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Testbericht

Stefan Grundhoff, 6. Januar 2020

Was in unseren Breiten der VW Golf GTI ist den Amerikanern ihr Jetta GLI. Das Huckepackmodell ist aus Europa mittlerweile verschwunden, hat in den USA seit den 80er Jahren jedoch einen überaus sportlichen Ruf.

Jetta GLI? Kennt in unseren Breiten allenfalls jemand, der sich in den bunten 80ern für sportliche Limousinen außerhalb der Oberklasse begeistern konnte. Damals stellte Volkswagen dem Golf die Stufenversion des alles andere als sportlichen Jetta zur Seite. Der Rucksack-Golf galt in unseren Breiten beinahe so langweilig wie der kleinere Derby und war ein müdes Fahrzeug für solche Hutträger, die es nicht einmal zu einem Passat geschafft hatten. Daran änderte auch die später nachgeschobene Sportversion des VW Jetta GLI bzw. Jetta GTX nichts. Der Jetta behielt sein Image obschon er über die Jahre allemal ansehnlicher wurde. In den USA war das Image des VW Jetta derweil ein völlig anderes. Während der Golf hier der kantige Nachfolger des rundlich-geliebten Käfers war, wurde der Jetta von den Amerikanern als eigenständiges Modell wahrgenommen, dem allemal sportliche Attribute zugestanden wurden. Mehr denn je galt dies für das Topmodell namens VW Jetta GLI, wie in seiner Heimat Deutschland mit dem gleichen Antrieb unterwegs wie der Golf GTI.

Das hat sich bei der neuesten Generation nicht geändert. Zwar sind auch die Amerikaner mittlerweile auf den Geschmack von Golf GTI und Golf R gekommen, doch im Herzen stehen viele auf den Jetta, der weder als normales Modell noch als Sportversion in Europa zu bekommen ist. Dabei spricht in der US-Öffentlichkeit kaum jemand über den Jetta, sondern in Restaurants oder beim Parken fällt nur der Begriff "small Volkswagen". Bis der Jetta GLI einem vom Valet Service gebracht wird, kann es dabei schon einmal etwas länger dauern. Das hat seinen Grund, denn anders als die anderen Volkswagen-Modelle ist die Stufenhecklimousine als GLI-Spaßmacher nicht nur mit einem automatisierten Getriebe, sondern auch als Handschaltung bekommen. "Sorry, dass die warten müssen, aber wir müssen erst jemanden finden, der den small red Volkswagen fahren kann", lächelt die charmante Valet-Dame vor dem Hotel in Downtown Miami, "der hat ja Sticksthift."

Was in unseren Breiten seltsam anmutet, ist in den USA an der Tagesordnung. Die Autos jeder Klasse sind obligatorisch mit einem automatisierten Getriebe und hierbei zumeist einer Wandlerautomatik unterwegs. Allein absolute Sportmodelle wie ein Porsche 911 oder ein BMW M3 / M4 gibt es auf besonderen Wunsch mit einer Handschaltung. Kaum eine Fahrschule bringt dem automobilen Nachwuchs bei, wie man gekonnt mit dem Gangwechsel im gekonnten Zusammenspiel mit Kupplung und Handschaltung umgeht. Gerade deshalb ist der 4,70 Meter lange VW Jetta GLI nicht nur mit einer Doppelkupplung, sondern als Basisversion auch mit Handschaltung zu bekommen. Gerad er gilt in den USA als echte Sportskanone.

Und der zwei Liter große Turbo-Direkteinspritzer, mit dem der rote VW Jetta GLI ausgestattet ist, präsentiert sich mit Stickshift als echte Glanzbesetzung. Was früher das normalste der Welt war, macht heute echte Laune. Mit den bis zu 350 Nm maximalem Drehmoment lassen sich die Gänge launig und ambitioniert ausdrehen. Ob man dabei im angewählten Sportprogramm unterwegs sein muss, wo der allemal sonore Motorklang noch von einem bassigen Soundaktuator akustisch unterstützt wird, ist Geschmackssache. Den meisten Kunden, die sich für ein solches Modell interessieren, wird es wohl gefallen. Doch der Klang wirkt allzu künstlich und passt an sich schon gar nicht zu einem Modell, das einem die Sportlichkeit sonst nicht nur vorgaukelt.

