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Testbericht

Marcel Sommer, 9. Juli 2017
Bei nahezu jedem Premiumhersteller gibt es nicht nur schnelle und schöne Autos. Es gibt sie auch genauso, wie der Kunde sie haben möchte. Egal, wie schräg oder teuer es am Ende wird.

In Zeiten der immer stärker ausgeprägten Individualisierung, sind auch die Automobilhersteller gefragt. Denn wie heißt es so schön? Nur ein rollender Stein setzt kein Moos an. Frei nach diesem Motto wird in zahlreichen Manufakturen der Freigeist solventer Kunden in eine automobile Form gegossen, genäht und lackiert. Nach dem Preis fragt vorher und nachher nur derjenige, der wenig machen lässt. Alle andere sagen einfach nur: "Bitte genauso und nicht anders." Die Geschichte der Porsche Exclusive Manufaktur beginnt im Jahr 1948, als Ferry Porsche auf die Idee kommt "einen Sportwagen zu bauen, wie er mir gefiel." Der daraus entstandene 356 Roadster Nr. 1 erhält 1948 seine Zulassung. Es dauert ein paar Jahre, bis auch der erste verbriefte Kundenwunsch in Form eines Heckscheibenwischers für das Porsche 356 B Coupe in Auftrag gegeben wird. Sein Auftraggeber: der Großindustrielle Alfred Krupp. Sein Grund: Es gab schlicht keinen Heckscheibenwischer in der Serie. Von diesem Zeitpunkt an, mausert sich die einst recht überschaubare Abteilung zur Spezialeinheit für Modifikationen aller Art bis hin zur Produktion von ganzen Kleinserien wie dem schicken 911 Speedster ober dem aktuellsten Modell, dem Porsche 911 Turbo S Exclusive Series. Sogar eine eigene fahrzeuggebundene Zubehörmarke mit dem Namen Tequipment wird 1995 gegründet.

Die Ergebnisse der professionellen Handarbeit haben sich rund um den Globus herumgesprochen, so dass nun jedes Jahr 15.000 Fahrzeuge durch die Abteilung rollen. Es wird aktuell in drei Schichten, also auch in der Nacht, gearbeitet, wobei ein Mitarbeiter stets für ein Fahrzeug verantwortlich ist. Im Schnitt verbleibt ein Exemplar bis zur 100 Prozent-Überprüfung zwei Stunden lang in seinen Händen, bevor es direkt zum Kunden geht. Und wenn schon zwei Stunden der Schnitt sind, so ist klar, dass es auch Ausreißer nach oben gibt. Genau diese werden in der Porsche Exclusive Manufaktur 60-Stunden-Autos genannt und sind vornehmlich bereits ab Werk sehr hochmotorisierte und komplex ausgestattete 911 Turbo und Turbo S. Zu den 911er-Modellen reihen sich noch Boxster- und Cayman-Modelle in die Schlange mit ein. Besonders erfreulich für die Kunden ist die Tatsache, dass sich durch ihre Extrawünsche die Auslieferungszeit nicht bis ins endlose zieht. Lediglich knapp eine Woche dürfen sie unabhängig vom Extrawunsch länger auf ihr automobiles Schätzchen warten.

Da fällt die Zeit, die der solvente Kunde zur Wunsch-Planung benötigt, bei der er eine kostenfreie Beratung durch einen geschulten Porsche-Mitarbeiter erfährt, so manches Mal wesentlich länger aus. Die Auswahl ist einfach gewaltig. Vom kleinsten Extra, der Abdeckung der Scheibenreinigungsanlage bis hin zur ganzen Schalttafel samt Cockpit kann hier alles individualisiert werden. Mal ist daher alles nach ein paar Stunden, mal erst nach einer Woche geklärt. Dass die Beratung kostenfrei ist, liegt natürlich nicht daran, dass Porsche kein Geld verdienen möchte. Es liegt einfach daran, dass die Kunden im Schnitt sowieso 15.000 Euro ausgeben, wenn sie denn erstmal beraten worden sind. Dass es wesentlich höhere Auftragssummen gibt, zeigt sich schon bei einem erst jüngst gefertigten 911 Turbo S in Python-Grün. Und da das spezielle Grün an sich noch nicht reicht, muss es auch noch in einer speziell pigmentierten ChromaFlair-Lackierung aufgetragen werden. Allein der Preis für den Lack liegt bei 60.000 Euro. Dass die Schlüsselwangen des Zündschlüssels in genau derselben Farbe ausgeführt sind, ist selbstredend. Und selbst die Problematik, dass es keinen sichtbaren Unterschied zwischen den Metall- und den Kunststoffoberflächen geben darf, ist bei Porsche Exclusive Manufaktur erkannt und perfekt gelöst worden.

