Ratgeber: Reifen richtig lesen - Was die Pneus so alles erzählen

Testbericht
SP-X/Köln. Wer seine Reifen aufmerksam betrachtet, wundert sich vielleicht über die Buchstaben- und Zahlenfolgen auf den Seitenwänden der Pneus. Aber was bedeuten sie und was bringt es, sie entziffern zu können?Bei einem Blick auf die Flanke fallen zunächst der Name des Reifenherstellers sowie der des Pneus auf. Beide sind normalerweise gut leserlich. Ebenfalls groß aufgedruckt ist eine Zahlen-Buchstaben-Kombination wie zum Beispiel „205/55 R16 94 V“. Diese Angaben geben über Größe, Bauart und Belastbarkeit der Reifen Auskunft.So zeigt die erste, dreistellige Zahl die Reifenbreite in Millimetern (205) an, die zweite hinter dem Schrägstrich benennt das Verhältnis von Höhe zu Breite (55). „R“ steht für Radialreifen. Heute kommen fast ausschließlich solche zum Einsatz, sie haben die bis in die 80er Jahre üblichen Diagonalreifen abgelöst. Als nächstes folgt der Felgendurchmesser in Zoll (16).Weiterhin gibt es einen Hinweis zum Lastindex, also die Kennziffer des Maximalgewichts, das der Reifen tragen darf. Reifen mit besonders hoher Tragfähigkeit haben im Zusatz noch rf (reinforced) oder XL (extra load). Die Ziffern sind für den Laien nicht auf den ersten Blick verständlich. Im Internet lassen sich aber leicht Tabellen mit Angaben zum Lastindex finden. Die Ziffern „ 94“ entsprechen zum Beispiel einer Tragfähigkeit von 670 Kilogramm.Die zugelassene Höchstgeschwindigkeit eines Reifens wird in Buchstaben angegeben. Gebräuchlich sind R (170 km/h), S (180 km/h), T (190 km/h), H (210 km/h), V (240 km/h) und W (270 km/h). Fahrzeuge müssen gemäß ihrer Höchstgeschwindigkeit passend bereift sein. Ein Fahrzeug, das ein Spitzentempo von 240 km/h erreicht, muss also mindestens Reifen mit V-Kennung aufgezogen haben. Für Winterreifen gilt jedoch eine Ausnahme. Ihre zulässige Höchstgeschwindigkeit darf auch unter der des Fahrzeugs liegen. Dann muss allerdings ein Aufkleber in Sicht des Fahrers zum Beispiel am Armaturenbrett angebracht werden, um ihn an die geringere Geschwindigkeitsfreigabe der Winterreifen zu erinnern.Das Verstehen der reifenspezifischen Codes bringt zum Beispiel bei einer Begutachtung eines Gebrauchtwagens Vorteile. Kaufinteressenten können mittels der Zulassungsbescheinigung Teil 1 nachschauen, ob das Fahrzeug korrekt bereift ist. Der Lastindex ist dort ebenso vermerkt wie die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Beträgt der Lastindex zum Beispiel 94, müssen natürlich auch Reifen mit mindestens entsprechender Tragfähigkeit montiert sein. Der in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 angegebene Wert darf nicht unterschritten werden.Ob dem Fahrzeug Reifen in der richtigen Dimension aufgezogen wurden, lässt sich leider nicht so schnell verifizieren. Bei Fahrzeugen bis 2003 ist es vergleichsweise einfach. Hier wurden noch im Fahrzeugschein alle zulässigen Größen gelistet. Seit der Umstellung auf die Zulassungsbescheinigung Teil 1 wird nur noch eine Reifengröße genannt. Die übrigen erlaubten Dimensionen werden nur noch im sogenannten „Certificate of Conformity“ (COC-Papier) aufgeführt, der EU Übereinstimmungsbescheinigung. Diese erhält man beim Fahrzeugkauf oder nachträglich vom Hersteller oder Reifenhändler. Auch die Prüforganisationen geben Auskunft über die Zulässigkeit von Rad-/Reifenkombination. Grundsätzlich müssen die montierten Reifen mit den eingetragenen und damit zugelassenen Größen übereinstimmen, ansonsten kann die Betriebserlaubnis erlöschen.Am besten man überprüft jeden einzelnen Reifen seines Fahrzeugs. Bei dieser Begutachtung kann man noch eine weitere wichtige Eigenschaft des Pneus herausfinden: sein Alter. Es lässt sich anhand der DOT-Kennung verifizieren. „DOT“ steht für „Department of Transportation“; diese Abkürzung für die amerikanische Transportbehörde hat sich in Verbindung mit einer vierstelligen Ziffernfolge als Standard für die Altersangabe durchgesetzt.Die DOT-Angabe findet sich ebenfalls an der Flanke, manchmal ist sie auf Innen- und Außenseite vermerkt, manchmal nur auf der Innenseite. Die beiden ersten Zahlen stehen für die Produktionswoche, die zwei hinteren für das Jahr. So bedeutet 1816, dass der Reifen in der 18. Kalenderwoche des Jahres 2016 hergestellt wurde. Vor dem Jahr 2000 produzierte Reifen tragen eine dreistellige DOT-Nummer. Die Zahlen „186“ stehen dann für die 18. Kalenderwoche des Jahres 1996.Der Reifen erzählt aber noch mehr von sich. Winterreifen erkennt man etwa am Schneeflockensymbol. Seit 1. Januar 2018 müssen alle in Deutschland verkauften Winter- und Ganzjahresreifen dieses Symbol tragen, um den Winterregeln der StVO zu genügen. Winterreifen, die bis zum 31. Dezember 2017 hergestellt wurden, können aber noch bis Ende September 2024 genutzt werden. Hier reicht die Kennzeichnung „M+S“ (für: mud + snow = Matsch + Schnee) auf der Reifenflanke als Nachweis der Wintertauglichkeit.Die Reifen am Auto werden zu häufig kaum beachtet. Wer ab und zu mal den Reifendruck prüft, ist schon ganz vorne dabei. Dabei erzählen Pneus ganz viel über sich, man muss sie zu lesen wissen.
Die Reifen am Auto werden zu häufig kaum beachtet. Wer ab und zu mal den Reifendruck prüft, ist schon ganz vorne dabei. Dabei erzählen Pneus ganz viel über sich, man muss sie zu lesen wissen.



























