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Testbericht

10. Juni 2004
München, 11. Juni 2004 – Es ist eine lange Bezeichnung für ein so kurzes Auto: Mini Cooper S John Cooper Works. Dass dieser Name Programm ist und dass aus der netten Mini-Maus ein böser Maxi werden kann, zeigt sich beim Test. Denn das Tuningkit beinhaltet nicht nur extra-sportliche Optik – die der Cooper S bereits von Hause aus hat – sondern vor allem eine gewaltige Druckerzeugung im 1,6-Liter-Motor. Der bringt nach der Leistungsspritze 200 PS und liefert Fahrleistungen, die selbst in der Sportwagen-Klasse für Applaus sorgen. Wir haben den Super-Cooper getestet. Spezielle 18-Zoll-Felgen am Zwerg Rase Der Cooper S mit John Cooper Works Tuningpaket – nennen wir es mal kurz JCW – kommt optisch noch kraftvoller als der Cooper S daher. Kleine Schilder am Frontspoiler und an der Hecktür verraten das Tuning-Kit zwar eher dezent, aber spezielle 18-Zoll-Felgen geben schon mehr Hinweise auf die Dynamik des Zwerg Rase. Auch am mittigen Endrohr der JCW-Abgasanlage findet sich ein John-Cooper-Works- Schriftzug, aber der ist für Verfolger wohl eher nicht zu erkennen. John Coopers Vermächtnis Der Name John Cooper Works hat eine lange Tradion: Ende der 40er Jahre gründete der Motorsport-Pionier John Cooper die Cooper Car Company. Er baute nicht nur Rennwagen, sondern entwickelte den Mini zum Mini Cooper weiter. Dieser wurde in Serie gebaut, aber nach mehr als 150.000 produzierten Einheiten 1971 eingestellt. Cooper und sein Sohn Mike hielten unterdessen den Namen der Marke Mini Cooper am Leben. Um die wachsende Nachfrage nach Cooper-Fahrzeugen zu befriedigen, produzierten sie in den 80er-Jahren Tuning-Kits und Zubehör, um den Mini zum Mini Cooper zu machen. So verwundert es nicht, dass auch Mike Cooper noch bevor der neue Mini im Jahr 2001 auf den Markt kam, schon eine leistungsgesteigerte Version im Kopf hatte.

Zupackende Sportsitze Nehmen wir Platz: Sportsitze umfassen den Fahrer zupackend, ohne unbequem zu sein. Die JCW-Sitze haben eine verstärkte Seitenführung und einen verstärkten Schulterbereich. Das ist auch nötig - dazu kommen wir später. Das Lederlenkrad liegt gut in der Hand, aber das polierte Oberteil vom Metall-Knauf des Schalthebels erinnert an eine Boule-Kugel und ist damit Geschmackssache: Ein griffiger, kompletter Lederüberzug wäre hier nicht schlecht. Super-Ausstattung Die Ausstattung unseres Testwagens entspricht dem Luxus-Bedürfnis der heutigen Zeit. Damit dürfte sie sich um einiges vom Purismus jener Mini Cooper unterscheiden, die John Cooper noch höchstpersönlich über die Piste hetzte. Es gibt ein Navigationssystem, Bedientasten am Lenkrad, ein elektrisches Glasdach, einen Regensensor, Sitzheizungen und eine Einparkhilfe. Nicht zu vergessen die Klimaautomatik und die Harman-Kardon-Anlage. Kerniges Geräusch Doch alle Extras geraten in Vergessenheit, wenn der Stall der 200 Pferdchen geöffnet wird. Das geschieht nicht betont leise, das Geräusch ist kernig und passt zum erwarteten Fahrspaß. Beim Hochdrehen wird der Sound fordernd. Dazu surrt der extra-flinke Kompressor, eine der Modifikationen des Tuning-Kits, im Hintergrund sein Lied von Druck und Überdruck.

