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Testbericht

Jürgen Wolff, 27. Januar 2008
Seit dem Start im Jahre 1994 hat sich der kleine Alfa von 145 bis 147 gehangelt - und ist immer besser geworden. Und hübscher. Mehr noch: Als 147 macht er mittlerweile auch qualitativ eine gute Figur.

Wer Alfa fährt ist automatisch Mitglied im Club. Das hat früher viel erleichtert - und ist auch heute noch für so manchen Trost gut. Bei dem fummeligen Tankdeckel zum Beispiel, der mit dem Zündschlüssel aufgesperrt werden muss und einfach immer irgendwie gerade im Weg baumelt. Oder für die Heckklappe, die sich von außen nur per Fernbedienung öffnen lässt und wegen des fehlenden Griffes permanent für schmutzige Finger sorgt. Oder für die so eng beieinander stehenden Pedale, dass man bei breitem Schuhwerk schon mal doppelt trifft. Oder für die wegen der breiten C-Säulen und der kleinen Heckscheibe eher lausige Sicht nach hinten.

Aber was soll's: Lieben heißt leiden. Und immerhin muss die Mitgliedschaft im Club nicht mehr über die einst lausige Verarbeitung hinwegtrösten: Der Alfa 147 ist auch in Sachen Qualität längst auf der Höhe der Zeit angekommen. Die Materialien wirken hochwertig, die Spaltmaße stimmen und selbst bei genauerem Hinsehen sind Nachlässigkeiten nirgends zu entdecken.

Dafür italienischer Charme rundum: Die weiß unterlegten Armaturen mit ihren Chromblenden, ein durchaus luxuriöses Ambiente, mit Geschmack ausgesuchte Farben - passt. Der Ein- und Ausstieg bereitet wenig Mühe, störend sind nur die hohen Wangen der Vordersitze. Die aber sorgen auf der anderen Seite maßgeblich mit für den ausgezeichneten Halt, den man auch bei flotten Kurvenfahrten im 147 genießt. Die Sitze sind auch für groß gewachsene Mittel- und Nordeuropäer passgenau einzustellen - dabei hilft auch das in Länge und Höhe verstellbare Lenkrad. Hinten sitzen zwei Passagiere auch auf längeren Strecken nicht üppig aber ganz passabel.

Der Laderaum ist zwar dank der weit öffnenden Heckklappe gut zu erreichen - allerdings muss man seine Koffer und Einkäufe über eine relativ hohe Ladekante wuchten. Und allzu viel Platz ist auch nicht - der Alfa war noch nie ein genügsames Nutztier. Die 292 Liter im Kofferraum sind eher bescheiden: Der Audi A3 zum Beispiel kommt mit 350 Litern an, der 1er-BMW mit 330 und nur der Volvo C30 bietet bei den direkten Konkurrenten mit 251 Litern noch weniger. Immerhin lässt sich das Laderaumvolumen durch das - etwas mühsame - Umklappen der asymmetrisch geteilten Rückbank auf bis zu 1365 Liter erweitern.

Mit dem 16-Ventiler-Diesel ist der kleine Alfa so flott motorisiert, wie man es sich von ihm wünscht. 110 kW/150 PS und ein Drehmoment von 305 Nm sorgen für eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 8,9 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 210 km/h. Der Motor macht so viel Spaß, wie sich diese Zahlen lesen. Schon in den niedrigen Drehzahlbereichen kommt er gut in die Puschen, Überholen wird nicht zum Geduldsspiel und auch am Berg erlaubt er sich keine Schwächen. Der Verbrauch hält sich mit offiziell 5,8 Litern Diesel angenehm im Rahmen - im Test war es real nur unwesentlich mehr. Dazu ist der Diesel kultiviert, vibrationsarm und selbst bei höheren Geschwindigkeiten angenehm leise. Da meldet sich der Wind schon lauter zu Gehör. Das präzise schaltende Sechsgang-Getriebe passt in seiner Abstufung bestens zum Motor.

So ganz straff, wie es sein sportliches Image vermuten ließe, ist das Fahrwerk des 147 nicht abgestimmt. Eher komfortabel. Unebenheiten werden gut geschluckt. Insgesamt aber liegt der Alfa satt und richtungsstabil auf der Straße. In Kurven verhält er sich unproblematisch - lässt sich aber auch nicht sportlich dreschen. In der Not greift die Elektronik, bei Alfa VDC genannt - rechtzeitig ein und hält den Alfa in der Spur. Für das gute Gefühl in Kurven sorgt maßgeblich auch die leichtgängige, aber präzise Lenkung mit.

Sportlich ist am Alfa Romeo 147 auch der Preis. 23.150 Euro wollen die Italiener für die Basisversion des schnellen Diesel - damit ist er der teuerste 147. Und: Er liegt preislich weitgehend auf einer Ebene mit seinen Konkurrenten. Der Audi A3 mit dem 140-PS-TDI kostet nur 450 Euro mehr, der BMW 118d ist mit mindestens 24550 Euro dabei, der Seat Leon 2.0-TDI kostet 23.390 Euro - zumindest beim Basispreis liegt das Feld also eng beisammen.

Immerhin wird im Alfa-Fanclub ein Privileg gleich mitgeliefert, das allen Konkurrenten abgeht: Man darf das vordere Nummernschild links tragen - damit die schöne Front nicht zu sehr verhunzt wird. Das schafft nicht jedes Auto in bundesdeutschen Amtsstuben.
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Quelle: press-inform, 2008-01-27

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