im japanischen Hiroshima beheimatet, hat eine sehenswerte Geschichte. Doch wenn es um besonders sehenswerte Stücke aus eigener Produktion geht, hat Hiroshima nicht viel zu bieten. Die Mazda-Jünger müssen nach Augsburg kommen, denn hier eröffnete am Wochenende das größte Mazda-Museum auf der Welt. Mazda-Händler Walter Frey und seine beiden Söhne haben in den vergangenen 30 Jahren eine Sammlung angehäuft, die weltweit keinerlei Konkurrenz hat. Geht es um Mazdas Historie - führt an der Familie Frey kein Weg vorbei.

Wenn es um seine Mazdas geht, versteht Walter Frey keinen Spaß. Mit viel Geduld und in mühevoller Sucharbeit hatte der Chef dreier Autohäuser einen extrem seltenen Mazda Pathfinder XV 1 gefunden und gekauft. Dieser Geländewagen wurde in Myanmar gebaut und vom dortigen Militär genutzt. Jetzt stand so ein seltenes Vehikel in Augsburg. Nur ein Motor fehlte noch. Walter Frey, ein Mann der Tat, griff zum Telefon und rief den deutschen Botschafter in dem südostasiatischen Land an: "Können Sie mir einen passenden Motor besorgen?" Der Diplomat reagierte mit wenig Verständnis auf die Sammlerleidenschaft des freundlichen älteren Herren und lehnte das Ansinnen ab. Walter Frey schickte noch ein paar eindeutige Worte durch die Leitung, knallte den Hörer auf die Gabel und nahm sein Glück selbst in die Hand.

Jetzt ist der grüne Pathfinder eines der Schmuckstücke der an Raritäten nicht armen Mazda-Privat-Sammlung der Familie Frey und steht in einem ausrangierten Straßenbahn-Depot der bayerischen Stadt. Bauzeit: zweieinhalb Jahre. Damit ist für die Freys ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. "Wir wollten unsere Autos immer an einem Ort haben", erklärt der älteste Sohn Joachim, "unser Vater hat uns irgendwann angesteckt und wir sind die Leidenschaft dann nicht mehr los geworden." Zusammen mit seinem Bruder Markus und Vater Walter bildet er ein Dreigestirn, bei dem Benzin im Blut eine Verkennung der Tatsachen darstellt. Bei den Freys fließt mehr Benzin als Blut durch die Adern. Rund 200 Autos haben sich die drei Männer im Laufe der Jahre zusammengesucht, davon sind 120 Mazdas und 80 Fahrzeuge anderer Marken - darunter auch solche Schmuckstücke wie ein Alfa Romeo Montreal. Eines ist Ehrensache: "Die Autos im Museum sind alle fahrbereit", betont Markus Frey, "hier stehen auf 1.500 Quadratmetern aktuell 45 ausgestellte Fahrzeuge. Doch wir werden die Autos regelmäßig wechseln, damit es für die Besucher immer etwas Neues zu sehen gibt."

Warum eigentlich Mazda? Schuld für Walter Freys Faible für die japanische Marke und die Wankelmotoren ist ein Berufsschullehrer, der ständig über dieses Antriebskonzept schimpfte. "Also habe ich mich erst recht für dafür interessiert", erzählt Frey Senior, der damals eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker absolvierte. Diese Leidenschaft hat er an seine beiden Söhne Joachim und Markus weitervererbt. Die drei Männer besitzen seit 1978 mittlerweile drei Mazda-Autohäuser, lieben die Motoren mit den rotierenden Kolben und basteln in ihrer Freizeit nach an den Autos, die sie mit viel Liebe restaurieren. "Wir treffen uns traditionell am Karfreitag und schrauben an unseren Autos. Deswegen heißt dieser Tag bei uns auch \\\'Car-Freitag\\\'", lacht Markus Frey, der tagein tagaus zusammen mit den beiden anderen Freys an den Autos herumschraubt. Auch wenn alle drei ausgemachte Experten sind, ist es immer wieder einmal kniffelig wie beim Mazda GB-Dreirad, Baujahr 1950. "Da haben wir ganz schön Lehrgeld bezahlt", stöhnt Joachim Frey. Der Weg zu der exquisiten Sammlung war steinig. Mehr als zehn Jahre reifte der Traum vom zentralen Schaufenster. Vorher frönten die Freys ihrer Sammlerleidenschaft und hatten die Autos in verschiedenen Hallen untergebracht. Der Ruhm der Augsburger schwappte bis nach Japan und beeindruckte sogar den obersten Mazda-Chef, der dem Ansinnen der Deutschen, ein Privat-Museum zu eröffnen, grünes Licht beschied. Aber bis der richtige Platz gefunden war, vergingen viele Monate. Selbst der Augsburger Bürgermeister half bei der Suche und fuhr mit den Freys verschiedene Standorte ab, letztendlich fiel die Wahl auf ein baufälliges Straßenbahndepot und 2011 wurde der Vertrag unterschrieben. "Mit diesem einzigartigen und beeindruckenden Mazda Museum, dem ersten außerhalb Japans, ist der Traum wahr geworden, Ihre einmalige Sammlung historischer Mazda Fahrzeuge aus aller Welt der Öffentlichkeit zu präsentieren", so Akira Marumotor, Executive Vice President von Mazda, "alle Mazda Mitarbeiter in unserer Unternehmenszentrale in Hiroshima sind sehr stolz darauf, dass die Familie Frey Teil der Mazda Organisation ist und so etwas großartiges erschaffen hat."

Jetzt ging die Arbeit erst richtig los. Das Gemäuer musste in einen vorzeigbaren Zustand versetzt werden. Nebenbei hatten die Freys ja auch noch ihre Autohäuser zu leiten. Angesichts des erbärmlichen Zustands der Gebäude in der Wertachstraße, machten sich bei den Männern Zweifel breit, ob sich das Projekt realisieren ließe. Aber geht nicht, gibt es nicht im Freyschen Universum und nun eröffnete das Mazda Museum gerade noch rechtzeitig zur Autosaison 2017. Nun atmet das Trio auf. Vor allem, weil jetzt in den anderen Hallen wieder mehr Platz für weitere rollende Objekte der Begierde ist. Ein Auto zu verkaufen, verbieten sich die Freys. Selbst bei mehreren gleichen Modellen? "Ja, aber die haben doch eine unterschiedliche Farbe", lautet die ob der Frage etwas ungläubige Antwort unisono aus drei Mündern. Mittlerweile ist die Sammlung ziemlich komplett. "Große Lücken haben wir nicht mehr", erzählt Joachim, der kühler Rechner, der die beiden anderen immer wieder zur Vernunft mahnt. Die Entscheidung, ob ein Vehikel gekauft wird, wird immer demokratisch getroffen - bei drei Personen gibt es auch immer eine klare Mehrheit. Die Jagdleidenschaft der Freys ist aber noch längst nicht erloschen im Gegenteil. Die Einzelteile des nächsten Highlights liegen schon bereit, um in mühevoller Kleinarbeit zusammengesetzt zur werden. Das Puzzle ist ein Mazda 727C Le-Mans-Rennwagen aus dem Jahr 1984. Das wird neben dem ebenso legendären und seltenen Mazda Cosmo dann auch eines der teuersten Exponate der Ausstellung. Die Freys haben zwei Cosmos - einen dritten bauen sie gerade auf. Marktpreis des Wankelsportlers, der dieses Jahr 50. Geburtstag feiert: 130.000 Euro.
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Quelle: press-inform, 2017-05-15

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