Mehr-Leistung durch Modifikationen Bei Vollgas jubiliert der Mini so richtig, wenn sich zum Motorgeräusch bei Tacho 230 noch das Asphaltsirren und die Windgeräusche mischen. Aber bei diesem Auto kommt es weniger auf die Spitze an, sondern vielmehr auf die Kraft, die dazwischen liegt. Erreicht wird die Mehr-Leistung nicht nur durch die Änderungen am Kompressor, sondern auch durch einen geänderten Zylinderkopf und ein neu abgestimmtes Motormanagement. Kraft bei mittleren Drehzahlen Schon allein der Bewegungsablauf beim Runterschalten und Durchtreten bringt nicht nur wegen der knackigen Sechsgang-Schaltung Freude am Heizen, sondern auch aufgrund des daraus resultierenden Druckes im Rücken. Und des damit verbundenen Bewegungsschubes. Gerade im mittleren Drehzahlbereich hat der Kraftzwerg sein größtes Potenzial und lässt sich selbst im sechsten Gang noch agil beschleunigen. 6,7 Sekunden auf Tempo 100 Vor allem diese beachtliche Schubkraft ist es, die bei Verfolgern einen unvergesslichen Eindruck vom JCW verschafft: Von wegen müder Kleinwagen, der auf der linken Spur nur stört: Wird das Kraftwerk aktiviert, geht der Mini ab wie eine Rakete. Seine Höchstleistung von 200 PS erreicht er bei 6.950 Touren, das Drehmoment von 240 Newtonmetern liegt bei 4.700 Umdrehungen an. 6,7 Sekunden braucht der starke Kleinwagen auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 226 km/h. Zahlen im Vergleich: Der ebenfalls nicht schwächelnde Cooper S hat 170 PS bei 6.000 Touren, braucht für den Sprint 7,2 Sekunden und fährt 222 km/h Spitze.

Landstraßen sind echte Freunde Landstraßen sind die echten Freunde des JCW. Er lässt sich dank einer direkten und exakten Lenkung passgenau um Kurven wedeln, das straffe Fahrwerk leistet seinen Part zur Kurven-Verbundenheit. Es ist wie Kart-Fahren und ein bisschen himmlisches Vergnügen, ähnlich wie beim BMW M3. Wie gut, dass sich die Sitze so an ihrem Besetzer schmiegen. Dass im Notfall das Stabilitätsprogramm eingreift, ist beruhigend zu wissen, doch die Straßenlage des Kurzen ist so gut, dass das selten der Fall sein muss. Die Klang-Untermalung durch den Kompressormotor ist die würzige Prise am leckeren Mini-Mahl. Umbaukosten ab 4.052 Euro Ein Mini Cooper S ist für 20.400 Euro zu haben. Hinzu kommt das JCW-Tunigkit für 4.052 Euro. Es beinhaltet neben dem bearbeiteten Zylinderkopf, dem Sport-Nachschalldämpfer und dem modifizierten Kompressor auch die JCW-Embleme und ein Echtheitszertifikat. Die 18-Zöller schlagen extra zu Buche: Der Komplett-Rad-Satz kostet in Verbindung mit dem Lenkwinkelanschlag und den hinteren Radläufen 2.073 Euro. Und für die Sportsitze sind je nach Stoff und Heizungswunsch zwischen 598 und 868 Euro zu löhnen.
Technische Daten
Motor Bauart:Vier Zylinder, Reihe, 16V
Hubraum:1.598
Leistung:147 kW (200 PS) bei UPM
Drehmoment:240 Nm bei 4.000 UPM
Preis
Neupreis: 20.400 € (Stand: Juni 2004)
Fazit
Der Mini ist von Haus aus ein Sympathieträger der besonderen Art. Nicht nur bei der Damenwelt kommt das nette Lächeln der Scheinwerferaugen und des Kühlermundes an. Er passt ideal zu Leuten, die mehrere Eigenschaften in einem Auto vereint wissen wollen. Lifestyle, Individualismus und ein bisschen Understatement werden gepaart mit starken Motoren und sportlichen Fahreigenschaften. Doch selbst das lässt sich noch toppen: Der Mini Cooper S ist mit seinen mittlerweile 170 PS schon ein heißes Eisen, aber mit dem Tuning-Kit John Cooper Works wird das Schmiedefeuer so richtig angeheizt. Wer einen scharfen Beißer hinter dem Unschuldslamm-Gesicht des Mini braucht, sollte sich diese Kraft-Erweiterung nicht entgehen lassen. Vorteil: Man fährt keinen protzig-teuren Sportwagen, hat aber mindestens genausoviel Fahrspaß und kann noch dazu vier Leute relativ bequem transportieren. (hd)
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2004-06-10

Getestete Modelle
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