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Testbericht

4. Juli 2005
Heraklion, 4. Juli 2005 – Bei der Namensgebung seines Pick-ups legte Nissan bislang wenig Kreativität an den Tag: Der Pritschen-Allradler wurde schlicht und gar nicht ergreifend Pick-up getauft. Nun, der Micra heißt ja auch nicht einfach nur Kleinwagen und der Pathfinder nicht Geländewagen. Also wird jetzt auch die neu erscheinende Pick-up-Generation zugleich mit einem charaktervollen Pseudonym ins Rennen geschickt: Nissans Kleinlaster geht ab Juli 2005 unter dem Namen Navara mit deutlich überarbeiteter Technik, aufgewerteter Optik und einem komfortableren Innenraum an den Start.

Zahlreiche Verbesserungen Obwohl die bisherige Generation noch nicht zum alten Eisen zählt, macht der Modellwechsel Sinn: Die Mitstreiter Toyota und Mitsubishi haben bereits rundum erneuerte Pick-ups in der Pipeline. Mit dem umfangreich verbesserten Navara könnte also der erfolgreichste Pick-up Europas weiterhin ein Nissan sein. Mit welchen Zutaten, haben wir bei einer Probefahrt mit der Karosserieversion King Cab und der einzig verfügbaren Motorisierung 2.5 dCi erfahren.
Aufgewerteter Macho Der bis zur A-Säule mit dem neuen Pathfinder identische Kleinlaster dokumentiert bereits außen den Anspruch, nicht nur ein Arbeitstier zu sein. Lackierte Stoßfänger, markant ausgestellte Radhäuser und große Chromflächen an Front und Heck sind eben nicht allein auf Funktion reduzierte Gestaltungselemente. Der Navara ist zudem eine Respekt einflößende und bullige Erscheinung. Ein automobiler Macho, der jedoch nicht mit Leistung oder extremer Sportlichkeit protzt.

Premium im Innenraum Einen bemerkenswert edlen Eindruck hinterlässt auch der Innenraum. Unser voll ausgestatteter Testwagen beeindruckte mit einem Qualitätsniveau, welches auch manchem Premium-SUV gut stehen würde. Zur optionalen Ausstattung zählt neben Leder an Lenkrad und auf den Sitzen auch ein Tempomat. Die breite Mittelkonsole beherbergt unter anderem einen 7-Zoll-Farbbildschirm für das Navigationssystem sowie die Bedieneinheit der Zwei-Zonen-Klimaanlage. Zudem sind die Kunststoffe wertig, das Design hinsichtlich Form und Funktion gelungen. Die vorderen Passagiere freuen sich über reichlich Platz und zahlreiche Verstellmöglichkeiten von Sitz und Lenkrad. Gegenüber dem Vorgänger ist die Beinraumtiefe deutlich gewachsen und ermöglicht so eine tadellose Sitzergonomie.

Qual der Wahl: King Cab oder Double Cab Statt der bisherigen drei Karosserievarianten stehen für die neue Generation nur noch zwei zur Wahl: Der King Cab mit zusätzlichen Notsitzen im Stauraum hinter den Vordersitzen und die Version Double Cab mit einer durchgehenden Fondsitzbank, die bis zu drei Passagieren ordentlichen Platz bietet. Der Kunde hat somit die Wahl zwischen einer größeren Ladefläche oder mehr Platz im Innenraum. Der King Cab ist mehr Arbeitstier, der Double Cab ein recht komfortabler Fünfsitzer mit einer ebenfalls praktischen, jedoch kleineren Ladefläche. In beiden Fällen ist diese 1,13 Meter breit, beim King Cab jedoch stattliche 1,86 Meter und beim Double Cab immer noch respektable 1,52 Meter lang.

Attraktive Extras für die Ladefläche Um auf dem offenen Gepäckabteil Ladegut besonders sicher zu transportieren, bietet Nissan optional ein neues System mit fünf Alu-Schienen im Boden und den Seitenwänden der Ladefläche, in denen sich selbstschließende Klemmen als Fixpunkte zum Verzurren verschieben lassen. Die durchdachte und sehr stabil wirkende Vorrichtung ist für den sicheren Transport von Motorrädern oder einem Jetski besonders hilfreich. Zusätzlich bietet Nissan für den Navara optional eine Hardtop-Abdeckung, eine große Werkzeugbox, ein Zelt für die Ladefläche und einen Fahrradträger. Die letztgenannten Extras sind speziell für freizeitorientierte Kunden attraktiv – eine erklärte Zielgruppe für den Navara.

Packt weniger und zieht mehr Der nutzwertig orientierte Kunde könnte sich an der gegenüber dem Vorgänger geringeren Zuladung stören. Diese schrumpfte von einst 861 Kilogramm auf nunmehr 612 bis maximal 780 Kilo (je nach Aufbau und Ausstattung). Im Pick-up-Segment ist das ein recht bescheidener Wert, der manchen Dachdecker beim Transport seiner Ziegel vor Probleme stellen könnte. Die um 200 Kilo auf drei Tonnen erhöhte Zugkraft des Navara ist dafür ein ordentlicher Wert. Einen wiederum kritikwürdigen Zuwachs betrifft das Leergewicht von über zwei Tonnen.

