Da ich den Duratec von Ford als haltbar und unproblematisch sehr schätze und diesen jahrelang in einem Ford Mondeo III gefahren habe, der Wagen jedoch wegen Rost weichen musste, habe ich mich vor rund einem halben Jahr wieder für einen Ford entschieden. Dieses Mal insgesamt eine Nummer kleiner, sprich einen Ford Focus II (Turnier) Facelift, Bj. 2009, 1,8l Duratec HE (Sauger mit Steuerkette), 125 PS, Editionsmodell Sport.
Motorseitig bin ich nach wie vor zufrieden. 125 PS sind i. d. R. vollkommen ausreichend. Mit 7,5 bis 8 Liter Super E5 pro 100 km natürlich kein Sparwunder, dafür aber selbst in einem relativ schlecht gepflegten Exemplar mit 5 Vorbesitzern, AHK und 185 Tkm Laufleistung immer noch recht spritzig. Generell fährt sich der Focus, trotz Kombiaufbau, sehr viel agiler als der Mondeo. Die Lenkung ist präzise, das Fahrwerk Ford-typisch gut ausbalanciert zwischen straff und komfortabel und das Handling insgesamt relativ dynamisch. Die Frontsitze sind okay, jedoch nicht so bequem wie im Mondeo und dürften gerne etwas breiter sein. Zudem gibt es beim "Sport" keine eFH im Fond, warum auch immer.
Leider gibt es beim Focus einige Dinge, die ich alles andere als gut finde. Und dummerweise waren mir diese beim Kauf nicht bewusst:
1. Innenraumfilter
Dieser verbirgt sich fahrerseitig ganz hinten in der Konsole des Fußraums. Um ihn wechseln zu können, muss das Gaspedal ausgebaut werden! Und selbst das entpuppt sich als schwierig, sofern man relativ ungelenkig ist, wie ich. Letztendlich habe ich es ohne Hebebühne bislang nicht geschafft, an die entsprechenden Schrauben heranzukommen.
2. Heckklappe
Die hintere Heckklappe ist so designt, dass sie eine Art Mulde hat, in der nach Regen oder einer Autowäsche gerne Wasser steht. Wenn dieses im Winter gefriert, bildet das Eis eine Art Keil über die gesamte Breite, sodass sich die Heckklappe nicht mehr öffnen lässt. Soweit ich das sehe, wären Abläufe die einzige Lösung, jedoch gibt es diese werksseitig nicht.
3.Tankdeckel
Ein konventioneller Tankverschluss fehlt bei meinem Modell. Darüber hinaus wird die äußere Tankklappe nicht von der Zentralverriegelung eingeschlossen. Das bedeutet, dass der Tankstutzen jederzeit frei zugänglich ist. Wer will, kann also bei Bedarf irgendwas hineinkippen oder entnehmen. Ford nennt das ganze "Easy Fuel". Was der Vorteil daran sein soll, erschließt sich mir nicht.
4. Power Button
Da wo sonst das Zündschloss sitzt, hat Ford dem Modell Sport einen einfachen Blindstopfen spendiert. Stattdessen wurde in der Mittekonsole ein Schalter zum Starten und Abstellen des Motors installiert. Dies hat zur Folge, dass es offensichtlich nur noch zwei Schalterstellungen gibt, statt drei wie bei einem herkömmlichen Zündschloss. In der Praxis bedeutet dies, dass man z. B. die volle Cockpitbeleuchtung inklusive Lüftung etc. genießt, sobald man bei abgestelltem Motor Musik hören möchte. Und da man den Kfz-Schlüssel bwz. Handsender eh für das Auf- und Abschließen benutzen muss, ist das Ganze praktisch nur ein fragwürdiges Gimmick ohne wirklichen Mehrwert.
5. Klimaanlage/Lüftung/Heizung
In allen Autos, die ich bisher hatte, stand die Innenraumlüftung i. d. R. auf Richtung Frontscheibe. Macht man dies im Focus, hat das zur Folge, dass automatisch die Klimanlage eingeschaltet wird, ungeachtet der Außentemperatur! Da es keine Klimaautomatik ist, erkennt man diesen Umstand zunächst nur an einer winzigen LED. Ebenfalls automatisch erfolgt das Einschalten der Scheibenheizung für Front und Heck, und zwar unmittelbar nach dem Motorstart, sofern es entsprechend kalt ist (ich glaube <= 0 Grad Celsius ist der Schwellenwert). Beide "Assistenzsysteme" halte ich persönlich für nutzlos und bevormundend.
Fazit: ich würde diesen Focus nicht erneut kaufen. Zwar ist das Fahrgefühl insgesamt zwar recht nett und auch die Ladefläche des Turniers kann punkten, die vielen "Konstruktionsfehler" gehen mir auf Dauer jedoch zu sehr auf die Nerven.