Wer mächtig Gas gibt, spürt in der Lenkung nicht nur beim launigen Ampelstart die Antriebskräfte. Natürlich wäre man mit einem intelligenten Allradantrieb in der 230-PS-Liga besser unterwegs, doch durchdrehende Räder, eine sportliche Kupplung und ausdrehende Gänge bis an die 6.000-Touren-Marke - das passt irgendwie alles perfekt zusammen. Dass die Fahrleistungen des 1,5 Tonnen schweren Fronttrieblers klasse sind, überraschend dabei nicht. Der aufgeladene Vierzylinder leistet mehr als muntere 168 kW / 228 PS und ein maximales Drehmoment von 350 Nm. Aus dem Stand geht es so in kaum mehr als sechs Sekunden auf dem Tempo 100 und wären da nicht die wenig sportlichen US-Reifen, würde der Jetta GLI lässig 250 km/h Spitze laufen. Bei aller Dynamik ist der sportlichste aller Jettas dabei gerade im Vergleich zu einigen seiner Konkurrenten aus Asien und den USA kein Trinker. In der Realität gibt es sich mit knapp acht Litern Superkraftstoff auf 100 Kilometern zufrieden.

Genauso wenig meckern kann man über das Fahrwerk, das im Verhältnis zum normalen Jetta einen Zentimeter tiefer ist. Zudem rollt der GLI auf 18-Zöllern im Format 225 / 45. Lenkung und die Abstimmung von Federn sowie Dämpfern ist sportlich und zugegeben straff, aber nicht zu hart. Gerade durch die verbauten Reifen hat der Viertürer im Grenzbereich eine Neigung deutlich zu untersteuern und große Querfugen schlagen nicht allein im Sportmodus auf die Insassen durch. Die haben neben dem mehr als ordentlichen Platzangebot jedoch einen ebenso sehenswerten wie angenehmen Aufenthalt, denn sowohl vorne als auch hinten lässt es sich im Jetta GLI gut aushalten. Auf der Beifahrerseite fehlt eine dringend benötigte Sitzhöhenverstellung, doch sonst sind die Sportsitze - wahlweise mit Leder oder Stoff bespannt - sehr bequem und mit gutem Seitenhalt ausgestattet. Auf Wunsch gibt es nicht nur eine Sitzheizung, sondern auch eine Sitzkühlung, die jedoch selbst in der höchsten Stufe nahezu wirkungslos ist.

Wie die anderen Jetta-Modelle ist auch der VW Jetta GLI mit einem einfachen Bedien- und Anzeigekonzept unterwegs. Nicht gerade übersichtlich präsentiert sich dabei das komplett animierte 10,25-Zoll-Cockpit, bei dem man sich die Informationen ins Zentrum holen kann, die einem besonders wichtig sind. Besser ist das acht Zoll große Multifunktionsdisplay in der Mitte der Armaturentafel, das im Normalpaket jedoch auf ein Navigationssystem verzichtet und darauf wartet, dass man sein Mobiltelefon damit verzahnt, um ans Ziel zu kommen. Die Bedienung auf der Glasoberfläche ist intuitiv und problemlos. Über eine App ist der Fahrer jederzeit mit seinem Auto verbunden und kann kontrollieren, ob Türen oder Schiebedach geschlossen sind oder wie groß die Restreichweite ist. Wenn der Klang des Vierzylinder-Turbos einmal nicht ausreichen sollte, sorgt ein 400-Watt-Verstärker für den gewünschten Nachdruck im Innenraum; WLan gibt es ebenfalls.

So viel Sportlichkeit, Platz und Alltagsnutzen gibt es zu einem überaus konkurrenzfähigen Preis, denn mit einer guten Basisausstattung startet der Rücksack-GTI für gerade einmal 26.245 Dollar. Selbst die komplett ausgestattete Autobahn-Edition kostet mit klimatisierten Ledersitzen, Soundsystem und allerlei Zierrat kaum mehr als 29.000 Dollar. Kein Wunder, dass die Amerikaner den VW Jetta GLI ins Herz geschlossen haben. Und in dieser Klasse ist eine Handschaltung sonst kaum zu bekommen. Für knapp 19.000 Dollar gibt es bereits das knapp 150 PS starke Basismodelle des VW Jetta, das neben einem guten Platzangebot, überschaubaren 400 Litern Laderaum bereits eine ordentliche Basisausstattung mit LED-Scheinwerfern, 16-Zoll-Alufelgen, Rückfahrkamera und einem Multifunktionsbildschirm bietet.

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Technische Daten
Antrieb:Front
Getriebe:Sechsgang-Handschaltung
Motor Bauart:Vierzylinder Turbo
Hubraum:1968
Preis
Neupreis: - € (Stand: 2020-01-06)
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2020-01-06

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