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Testbericht

Peter Eck/SP-X, 28. Januar 2021
P-X/Köln. Jetzt ist er wieder da: Mitte 2018 hatte Opel die leistungsstärkste Insgnia-Version, traditionell GSi geheißen, vom Markt genommen. Im Herbst 2020 kehrte sie nach zweieinhalb Jahren wieder zurück. Und stand vor einigen Tagen als Testwagen in der Kombi-Version „Sports Tourer“ vor unserer Tür. Falls sich jemand in der Redaktion allerdings auf heiße 260 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment gefreut hatte: Nee, ist nicht mehr. Der Rüsselsheimer erhielt einen neuen 2,0-Liter-Motor, der sich mit 30 PS und 50 Newtonmeter weniger begnügen muss. Dazu später mehr, es sei aber bereits gesagt: Die wenigen Wettbewerber außerhalb des Premium-Segments im Mittelklassebereich bieten noch weniger: Konzernschwester Peugeot offeriert den 508 SW zwar mit fast gleichviel Leistung (225 PS), die aber nur aus 1,6 Litern Hubraum geschöpft werden, beim französischen Konkurrenten Renault sind es ebenfalls 225 PS, dort aber aus einem 1,8-Liter. Es kommt also darauf an, mit welchem Autos man den Insignia vergleichen will. Zum Vorgänger fehlt einiges an Power, im aktuellen Wettbewerb steht der Opel gut da.Weiterer Unterschied zum alten GSi: Der Allradantrieb ist jetzt nicht mehr permanent tätig, die Hinterachse muss per Knopfdruck zugeschaltet werden. Dort arbeiten zwei Kupplungen anstelle eines konventionellen Differentials, was den Einsatz von Torque Vectoring erlaubt, also einer der jeweiligen Fahrsituation angepassten Verteilung des Drehmoments ans linke und rechte Hinterrad. Davon merkt man als Fahrer natürlich nichts, allerdings lässt sich der Insignia schon bemerkenswert agil durch Kurven lenken. In vielen Fällen, etwa in der Stadt oder auf längeren Autobahnstrecken und trockener Fahrbahn fährt man aber auch mit reinem Vorderradantrieb sicher – und spart pro 100 Kilometer ein paar Zehntelliterchen Sprit ein. Der Realverbrauch von knapp 10 Litern über zwei Testwochen – trotz keinesfalls „wilder“ Fahrweise – ist allerdings kein Ruhmesblatt.Zumal der GSI im Vergleich zum Vorgänger deutlich an Sportlichkeit eingebüßt hat, Fahrer mit Vorliebe für eine etwas direkteren, ja auch ungehobelteren Antritt werden dem alten Modell hinterhertrauern. Zudem geht dem Zweiliter-Benziner in den höheren 3.000er-Drehzahlen langsam die Luft aus und es wird - auf hohem Niveau - etwas zäher. Im Alltag ist der aktuelle Insignia allerdings das bessere, weil unstressigere Auto.   Das liegt auch am auf dem Nürburgring abgestimmten, mechatronischen Flex-Ride-Fahrwerk, das serienmäßig vorhanden ist. Es arbeitet mit vier Einstellungen (Standard, Tour, Sport und Competition) und passt Stoßdämpfer und Lenkung entsprechend an. Auch die Gaspedalkennlinie und die Schaltpunkte des Getriebes werden mit einbezogen. Wir nutzten überwiegend die Standard-Einstellung und auf der Autobahn „Sport“ – und waren mit der Spreizung mehr als zufrieden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil das Neunstufen-Automatikgetriebe zwar nicht allzu schnell, aber letztlich doch aufmerksam arbeitet, so dass man nach anfänglichem Rumspielen auf manuelle Gangwechsel über die Lenkradwippen schnell verzichtet. Der Insiginia GSi verzögert dank der – netterweise rot lackierten und damit gut sichtbaren – Brembo-Vierkolbenbremsen ausgezeichnet und lässt auch nach mehrmaligen starken Bremsungen nicht fühlbar nach. Für eine dynamischere Frontoptik legten die Designer zudem noch den Kühlergrill mit Wabengitter, eine neu gestaltete Stoßstange und auffällige, aber nicht unbedingt schöne Lufteinlass-Blenden nach. Nicht zu vergessen steht der Kombi auf 20-Zöllern, auf die Michelin-Sportreifen im Format 245/35 aufgezogen sind. Das lässt in puncto Komfort nicht unbedingt das Beste erahnen, aber ganz im Gegenteil überrascht der Opel zumindest im „Standard“- und im „Tour“-Modus mit einer ausgewogenen, von ungebührlichen Härten gänzlich freien, aber trotzdem auch dynamischen Gangart. Eine kleine Meisterleistung der