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automobilmagazin, 2015-08-20

ZF Smart Urban Vehicle im Fahrbericht: Handlingwunder

Testbericht

automobil-magazin.de


Von wegen ferne Zukunft: Der Prototyp des ZF Stadtautos, das Smart Urban Vehicle, offenbart zum 100-jährigen Jubiläum des Zulieferers aus Friedrichshafen bei der ersten Ausfahrt schon heute, wo es in Zukunft lang geht – Fahrbericht ZF Smart Urban Vehicle.

Das Smart Urban Vehicle rollt langsam heran, fährt ein paar Meter voran und entert dann eine vier Meter enge Lücke lässig in einem einzigen Zug. „Phantastischer Fahrer“, denke ich und dann erblicke ich den Mann. Außerhalb des Fahrzeugs stehend und an der Smartwatch herumfingernd. Keiner im Auto. Das Fahrzeug fährt fahrerlos. Darauf lenkt man es mal selbst: mit dem iPad. Erste Annahme über die Zukunft: Zum Parken muss man offensichtlich nicht mehr am Lenkrad sitzen – praktisch für Autofahrer, die das Einparken ungefähr so lieb haben wie Reifenkontrollieren.

2015: ZF + TRW
Nach einem Jahrhundert präsentiert sich der Zulieferer vom Bodensee nicht mehr als Zahnradfabrik oder Luftfahrttechnikschmiede, sondern als Weltkonzern, der sich das größte Geschenk zum Geburtstag selbst gemacht hat: Am 15. Mai 2015 übernahm ZF den Zulieferer TRW Automotive und stieg damit selbst zum drittgrößten Autozulieferer auf. Standorte weltweit: 230. Umsatzvolumen: über 30 Milliarden Euro. Mitarbeiterzahl: mehr als 134.000.

Trendsetter Smart Urban Vehicle?
Drei Megatrends der Autozukunft zeichnen sich schon ab: Sicherheit, Effizienz und automatisiertes Fahren. Die kommen im ZF Konzeptfahrzeug schon jetzt bei einer ersten kurzen Testfahrt auf dem Testgelände in Linthe, südlich von Berlin, zum Zuge. Der Datenspeicher Cloud sorgt für mehr Sicherheit, der Elektroantrieb für Effizienz und zwölf Ultraschallsensoren und zwei Infrarotsensoren an Front, Flanke und Heck ermöglichen automatisiertes und fahrerloses Fahren. Das macht nicht nur Stadtbewohner glücklich, sondern die ganze Stadt. Dr. Harald Naunheimer, Leiter der ZF Forschung und Entwicklung nennt die Gründe: „Wenn Pkw in Zukunft fahrerlos einparken, können auch die Parkflächen effektiver genutzt werden. Denn die Türöffnungswinkel müssten dann im Parkhaus nicht mehr berücksichtigt werden“. Effekt: Die Parkplätze würden kleiner und ihre Anzahl damit wahrscheinlich zunehmen – Parkmöglichkeiten im Stadtzentrum für alle?

Megatrendig & megawendig
Das Herzstück des Prototyps bildet das „eTB“. Dies steht für „electric Twist Beam“, einen radnahen, rein elektrischen Hinterachsantrieb bei dem an beiden Rädern je eine kompakte 40 Kilowatt-Elektromotoreinheit sitzt, die den Kleinen maximal 150 km/h rennen lässt und mit der Maximaldrehzahl 21.000 U/min ordentlich Beine macht. Weil der Antrieb hinten sitzt und weil zwei Querlenker, die durch einen sichelförmigen Radträger verbunden sind, die McPherson-Radaufhängung ersetzen, haben die Räder deutlich mehr Platz im vorderen Radkasten. Das Resultat ist ein maximaler Radeinschlagwinkel von 75 Grad und extreme Wendigkeit – man dreht fast auf der Stelle, vom Gefühl.

Der Vordermann lenkt mein Auto
Bei jeder Fahrt sammelt das High-Tech-Stadtauto, das lediglich optisch mit der Opel Agila-Karosserie seine Zukunft schon hinter sich hat, Daten zur Position, Geschwindigkeit und Quer- und Längsbeschleunigung. Aus diesem Datenmaterial aus der Cloud sowie vorab gespeicherten GPS-Karten werden die kommenden Meter vorausberechnet. Das kann sich im Eco-Modus, weil das System in die eigene Fahrt eingreift, eigenartig anfühlen. Und zwar dann, wenn man die gleiche Strecke – hier ein kurzer Testparcours – ein zweites Mal abfährt. Geht man die Strecke jetzt zu flott an, bremst das Fahrzeug, bis die Geschwindigkeit erreicht ist, um die nächste Kurve ohne mechanisches Bremsen und nur mit Rekuperation zu durchfahren, selbstständig ab – ungewohnt für selbstständig agierende Fahrer. Und es kommt noch dicker: Das Smart Urban Vehicle zieht auf unbekannten Strecken auch die Erfahrungen von mit dem Fahrzeug vernetzten anderen Autos, welche die gleiche Strecke zuvor selbst zurückgelegt haben, mit ein. Das heißt: Der Vordermann lenkt mein Auto mit.

Smart Urban Vehicle auf der IAA
Die 1,6 Milliarden Euro, die ZF im Jahr 2014 in Forschung und Entwicklung investiert hat, erhalten im September eine doppelte Bühne. Der Jubiläumsfestakt zum Hundertsten geht in Friedrichshafen am 9. September, dem Tag an dem anno 1915 die „Zahnradfabrik GmbH“ ins Handelsregister des Amtsgerichts Tettnang eingetragen wurde, über die Bühne und die IAA 2015 vom 17. bis zum 27. September in Frankfurt, wo ZFs Stadtauto der Zukunft der Öffentlichkeit präsentiert wird – von wegen ferne Zukunft. (Lothar Erfert)

Quelle: automobilmagazin, 2015-08-20
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