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Autoplenum, 2011-11-23

Porsche Race Car Classic - Einmal und nie wieder

Testbericht

Marcel Sommer

So ein Porsche-Treffen hatte es noch nie gegeben. 200 Legenden der Zuffenhausener Leidenschaft im exklusiven Rahmen der Quail-Lodge im kalifornischen Monterey. Wie in den USA üblich, ging es nicht nur um Sportwagen, sondern auch einen guten Zweck.

Fahrzeuge wie die weltweit einzigen beiden Dreikantschaber, fünf Prototypen des ersten Porsche-Rennwagens 550 und 15 Porsche 904er in nahezu perfektem Zustand bekommt man nicht alle Tage zu sehen – auch nicht im Sportwagenmekka Monterey. 2.000 zahlungskräftige Porsche-Enthusiasten zahlten Eintrittspreise von 400 Dollar um ein Teil der Geschichte zu werden. Das Geld fließt bekanntlich umso leichter, wenn es um einen guten Zweck geht. Hier macht den Amerikanern niemand etwas vor. So sollte das Eintrittsgeld für die spektakuläre Porsche-Ausstellung kranken Menschen helfen. 350 Dollar des Eintrittspreises gehen direkt an die Bonni J. Addario Lungenkrebs-Hilfe – keinesfalls zufällig. Hauptinitiator Steve Heinrichs hatte vor Jahren selbst Lungenkrebs, den er schließlich besiegte: „Jeden Tag sterben 300 Menschen an Lungenkrebs. 80 Prozent davon haben entweder noch nie geraucht oder haben damit schon lange zuvor aufgehört. Und da ich mit viel Glück überlebt habe, möchte ich mit dieser Aktion den Kampf gegen den Lungenkrebs unterstützen. Das Porsche Race Car Classic gibt es nur heute. Das gab es noch nie und wird es auch in dieser Form nie wieder geben“, schwärmt Steve Heinrichs.

Dass ein Großteil der millionenschweren Traumautos auch noch besonders schnell fahren kann, zeigte sich bereits zwei Tage zuvor bei einer gemeinschaftlichen und von der örtlichen Polizei unterstützten Ausfahrt. Sergeant Falk von der Highway Patrol ließ es sich nicht nehmen, die Teilnehmer, darunter viele erfahrene Rennfahrer wie Hans Herrmann und Eberhard Mahle, daran zu erinnern, wer in seinem Bezirk das Sagen hat: „Es wird nicht überholt und wer Licht hat, macht dies auch an. Wir sorgen dafür, dass sie zusammen bleiben. Und keine Sorge, wir sind die Besten darin!“ Wer möchte da noch widersprechen? Zu den stolzen Besitzer der Sportwagenlegenden zählt auch der amerikanische TV-Star Jerry Seinfeld. Der Besitzer einer der größten Porschesammlung der Welt hat gleich fünf seiner Schätze mitgebracht, darunter auch der älteste im Originalzustand befindliche Porsche der Welt, ein 356 Gmünd Coupe. „Ich habe soeben erfahren, dass zwei meiner Sammelstücke schon mal in einem Rennen gegeneinander gefahren sein sollen. Ich habe da leider nur wenig Ahnung von“, gibt der 57-Jährige TV-Star zu.

Als einziger europäischer Privatmann brachte der Saarländer Peter Hofmann einen Abarth 356B Carrera GTL und einen RSK Spyder extra für diese Veranstaltung mit über den großen Teich. Seine größte Sorge war, „ob die beiden Schätze die 30tägige Seereise gut überstehen.“ Von den 21 jemals gebauten Abarth-Porsche existieren heuten nur noch 19 Exemplare und den RSK Spyder umgibt eine traurige aber gleichzeitig auch große Geschichte: „In diesem Fahrzeug ist der berühmte französische Rennfahrer Jean Behra 1959 ums Leben gekommen“, erklärte der 46-Jährige. Der Zeitzeuge und damalige Rennfahrkollege Hans Herrmann fügt sichtlich berührt und nachdenklich hinzu: „Ich habe Jean damals direkt vor dem Rennen auf der Avus in Berlin gesagt, dass er in der Steilkurve aufpassen solle, da es dort an dem Tag sehr rutschig war. Wenige Momente später ist er leider genau an dieser Stelle verunglückt.“