Opel-Ingenieure, mit der man sich auch von den französischen Wettbewerben deutlich absetzt. Ein Sportwagen ist der Insignia GSi also keinesfalls geworden, genauer gesagt ist er sogar weniger Sport-Wagen als zuvor. Dafür ist er ein ganz ausgezeichnetes, alltagstaugliches Auto, nicht nur beim Antrieb. Zunächst einmal ist er mit fast 5 Metern derart lang, dass er eigentlich gar nicht mehr in die Mittelklasse passt. Zum Vergleich: Die Kombi-Version der Mercedes C-Klasse, das Mittelklasse-Modell der Schwaben, misst gerade mal 4,70 Meter und selbst die ein Segment höher angesiedelte E-Klasse ist noch 4 Zentimeter kürzer.Das hat natürlich Folgen; der Insignia ist mit dieser Länge und seiner mit Außenspiegeln knapp 2,10 Metern Breite alles andere als handlich in der Stadt, etwa im Parkhaus. Auch der Wendekreis fällt mit 11,74 Metern nicht gerade knapp aus. Andererseits ist der letzte Opel auf einer GM-Plattform auch ein großzügiges Auto, optisch und was die Platzverhältnisse vorne und hinten angeht. Hinzu kommt ein gut beladbarer Kofferraum, der 560 Liter Raum für Gepäck bietet. Und fährt man nur zu zweit in den Urlaub oder hat mal einen Umzug zu bewältigen, steht nach dem Umlegen im Verhältnis 40:20:40 teilbaren Rücksitze bis zu 1.665 Liter Stauvolumen zur Verfügung. Da lässt sich die nur durchschnittliche Materialqualität im Innenraum – bei allerdings bester Verarbeitung – und das etwas angestaubte Infotainment- und Navi-System mit einem nur 8 Zoll großen Bildschirm verkraften. Der Insignia ist ein in jeder Hinsicht stattliches Auto, in dieser Version zudem sehr schnell und mit knapp 51.000 Euro zwar nicht gerade billig, aber auch von Haus aus sehr gut ausgestattet. Unter anderem sind Matrix-LED-Leuchten mit 84 Segmenten pro Scheinwerfer, ein schlüsselloses Zugangssystem, diverse Assistenten, AGR-Sportsitze, Klimaautomatik und das Navigationssystem schon an Bord. Wer noch etwas Geld übrig hat, dem empfehlen wir für 1.350 Euro das Paket aus Head-up-Display und adaptiver Geschwindigkeitsregelung – und für weitere 1.030 Euro gibt es ein Paket mit Rückfahrkamera, Spurwechsel-, Rückfahr- und Toter-Winkel-Assistent.Der Opel Insignia dieser Generation kommt als GSi reichlich spät, die Baureihe insgesamt wird wohl in zwei bis drei Jahren in Rente gehen. Der nächste Insignia wird ein Schwestermodell des Peugeot 508. Wer also den letzten „echten“ Opel in einer besonders sportiven Variante fahren möchte, dem sei der GSi empfohlen. Es gibt ihn übrigens auch in der Limousinen-Version „Grand Sport“, praktischer und optisch gefälliger ist allerdings der rund 1.200 Euro teurere Kombi „Sports Tourer“.Opel Insignia 2.0 GSi 4x4 – Technische Daten:Fünftüriger, fünfsitziger Kombi der Mittelklasse; Länge: 4,99 Meter, Breite: 1,94 Meter (mit Außenspiegeln: 2,09 Meter), Höhe: 1,49 Meter, Radstand: 2,83 Meter, Kofferraumvolumen: 560 – 1.665 Liter2,0-Liter-Turbobenziner, 169 kW/230 PS, maximales Drehmoment: 350 Nm bei 1.500 – 4.000 U/min, Neungang-Automatik, zuschaltbarer Allradantrieb, 0-100 km/h: 7,6 s, Vmax: 235 km/h, Normverbrauch (WLTP): 8,5 – 8,7 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 193 – 198 g/km, Abgasnorm: Euro 6d, Effizienzklasse: C, Testverbrauch: 9,8 Liter/100 KilometerPreis: 50.975 EuroKurzcharakteristik:Warum: im Wettbewerbsvergleich komfortabel, viel PS und Ausstattung fürs GeldWarum nicht: kein Sport-Kombi, Infotainment leicht angestaubt, hoher VerbrauchWas sonst: Peugeot 508 SW PureTech 225, Renault Talisman Grandtour TCe 225Seit letztem Jahr hat Opel für den Insignia wieder eine echte Top-Motorisierung im Angebot. Einerseits. Andererseits zeigt sich der GSi im Vergleich zu seinem Vorgänger deutlich zahmer. Was aber nicht unbedingt ein Nachteil ist.
Fazit
Seit letztem Jahr hat Opel für den Insignia wieder eine echte Top-Motorisierung im Angebot. Einerseits. Andererseits zeigt sich der GSi im Vergleich zu seinem Vorgänger deutlich zahmer. Was aber nicht unbedingt ein Nachteil ist.

Quelle: Autoplenum, 2021-01-28

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