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Testbericht

Jürgen Wolff, 2. Juni 2008
Über Geschmack lässt sich ja streiten. Über Design folglich auch. Weniger streiten lässt sich über den Preis: Für knapp 17.500 Euro ist der Micra C+C eines der preiswertesten Klappdach-Cabrios auf dem Markt.

Wer offen fahren will und trotzdem winterfest, der hat unter 18.000 Euro nicht viel Auswahl. Daihatsus Copen fährt in der offenen 17.500-Euro-Liga mit, der Pluriel von Citroën, Mitsubishis Colt CZC, der Opel Tigra. Wenn man so will vielleicht noch der Smart Fortwo. Damit ist die Liste dann aber auch schon vollständig. Außer dem Preisniveau und dem freien Blick zum Himmel haben alle eins gemeinsam: wenig Platz.

Das ist beim Micra C+C nicht anders. Wer mehr als 1,80 Meter misst, sollte sich den kleinen Nissan besser nicht antun. Bei offenem Verdeck mag es ja noch angehen - geschlossen nur mit Dachberührung. Praktisch dann immerhin: Das Glasdach, das bei offenem Rollo wenigstens ein bisschen mehr Kopffreiheit verschafft und für luftige Helle innen sorgt. Wunder darf vor allem Mann halt nicht erwarten von einem kleinen Flitzerchen, das gerade mal 3,81 Meter in der Länge, 1,67 Meter in der Breite und 1,46 Meter in der Höhe misst. Selbst der normale Micra ist - merkbare - acht Zentimeter höher.

Außer auf den Vordersitzen kommt man im Micra C+C ohnehin nirgends unter - Nicht einmal als Kleinkind. Die angedeutete Rückbank des offiziell als 2+2-Sitzer firmierenden Kleinwagens langt allenfalls als Ablage für Einkaufstüten. Das hilft ein wenig darüber hinweg, dass der Kofferraum bei geöffnetem Verdeck mit 255 Litern auch nicht gerade üppig ausfällt - und sich nur mühsam durch einen engen Spalt beladen lässt. Bei geschlossenem Verdeck wächst der Laderaum dagegen auf fast schon unglaubliche 457 Liter. Das nun wieder toppt selbst Autos wie den Golf. Und auch mit dem Beladen ist es dann nicht mehr so fummelig.

Auch sonst geht es innen eng zu. Die Sitze lassen sich allenfalls für Passagiere bis 1,80 ausreichend weit nach hinten schieben - größere finden nur leicht gefaltet Platz. Immerhin macht die Einrichtung des Winzlings einen hochwertigen und ausgezeichnet verarbeiteten Eindruck. Die Bedienung ist logisch und einfach, die Instrumente gut abzulesen und alle Schalter und Knöpfe bestens erreichbar - zum Teil direkt am Lenkrad. Das lässt sich in der Höhe einstellen. Praktisch: Unter der aufklappbaren Fläche des Beifahrersitzes sind nicht nur Verbandskasten und Warnweste zu finden, sondern auch noch zusätzlicher und verschließbarer Stauraum.

Das feste Klappdach öffnet und schließt sich vollautomatisch in nur 22 Sekunden. Dabei darf der Micra sogar leicht rollen - bis 5 km/h sind möglich. Keine Hebel, keine Ösen - das Betätigen des Schalters auf der Mittelkonsole ist die einzig notwendige Kraftanstrengung. Allerdings: Bei unserem Testwagen schloss das Dach vorne links nicht dicht - der Besuch in der Waschstraße sorgte regelmäßig für deutliche Wasserbahnen innen an der A-Säule.

Zwei Motoren bietet Nissan für den C+C an, beides Benziner, beide wollen Super. Der 1,6-Liter-Motor bringt es auf 81 kW/110 PS, lässt den Kaufpreis aber auch auf mindestens 21.890 Euro hochschnellen. Schuld daran ist allerdings nicht der Motor alleine - den stärkeren C+C gibt es auch nur mit einer stärkeren Ausstattung. Aber im Grunde reicht der 1,4-Liter schon. Seine 65 kW/88 PS und ein Drehmoment von 128 Nm bei 3200 U/min. bringen die 1,2 Tonnen Leergewicht in 12,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und - mit etwas Mühe - auf eine Höchstgeschwindigkeit von 174 km/h.

Wer es fixer haben will, der sollte sich ernsthaft fragen, ob er nicht gleich mehr Auto für dann allerdings auch mehr Geld haben will. Ein ausgesprochener Sparer ist aber auch der Micra C+C nicht: Der offiziellen Durchschnittsverbrauch von 6,6 Liter Super ist allenfalls Durchschnitt. Unser Testverbrauch lag rund einen Liter höher.

Ohne die ziemlich kräftige frische Briese ums Haupthaar würde sich der Fahrspaß bei dem 17.490 Euro teuren Micra in Grenzen halten. Die Lenkung ist gefühllos und mit wenig Rückmeldung von der Straße gesegnet, die Schaltung geht wenig präzise durch die Kulisse. Die Federung ist straff, aber noch durchaus passabel. In Kurven hält der leicht untersteuernde Nissan zwar durchweg brav die Spur, neigt aber deutlich zur Neigung. Zudem ist die Karosserie bei offenem Dach nicht sehr verwindungssteif. Wer sich als Cabrio-Fan mit der - nun ja: eigenwilligen - Form des Micra C+C anfreunden kann, nicht gerade über ein prall gefülltes Konto verfügt und auch nicht zu den groß Gewachsenen zählt, für den ist der kleine Japaner sicher eine Alternative. Nicht zuletzt, weil die Konkurrenten in diesem Preissegment auch nicht mehr an Platz und Qualitäten zu bieten haben. Und an gefälligerem Design genau genommen auch nicht.

Quelle: Autoplenum, 2008-06-02

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