Ebenfalls aus Deutschland nach Kalifornien gereist ist Achim Stejskal. Der Leiter des Porsche Museums in Zuffenhausen hatte ein halbes Dutzend Raritäten im Gepäck und konnte auch noch nach mehreren Stunden und zahllosen Gesprächen kaum Worte für die spektakuläre Veranstaltung finden: „Ich habe noch nie so viel schönes Tafelsilber auf einem Haufen gesehen.“ Ein weiterer Deutscher, der sogar auf ein paar Worte auf die sonst recht einsam gelassene Bühne gebeten wurde, war Wolfgang Porsche. Auf die Frage, was solch ein Treffen für ihn bedeute, antwortete er nur kurz: „Es ist gar nicht greifbar, was hier passiert“, und schaute sich weiter die lückenlos geführten Papiere und Unterlagen des 904er von Ernst und Tochter Kirsten Benzien an. Schnell wurde klar, dass auf dem satten Grün des Quail Lodge Golfclubs nicht nur bestaunt wurde, sondern auch der eine oder andere Verkauf in der Luft lag.

Neben den historischen Boliden machten in einer kleinen Ecke Rennwagen der neueren Generation auf sich aufmerksam. Hier strahlte der Weltrekord-Porsche 911R von 1967 oder ein Stück weiter das jüngste Auto auf dem Rasen, der Rothman´s Porsche SCRS. Nur 20 Exemplare des Rennwagens sind jemals produziert worden. Fahrzeuge wie der Dolphin Sports Racer von Vic und Barbara Skirmants, der Bobsy-Porsche oder der Elva Porsche MK VII zählten hingegen zu den Autos beim Race Car Classic, die erst beim genauen Lesen der kleinen Beschreibungstafeln als echter Porsche zu identifizieren waren. Eine Anreise der besonderen Art hatte ein unrestauriertes 356 A Carrera Coupe. Er hat die Strecke von New York bis Carmel Valley auf seinen eigenen vier Reifen zurückgelegt. Während der ganzen 5.000 Kilometer musste ein Servicewagen hinter ihm herfahren, damit er eventuell verloren gegangene Teile wieder aufsammeln konnte. „Er hat kein einziges verloren“, erklärte sein Besitzer stolz. „Nur Tanken mussten wir dann und wann.“

Ohne die Rennfahrer der damaligen Zeit wäre die Veranstaltung nur halb so unterhaltsam gewesen. Eberhard Mahle hatte es sich daher auch nicht nehmen lassen in seinem originalen Dunlop-Rennanzug von 1963 aufzutreten. „Dass der noch so gut aussieht haben wir alle meiner Frau zu verdanken“, lachte der erfolgreiche Rennfahrer. 220 Mal ist er bei Rallyes, Berg- oder Rundstreckenrennen an den Start gegangen und errang dabei 150 Klassen- und Gesamtsiege. An Tagen wie diesen, schlendert er am aber liebsten mit einem Karameleis in der Hand zwischen den fahrenden Erinnerungen herum und freut sich über den einen oder anderen Autogrammwunsch. „Es ist schon toll, nach all den Jahren noch erkannt zu werden“, gibt er zu.

Ganz ohne Stars aus der Musikszene kam auch dieser Event nicht aus. Mike Reno von der kanadischen Band Loverboy präsentierte seinen 356 A 1500 GS Carrera Speedster aus dem Jahre 1957: „Porscheautos sind für mich einfach die besten Autos der Welt. Ich musste einfach einen haben.“ Privat fährt er einen 1997er 993, weil er „bei jedem Weg ins Studio Gänsehaut vor Freude am Fahren bekommen möchte.“ Ähnlich enthusiastisch sah es der Fine Art Fotograf Ron: „Ich versuche hier den Geist der Fahrzeuge mit meinen Fotos aufzufangen und für die Nachwelt zu archivieren. Es ist einfach unbeschreiblich.“ Am Ende des Tages schaffte es dann auch Steve Heinrichs, sich ganz in Ruhe jedes einzelne Auto etwas länger anzuschauen. „Zweieinhalb Jahre Planung haben sich voll und ganz gelohnt. Doch der Kampf gegen den Lungenkrebs ist noch lange nicht vorbei.“

Quelle: Autoplenum, 2011-11-23
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