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Testbericht

Jürgen Wolff, 25. Januar 2008
Er hat Ecken und Kanten und ist trotzdem knuffig. Vor allem, wenn es quer gestreift daherkommt, verzeiht man dem Suzuki Jimny Cabrio gerne, dass es technisch eigentlich längs in die Jahre gekommen ist.

Eigentlich müsste jetzt ein wüster Verriss folgen. Denn Fakt ist: Es geht eng zu im nicht mal 3,7 Meter kleinen Jimny. Menschen mit mehr als (körperlichem) Mittelmaß werden selten die ideale Sitzposition finden, weil sich die Sitze nicht weit genug nach hinten verstellen lassen. An eine Höhenverstellung denkt schon niemand. Oder daran, dass sich das Lenkrad irgendwie justieren ließe. Wer etwas breiter geraten ist, muss Finger quetschen, um den Gurt ein zu rasten. Ein Gurt-Sensor fehlt gleich ganz - was eine Todsünde ist in Zeiten durchgenormter EuroNCAP-Crashtests. Die Schaltung mit dem langen Rührstab erinnert an die im Ur-Jeep und hakelt mit Fleiß. Weiter. Das Fahrwerk ist hart und poltert gerne. Hinten verzögern Trommelbremsen eher mäßig. ESP steht nicht mal in der Aufpreisliste. Airbags gibt es - genau zwei, vorne links und rechts. Die Heckklappe auf zu bekommen gleicht einer Staatsaktion, weil etliche Druckknöpfe aufzustemmen und Klettverschlüsse aufzureißen sind. Und dann gibt's immer noch einen Reißverschluss. Die beiden Verdeckhälften sind nur fummelig zu öffnen und mit Kraft zu schließen. Und ... Ach, lassen wir's dabei, weil das beim Jimny nicht nur niemanden interessiert sondern eher zu seinem kultigen Charme beiträgt.

Denn trotz (oder vielleicht auch wegen) all dieser Kampfansagen an den komfortgewohnten mitteleuropäischen Autofahrer: Alle lieben Jimny. Vor allem als quergestreiftes Sondermodell "Daktari". In der US-Serie aus den 70ern, die mitten in Afrika spielte, gehörten neben dem schielenden Löwen Clarence auch die wie Zebras angemalten Jeeps zum festen Inventar.

Eine Ausfahrt im schwarz-weiß lackierte Jimny Cabrio gerät regelmäßig zum Sympathie-Trip. Kein Ferrari garantiert an der Ampel diese (positiven) Aufmerksamkeitswerte. Hochgereckte Daumen und lächelnde Gesichter sind das mindeste. Wer nach Schulschluss in der Nähe des Busbahnhofs parkt, ist noch nicht ganz ausgestiegen - und schon ist der Kleine umringt von jugendlichen Fans. "Ist der süüüüüß", ist Standard, "cool" genauso. "Was schluckt der denn?" fragt niemand. Kein Testwagen hat in den vergangenen Jahren so schnell so viele liebevolle Kosenamen abgefischt wie der Jimny. "Zebra" war noch der naheliegendste, "Streifenhörnchen" der schließlich gebräuchlichste.

Kein Zweifel: Der kleine Suzuki ist ein absoluter Sympathieträger. Ein Knuddelchen mit Allradantrieb. Und der Technik von vor zehn Jahren. Denn so lange gibt es den Jimny fast unverändert auf dem deutschen Markt. Und um immer wieder mal ein bisschen Leben in die Modellgeschichte zu zaubern, gibt es ihn regelmäßig in Sonderauflagen. Aktuell als "Camouflage" etwa in militärischen Tarnfarben, als "Rock am Ring" zu dem gleichnamigen alljährlichen Musikspektakel am Nürburgring - und eben als "Daktari".

Lästern wir noch ein wenig ab, bevor wir zu den durchaus auch vorhandenen Positivposten kommen. Innen wird am deutlichsten, wie betagt der Jimny ist: Das Plastik dort wirkt eher billig. Links und rechts gibt's reichlich unverkleidetes, in der Wagenfarbe lackiertes Metall. Ablagen gibt es kaum. Die Plastikverkleidung zwischen den Vordersitzen ist, na, sagen wir mal: wackelig. Die Starrachse hinten sorgt für ein nicht immer völlig kalkulierbares Fahrverhalten. Und mit 17.700 Euro ist der Streifen-Jimny auch nicht gerade billig. Immerhin bekommt man bei Suzuki für dieses Geld mit dem Swift Sport auch schon eine richtig moderne kleine Rennmaschine mit der Technik und dem Komfort von heute.

Aber erstens gibt es das Jimny-Cabrio ohne Streifen auch schon ab 14.800 Euro und zweitens muss man zu diesem Preis lange nach einem richtigen Offroader suchen. Denn das ist der Jimny. Der Allrad-Antrieb ist auf Knopfdruck zuschaltbar - und eine Geländereduktion. Das reicht zumindest für ein paar ruppigere Strecken abseits der Asphaltpisten. Und auch, wenn manche Teile nicht danach aussehen: Robust genug für solche Ausflüge ist der Jimny allemal. Nicht umsonst gehört er auf den Ferieninseln zur gängigen Ausstattung der Mietwagen-Fuhrparks.

Das erstaunlich laufruhige 1,3-Liter-Motörchen reicht mit seinen 63 kW/86 PS völlig aus, um den Jimny flott die Dünen hoch zu jagen und ihn im Stadtverkehr mit schwimmen zu lassen. Der knappe Wendekreis macht ihn zudem sehr handlich. Dass er 14,1 Sekunden braucht, um aus dem Stand auf Tempo 100 zu kommen, spielt für Jimny-Fans nur eine untergeordnete Rolle. Und die bescheidene Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h ebenso. Und auch, dass der Verbrauch von 7,1 Litern Super auf 100 Kilometer nicht gerade bescheiden ist, hat der Jimny mit anderen Offroadern gemeinsam - nur dass bei seinem Anblick niemand so richtig daran denken mag.

Wer es kernig mag und auf allen Wegen von demonstrativer Sympathie begleitet sein will, für den ist das "Streifenhörnchen" eine preiswerte und gute Wahl. Wer lieber flott, komfortabel und auf der Höhe der Zeit unterwegs sein will, der ist sicher mit dem gleich teuren Suzuki Swift Sport besser bedient.

Quelle: Autoplenum, 2008-01-25

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