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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 26. Oktober 2014
Aston Martin peppt den Rapide S auf und spendiert der Sportlimousine ein neues Getriebe und eine verbesserte Motorsteuerung. Doch das Maßnahmenpaket merzt nicht alle Schwächen des formschönen GTs aus.

Verändere nie ein Sieger-Team lautet ein Grundsatz der im Sport oft befolgt wird. Dieser Meinung schließt sich auch Aston Martin an. Zumindest was die Optik der Autos angeht, setzten die Briten auf diese richtige Strategie. Der 5,02 Meter lange Edel-Brite ist nach wie vor eine Augenweide. Auch wenn sich die Veränderungen im Design in homöopathischen Dosierungen bewegen, ist der Rapide immer noch das Gesicht in der mobilen Menge. Diese britische Eigenart, sich auf die Tradition zu besinnen und diese beizubehalten, ist bei der Silhouette und beim Blechkleid durchaus hilfreich. Anders schaut die Sache schon beim Innenraum aus. Das feine Leder täuscht nicht über Plastik-Applikationen, das antiquierte Infotainment und Schwächen in der Ergonomie hinweg. Eine perfekte Sitzposition ist schwer zu finden. Zum einen stößt das rechte Knie beim Bremsen bisweilen an die Lenkradsäule, zum anderen lässt sich das Volant nicht weit genug herausziehen.

Zudem beengen die Mittelkonsole und der breite Kardantunnel, der aufgrund der Transaxle-Bauweise (Motor vorne, Getriebe hinten) in derart üppigen Dimensionen ausfällt, die Armfreiheit. Auch das Infotainmentsystem hat seine besten Jahre hinter sich - in den späten 90er Jahren. Der klappbare 6,5-Zoll Bildschirm erinnert mehr an ein portables Nachrüst-Navigationssystem, als an ein Premium-Fahrzeug und die pixeligen Ziffern und Buchstaben sind ebenfalls nicht auf der Höhe.

Dafür gibt es bei der Antriebstechnik Modernisierungen und statt einer Sechsgang-Automatik kommt nun das ZF-Achtganggetriebe zum Einsatz. Das neuere Getriebe senkt nicht nur den Verbrauch, sondern gestaltet das Vorankommen deutlich angenehmer als bisher. In nur 130 Millisekunden ist die Fahrtstufe gewechselt. Wer es dennoch sportlich will, kann mit den beiden Schaltpaddeln manuell eingreifen. Im Gegensatz zu den deutschen Konkurrenten, bei denen Getriebe und Motor eng beisammen liegen, sitzt beim Rapide das Schaltgetriebe vor der Hinterachse und garantiert somit eine Achslastverteilung von 51 zu 49. Die sorgt für ein ausgewogenes Fahrverhalten, trotzdem könnte der Rapide etwas mehr Traktion an der Hinterachse vertragen. Das wird bei feuchten Untergrund besonders deutlich, wo das ESP schnell eingreifen muss, um das Zwei-Tonnen-Schiff in der Spur zu halten. Trotz der erwähnten Transaxle-Bauweise drängt der Rapide S bei schneller Fahrt in engen Kehren nach Außen und beim Einlenken macht sich das Gewicht des Sechs-Liter-V-12 bemerkbar. Die Lenkung ist selbst für eine Sportlimousine zu leichtgängig und gibt zu wenig Rückmeldung.

Der Rapide S ist deutlich komfortabler abgestimmt, als ein Vanquish. Dafür sorgen auch neue Fahrwerkskomponenten. Mithilfe der Sport- und der Dämpfer-Taste kann der Fahrer den Briten aber schärfer stellen. Ein ausgewiesener Quer-Dynamiker wird er dennoch nicht. Beim Antrieb legten die Aston-Martin-Techniker jetzt noch ein paar Briketts auf: Pro Zylinderbank ist jetzt eine neues Motorsteuerungsgerät von Bosch zuständig. Die Verbesserung resultiert in zwei Zusatz-PS und zehn Newtonmetern mehr maximales Drehmoment. In Zahlen: 560 PS und 630 Nm. Damit ist der Sprint aus dem Stand auf 100 km/h in 4,4 statt wie bisher 4,9 Sekunden absolviert und die Höchstgeschwindigkeit steigt auf 327 km/h. Dagegen sinkt der Verbrauch um 1,4 Liter pro 100 km auf 12,9 Liter/100 km. Technisch hinkt der Aston-Martin seinen Konkurrenten wie dem Mercedes CLS oder dem BMW 6er Gran Coupé deutlich hinterher. Doch wer etwas Besonderes und auf V12-Power nicht verzichten will, muss 193.995 Euro auf den Tisch legen.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2014-10-26

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