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Testbericht

automobil-magazin.de, 19. August 2015

Der Goldene Schnitt? Cabrio und Coupé, harmonische Proportionen und Platz für vier Passagiere. Der 3,0 Liter-Diesel macht die Sache im 4er Cabrio rund – Test BMW 430d Cabrio.

Die wohl proportionierte Karosserielinie geht im BMW 4er Cabrio wie am ersten 3er Cabriolet, das 1985 auf den Markt kam, auf. Offen wie geschlossen. Mit langer Motorhaube, kurzen Überhängen und einem sich flach abduckenden Dach. Dabei glänzt das 4,64 Meter lange 430d Cabrio auch geschlossen mit Übersicht, die daraus resultiert, dass keine B-Säulen den Schulterblick verbauen. Wie im Coupé fällt der Einstiegsweg in Richtung hintere Sitzgelegenheiten enger aus. Zwar hilft die elektrische Einstiegshilfe, aber im Alltag wartet man oft nicht so lange, bis der Vordersitz nach vorne gesurrt ist, sondern man zwängt sich vorbei zwischen Sitz und Seitenscheibe, um hinten Platz zu nehmen, wo es im Vergleich zum Vorgänger, dem 3er Cabrio etwas großzügiger zugeht. Da der Radstand gewachsen ist, steht mehr Platz für die Beine zur Verfügung. Genug bis wenig, immer abhängig von der eigenen Beinlänge und der Sitzposition der vorne sitzenden.

Abhängigkeiten herrschen auch im Kofferraum. Nach den Regeln für Cabrios mit Metalldach hat sich auch das BMW 4er Cabrio zu richten. Der vom flachen und verwinkelten Stauraum bei geöffnetem Dach und der von reichlich Platz im Kofferraum bei geschlossenem Dach. Im Ergebnis kommt im 430d Cabrio ein Volumen von 220 Liter unter, wenn es als Cabriolet auftritt und ein Volumen von 370 Liter, wenn es als Coupé antritt. Die Mechanik des dreiteiligen Hardtops öffnet sich weich und leise, was aber nicht ausschließt, dass 20 Sekunden, die zum Dachschließen vergehen, zu lang sein können: In einem sich plötzlich entladenden Wolkenbruch wären wir in einem zweisitzigen Cabrio fünf Sekunden trockener geblieben. Und wo man schon am Mosern auf hohem Niveau ist: Aus steileren A-Säulen würde ein pureres Cabrio-Feeling resultieren. Die sind im viersitzigen CC (Cabrio-Coupé) allerdings wegen des längeren Passagierraums kaum machbar. Die tiefere Sitzposition im Vergleich zum 3er Cabrio sorgt allerdings dafür, dass sich offen der Wind zurückhält und bei geschlossenem Dach mehr Kopffreiheit zur Verfügung steht. Winterfest ist der geräuscharme Aufbau, der sich bis zu 18 km/h auch in Fahrt öffnen und schließen lässt, zudem. Und wenn das Dach im Winter mal geöffnet werden sollte, wärmt das dreistufig einstellbare Warmluftgebläse den vom Zug gefährdeten Nacken.

An klassischen Rundinstrumenten und dem Kontrast von hellen Ziffern auf dunklem Grund festzuhalten, erscheint auch heute noch von der Ablesbarkeit ideal. Gegen einen klassischen Handbremshebel hat auch kein Fahrdynamiker etwas einzuwenden. Auch die selbsterklärende und bei vielen BMW Modellen seit langem beibehaltene Funktionalität der Tasten rund ums Lederlenkrad beweist, dass Veränderung um der Veränderung Willen nicht immer der bessere Weg ist. Gut nachvollziehbare Evolution genießt man im 4er Cabrio daher auch am iDrive. Die Eingabe der Adressdaten geschieht per Fingerkritzeln auf dem Controller flott oder noch flotter per Spracheingabe, wobei die jede Eingabe hinterfragende Frauenstimme etwas bremst. Auch Schalten ist Genuss. Die Gänge werden mit dem Sechsgang-Handschaltgetriebe oder optional über die Achtgang-Automatik oder die Achtgang-Sportautomatik eingepflegt. Mit der lassen sich die Schaltstufen auch manuell über Schaltwippen am Lenkrad wechseln. Besonders spaßig ist das auf kurvigen Landstraßen, wenn das sehr gut abgestimmte Fahrwerk in „SPORT“ am meisten Fahrfreude bereitet. Das ist aber eher etwas für heißspornige Benziner wie den 3,0 Liter-Reichensechszylinder-Biturbo im 435i Cabrio.

In Kombination mit dem durchzugstarken 3,0 Liter-Dieselmotor im 430d Cabrio sieht man sich dank 560 Nm und 258 PS, die schon bei 1.500 und 4.000 Umdrehungen von vorne an die Hinterachse durchgereicht werden, eher selten dazu genötigt die Finger zu rühren. Im Gegenteil, es macht sogar Eindruck, wie der Automat von ZF beim Ausrollen ohne Zutun durch sensibles Herunterschalten das Fahrzeug entschleunigt. Die Kraft des Reihensechszylinders sitzt dort, wo es beim Cruisen passt. Mit beruhigender Wirkung.
Bei niedrigem Puls – Motor wie Fahrer – gleitet man durch den Wind. Geschmeidig und kraftvoll baut das sonor tönende 430d Cabrio, das trotz Übergewichtigkeit von 1.845 Kilogramm in 5,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h zappt, Leistung auf. Und das ohne seinen Halter dabei beim Verbrauch abzustrafen. Das glückt dank Start-Stop, Bremsenergie-Rückgewinnung, bedarfsgerecht gesteuerter Nebenaggregate und der beim Rollen aktivierten Segelfunktion. Ein Verbrauch von 7,2 Liter Diesel im Test macht den Goldenen Schnitt, nachdem der Grundpreis von 56.600 Euro verdaut ist, nahezu perfekt. Viel Kraft, wenig Saft. Wer glaubt mit einem gleich kräftigen Benzinmotor könnte das genauso gelingen, den bestraft spätestens beim nächsten Tanken das Leben mit einem garantiert höheren Betrag auf der Tankquittung. (Lothar Erfert)





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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: automobilmagazin, 2015-08-19

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