Der schnellste Diesel-Pick-up am Markt Erfreulicher ist der Leistungsanstieg des einzig verfügbaren Motors – einem 2,5-Liter-Turbodiesel mit stattlichen 174 PS und 403 Newtonmeter. Der Selbstzünder geht spritzig und auch kultiviert zu Werke. Angesichts der über zwei Tonnen Gewicht beeindrucken die Fahrleistungen: Laut Nissan geht es mit Schaltgetriebe in nur 10,8 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 170 km/h und damit ist der Navara der mit Abstand schnellste Diesel-Pick-up am Markt. Trotz Gewicht und starkem Durchzug liegt der Verbrauch bei besonders niedrigen 8,5 Litern Dieseltreibstoff – ebenfalls ein Spitzenwert in seinem Segment. Zunächst erreicht das Aggregat nur die Abgasnorm Euro 3. Später im Jahr soll dann noch ein Rußpartikelfilter zum Nachrüsten kommen.

Automatik das bessere Getriebe Nicht ganz überzeugen kann die manuelle Sechsgang-Schaltung mit ihren langen Wegen, der nicht sonderlich präzisen Führung und dem sich viel zu weit rechts befindenden Rückwärtsgang. Ein weiteres Problem des Turbodiesels in Kombination mit dem Schaltgetriebe ist außerdem das Spiel mit Gas und Kupplung beim Anfahren. Vor allem an schwierigen Steigungen im Gelände stirbt einem der Motor leicht ab. Mit einer Automatik wäre diese Fahrsituation problemloser zu meistern. Wer viel im Gelände fährt und zugleich Wert auf Komfort legt, sollte sich für die angenehmere jedoch auch etwas Leistung schluckende Automatik entscheiden. Doch diese gibt es gegen 1.500 Euro Aufpreis nur in Kombination mit der Version Double Cab. Hier wären beide Getriebe für beide Aufbauten eigentlich wünschenswert.

Klassisches Fahrwerk, mäßige Sicherheit Während der Innenraum ein Pkw-ähnliches Komfortambiente versprüht, lässt sich dies über das Fahrwerk nicht sagen. Der Navara ist mit Starrachse und Blattfederung hinten eben auf Nutzwertigkeit und damit weniger auf Komfort ausgelegt. Doch angesichts dieser Fahrwerkskonstruktion fährt sich der 5,22 Meter lange Pritschenwagen durchaus angenehm, selbst auf langen Strecken. Obwohl ein druckvoller Motor unter der Haube werkelt, ist der Navara aber kein dynamischer Kurvenräuber. Wer dennoch besonders schnittig um Biegungen fahren will, dem kann leicht mal mulmig werden. Schnelle Richtungswechsel straft er mit Wankbewegungen. Und leicht kann das Heck beim Beschleunigen in der Kurve ausbrechen. Die Straßenhaftung ist selbst mit Allradantrieb in Kurven nicht überragend satt und sicher. Eine Traktionskontrolle oder ESP sind für den Navara nicht bestellbar. Dafür kann er immerhin einiges auf seiner Ladefläche befördern und sogar schwieriges Terrain meistern.

Gute Offroad-Eigenschaften Für Fahrten abseits befestigter Pisten ist der Navara serienmäßig mit zuschaltbarem Allradantrieb ausgestattet. Normal ist er als Hecktriebler unterwegs. Wer jedoch Kraft an alle Räder haben will, kann während der Fahrt eine Drehmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse von 50 zu 50 einschalten. Zusätzlich ist eine serienmäßige Getriebereduktion für besonders steile Passagen aktivierbar. Für beinharte Einsätze empfiehlt sich die Hinterachsdifferenzialsperre für 600 Euro Aufpreis. Zusammen mit 234 Millimeter Bodenfreiheit, 450 Millimeter Wattiefe und einem Böschungswinkel vorne von 29 und hinten von 22 Grad geht es locker durch Schlamm und Geröll. Unterm Strich ist der Navara ein durchaus robuster und anspruchsvoller Naturbursche, mit dem man sich auch in schwierigem Gelände geschickt und sicher bewegen kann.
Technische Daten
Antrieb:zuschaltbarer Allradantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:längs eingebauter Turbodiesel-Direkteinspritzer
Hubraum:2.488
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:128 kW (174 PS) bei UPM
Drehmoment:403 Nm bei 2.000 UPM
Preis
Neupreis: 25.750 € (Stand: Juli 2005)
Fazit
In der Ausstattungversion Business kostet der neue Nissan Navara King Cab 2.5 dCi ab 25.750 Euro. Gegenüber dem bisherigen Modell sind das rund 1.600 Euro mehr. Immerhin gibt es dafür viel Schick, mehr Komfort, eine moderne Optik und neue, attraktive Ausstattungsoptionen. Wer einen praktischen Kleinlaster mit luxuriösem Ambiente sucht, findet hier einen optimalen Partner. Doch man muss für viel Komfort auch viel Aufpreis zahlen.

Beeindrucken kann der Navara zudem mit seinem sparsamen und zugleich äußerst druckvollen Motor. Trotz des hohen Gesamtgewichts des Navara sorgt der Diesel für gute Fahrleistungen. Kein anderer Diesel-Pick-up kommt da hinterher. Doch lässt das Fahrwerk bei forscher Fahrweise einige Unsicherheiten aufkommen. Eine elektronische Stabilitätshilfe und eine Traktionskontrolle sind nicht an Bord. Zu kritisieren sind außerdem die zu langen Wege der Sechsgang-Schaltung.

Dafür ist der Navara für den Ausritt ins Gelände serienmäßig bereits gut gerüstet: Bereits das Grundmodell verfügt über einen zuschaltbaren Allradantrieb und eine Getriebeuntersetzung.

Insgesamt hat Nissan im Pick-up-Segment also ein wirklich gutes und attraktives Paket geschnürt. Damit dürfte der Navara in seinem Segment auch künftig in der europäischen Verkaufsstatistik ganz oben stehen.(mh)

Quelle: auto-news, 2005-07-04

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