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Autoplenum, 2014-11-03

Mercedes setzt auf China - Der Zukunft geweiht

Testbericht

Stefan Grundhoff

Daimler setzt voll auf China. Mit einem neuen Entwicklungszentrum machen sich die Stuttgarter fit für die Zukunft. Der Mercedes von morgen entscheidet sich mehr denn je in Peking.

"China wird für immer der größte PKW-Markt der Welt bleiben", sagt Daimlers China-Chef Hubertus Troska, "wir müssen verstehen, was die Kunde hier wollen, um erfolgreich zu sein." Niemand dürfte an seinen Worten zweifeln, denn auch wenn China erst seit 2013 die USA als größter Automarkt überholt hat, kommen aktuell auf 1.000 Einwohner gerade einmal 90 spärliche Autos. In den USA sind es 766, in Deutschland 564 Fahrzeuge. Die meisten weltweiten Märkte sind gesättigt, während die Potenziale in China allen Widrigkeiten und etwaigen politischen Strömungen zum Trotz gigantischer denn je nach oben streben. Bei Mercedes sieht es da kaum anders aus, als bei der deutschen Premiumkonkurrenz. GLK, E- und S-Klasse werden in China mehr als irgend anders in der Welt verkauft.

Daimler hat in China nach schweren Jahren einiges aufzuholen. "Ende 2015 werden wir uns die Zahlen anschauen und werden sehen, wo wir stehen", sagt Troska, "ich bin sehr zuversichtlich. Bei uns eröffnen pro Woche zwei chinesische Händler, 100 im Jahr. Das gab es noch nie bei Daimler." Von den erwartet mehr als 220.000 verkauften Fahrzeugen wird aktuell die Hälfte lokal in China produziert. Das Werk im Süden von Peking, wo unter anderem C- und E-Klasse sowie bald der GLA vom Band laufen, ist flächenmäßig die größte Daimlerproduktionsstätte weltweit; die Ausbaupotenziale gigantisch. Ende 2015 wollen die schwäbischen Chinesen im Land der neuen unbegrenzten Automöglichkeiten deutlich mehr als 300.000 Fahrzeuge verkaufen; über zwei Drittel als lokaler Produktion. Dabei bedient sich Daimler mehr denn je lokalen Zuliefern. Die Quote von derzeit 60 bis 70 Prozent soll in den nächsten Jahren weiter gesteigert werden.

Um der gewaltigen Bedeutung des chinesischen Marktes Rechnung zu tragen, baute Daimler zudem ein neues Entwicklungs- und Forschungszentrum mit einem eigenen Designbereich in Peking. Insgesamt wurden umgerechnet 112 Millionen Euro in den Entwicklungsstandort gesteckt; 13,5 Millionen in das neue Gebäude. "Mit unserem neuen R D Center in China setzen wir unsere Strategie der Internationalisierung unserer R D-Aktivitäten konsequent um und unterstreichen unser klares Engagement für China", bekräftigt Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber. Weber kündigt bis zum Jahre 2020 zwölf neue Mercedes-Modelle an, die keinen Vorgänger haben. Besonders die extra-langen S-Klasse-Versionen und neue Crossover sollen den chinesischen Premiummarkt aufmischen.

Neben dem Gesamtinvest bringt die Fokussierung auf den Asienstandort ein gesteigertes Personalbedürfnis. Waren es hier im Bereich Forschung und Entwicklung vor zwei Jahren noch 170 Angestellte, so sind es aktuell 350. Bis Ende nächsten Jahres soll sich die Zahl auf 500 erhöhen. Kein Zweifel daran, dass das neue Entwicklungszentrum in Peking unter den aktuell 21 Konzernstandorten eine zentrale Rolle einnehmen wird. Das gilt mehr denn je auch für das Design, denn das Daimler-Designstudio Asien im japanischen Yokohama wurde jüngst geschlossen und das Team zog nach Peking um, wo Studioleiter Oliver Boulay den neuen Standort aufbaute. Der französische Leiter des Designstudios Peking macht nach 23 Jahren Asien keinen Hehl daraus, dass er lieber in einer kreativeren Ecke von Peking wie der Area 798 untergekommen wäre, um sein Team bestmöglich inspirieren zu lassen. "Ich habe 20 Standorte gesucht und durchgeplant, doch das Thema Compliance machte vieles zunichte." Zur Eröffnung des Forschungs- und Entwicklungszentrums durfte sein Team mit der urbanen SUV-Studie des hybriden Mercedes G-Code zeigen, was es kann.

Mit dem neuen Standort wollen nicht nur Entwickler und Techniker, sondern gerade Designer und Produktverantwortliche das betont junge China-Klientel verstehen. "Unsere Kunden sind hier 10 bis 20 Jahre jünger als in anderen Ländern", erklärt Hubertus Troska, "so spielt China eine entscheidende Rolle für unser Design und unsere Entwicklungen." Andere Länder, andere Kunden, andere Ansprüche. Mit Hochdruck arbeiten die Daimler-Entwickler daran, die aktuellen Modelle nicht nur bei Antrieb und Aussehen, sondern auch bei Konzept und Details auf die lokalen Bedürfnisse abzustimmen. Nach S- und E-Klasse wird seit August auch die noch junge C-Klasse als Langversion angeboten. Diejenigen, die sich in China eine mindestens 369.000 RMB teuren C 200 L leisten können, haben einen Fahrer, um durch den alltäglichen Mega-Stau in Metropolen wie Peking oder Shanghai zu gelangen. Die Bedürfnisse unterscheiden sich auch in Details. Der durchschnittliche Mercedes-Kunde in China bedient zwei Mobiltelefone, die im Auto geladen werden, 44 Prozent haben eine Glücksbringer im Fahrzeug und benötigen die Cupholder für Heiß- oder Kaltgetränke. Immerhin 17 Prozent rauchen im Fahrzeug und eine praktische Taschentücherbox will sowieso jeder in seinem fahrbaren Untersatz. Gut, wenn man seine Kunden derart gut kennt. Schließlich fährt hier die Zukunft - nicht nur für Mercedes.

Quelle: Autoplenum, 2014-11-03
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