Natürlich haben auch andere Hersteller ihre Handarbeits-Abteilung auf die Wünsche ihrer "Nicht von der Stange-Käufer" eingestellt. So verließ bei Audi vor wenigen Wochen ein von A bis Z individualisierter Sportwagen R8 die heiligen Hallen der Abteilung Audi exclusive. Sein Besitzer, Saif Al Salman, kann es bei der Übergabe des Fahrzeugs kaum fassen und meint: "Diese Erfahrung übertrifft all meine Erwartungen" und fügt direkt hinzu: "Wenn Du etwas Gutes möchtest, dann musst Du dich in Geduld üben, nicht hetzen, sondern gelassen bleiben. Ich würde sofort wieder ein Audi exclusive-Projekt starten." Der ohne Zweifel recht solvente Audi-Kunde mag es individuell und scheut auch nicht davor, mehrere Stunden mit den Beratern zu philosophieren. Am Ende glänzt sein Sportwagen in den Farben Lila, Grau und mit weißem Interieur inklusive lilafarbenen Nähten in der Sonne. Dass auch die Farbe Blau nicht ganz aus dem Gedächtnis der Kunden wegzudenken ist, zeigt sich an einem individualisierten Audi RS7. Der präzise formuliert vodooblaue Sportwagen geht auf eine Anfrage eines spanischen Kunden zurück, der unbedingt auch einen hellblauen Innenraum wollte. Hierzu wurde eigens eine Leder Alcantara-Kombination im Innenraum mit orangenen Kontrastnähten sowie diese Farbe für die entsprechenden Anbauteile beschafft.

Noch weiter im Süden bei der BMW Individual Manufaktur erteilte einst ein Fischfabrikant einen Auftrag und übersandte direkt 100 Lachshäute an das hochmotivierte BMW-Team. Diese wurden auf dünne Lederhäute aufgezogen und kleiden heute die Interieurleisten seines BMW X6 M. Selbst für den Tag, an dem sie nicht mehr schön schimmern oder anderweitig Schaden nehmen sollten, ist vorgesorgt: "Weil Ersatzteile für solche Spezialanfertigungen nicht ab Werk zu haben sind, lagert, wie immer bei solchen Manufakturprodukten, eine zweite Ausfertigung in unserem brandsicheren Safe", sagt Mathias Babbel, Leiter der Exklusivkundenberatung BMW Individual Manufaktur in Garching.

Wie bei den meisten Manufakturen haben Kunden so manches Mal auch zu extravagante Wünsche, wie Mercedes-Benz-Sprecher Michael Allner verrät: "Ja, wir lehnen auch Kundenwünsche ab. Dies sind zum Beispiel Umfänge, die in die Sicherheit des Fahrzeuges eingreifen (zum Beispiel Belederung des Airbags oder ein weißes Cockpit mit der zu erwartenden Blendung in der Frontscheibe) oder solche, die die Produkthaftung betreffen würden." Da hat der Besitzer des Mercedes-Maybach in designo mysticblau nochmal Glück gehabt. Seine 35.000 Euro Zusatzausstattung beinhaltet eine zweifarbige Lederausstattung, verkleidete Fensterrahmen, einen ebenfalls zweifarbig belederten Innenhimmel so wie noch ein paar weitere Details. Wie sich beim Maybach und auch bei einem citrinbraun magno-farbenen Mercedes-AMG S 63 Coupe ableiten lässt, sind die Kunden der Manufakturen den Herstellern meist keine Unbekannte, wie Michael Allner gern bestärkt: "Den typischen Auftraggeber gibt es so nicht. Wir haben Kunden aller "Altersklassen" und gesellschaftlicher Schichten. Grundsätzlich haben wir viele Stammkunden, aber immer wieder auch Neukunden, die gerne eine individuellere Ausstattung hätten."
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Quelle: press-inform, 2017-07-09

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