VCD fordert rasche Einführung des neuen WLTP-Testverfahrens

Testbericht
Mit den Zahlen auf Papier kann die Europäische Umweltagentur erneut vermelden, dass der durchschnittliche CO2-Ausstoß von neuen Pkw sinkt. Für das vergangene Jahr beträgt die Reduktion fast vier Prozent, auf durchschnittlich 127 Gramm CO2 pro Kilometer. Damit liegt der offizielle CO2-Ausstoß der EU-Neuwagenflotte bereits jetzt unter dem ab 2015 geltenden CO2-Grenzwert von 130 g/km. Im Grunde eine begrüßenswerte Emissionsreduzierung. Doch der ökologische Verkehrsclub VCD weist mit aller Deutlichkeit darauf hin, dass die offiziellen Herstellerangaben der Realität nicht standhalten.
Verschiedene Untersuchungen, unter anderem vom International Council for Clean Transportation (ICCT), zeigen, dass die tatsächlich erzielten Verbräuche um rund 25 Prozent über den offiziellen Angaben liegen und dass die Abweichungen in den letzten Jahren sogar noch zugenommen haben. Hauptgrund für die Abweichungen ist das derzeit geltende Testverfahren zur Ermittlung der Kraftstoffverbräuche und CO2-Emissionen. Herstellern bietet es eine Vielzahl von Schlupflöchern und Interpretierungsspielräume, so dass mit gezielten Tricks der Verbrauch geschönt werden kann.
Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik beim VCD: „Die CO2-Grenzwerte sind eines der effektivsten Instrumente, um den CO2-Ausstoß und somit auch den Verbrauch von Neuwagen zu verringern. Doch sie müssen auch realistisch eingehalten werden und nicht nur auf dem Papier. Das nicht mehr zeitgemäße Testverfahren konterkariert alle Bemühungen im Interesse des Klimaschutzes und von Millionen von Autofahrern und Autofahrerinnen. Einziger Nutznießer ist die Autoindustrie, die an Investitionen für technische Verbesserungen spart." So müssen Verbraucher weiterhin deutlich mehr an der Tankstelle zahlen und dem Staat entgehen entscheidende Einnahmen aus der Kfz-Steuer, da sich diese am CO2-Aussstoß orientiert.
Dabei werden derzeit die letzten Details für ein moderneres, realitätsnäheres Testverfahren entwickelt - das sogenannte WLTP (World-Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure) - welches aktuelle Fahrsituationen besser abbildet. Die EU-Kommission plant, dieses ab 2017 einzuführen, und das Europaparlament hat die Einführung ebenfalls mit großer Mehrheit befürwortet. Nur die Fahrzeughersteller versuchen den Einführungstermin auf die Zeit nach 2021 zu verschieben und zeigen erneut, wie wenig sie im Interesse ihrer Kunden handeln. Michael Müller-Görnert: „Die Hersteller tricksen, allein um ihre Profite zu sichern. Die Politik darf sich dem nicht länger beugen. Sie muss alles dafür tun, dass das neue Testverfahren zügig abgeschlossen und eingeführt werden kann." (dpp-AutoReporter)




























