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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 17. Juni 2019
BMW startet mit dem X3 M Competition zum Frontalangriff auf den Porsche Macan Turbo. Die Triebfeder der Offensive ist ein neues Sechszylinder-Kraftwerk mit 375 kW / 510 PS. Allerdings wird die Attacke mit einem straffen Fahrwerk bezahlt.

Momentan spaltet sich die automobile Gemeinde. Die einen predigen die Elektromobilität, während die anderen sich nicht vorschreiben lassen wollen, in was, wann und wie sie Gas geben. Für diese traditionelle Spaßfahrer-Fraktion ist der BMW X3 M Competition wie maßgeschneidert. Ein SUV mit 375 kW / 510 PS (30 PS mehr als der reguläre X3 M) und einem maximalen Drehmoment von 600 Newtonmetern. Wenn man es genau nimmt, entsprechen diese Leistungsdaten im Zusammenspiel mit einem Crossover der dynamischen Quadratur des Kreises. Man nehme ein SUV mit mehr Bodenfreiheit und verpasst ihm einen starken Motor und versucht, das Gefährt noch maximal dynamisch zu machen? Klingt spannend - ist es auch. Zumal Porsche mit dem Macan Turbo schon erfolgreich diese Gleichung gelöst hat. Das wissen Sie auch bei der M GmbH und haben daher den Macan zur Messlatte erkoren. Wir stecken den Mercedes AMG GLC 63 mit in die Verlosung, der exakt die gleiche Kraft unter der Haube hat, wie der BMW X3 M Competition.

Wenn man gegen diese Konkurrenten antritt, geht ohne Kraft gar nichts. Also haben die M-Ingenieure den Reihensechszylinder komplett umgekrempelt. \"Der Motor hat mehr als 90 Prozent Neuteile\", strahlt Techniker Robert Biebl. Das fängt bei der geschmiedeten Kurbelwelle an, die rund drei Kilogramm leichter ist, als bei den herkömmlichen BMW Sechszylinder-Benzinern an, geht weiter über den strömungsoptimierten Ansaugtrakt, der eine bessere Beatmung der beiden unabhängigen Turbolader garantiert, bis hin zur Kühlung und Ölversorgung, die, wie im Rennsport, durch eine zusätzliche Pumpe auch bei extremen Kurvenfahrten garantiert wird.

Damit möglichst früh möglichst viel Drehmoment anliegt, werden die Wastegateventile der beiden Turbolader mit einem Elektromotor angesteuert. \"Wir haben uns aufgrund des Gewichts und des 48 Volt-Bordnetzes gegen einen elektrischen Verdichter entschieden\", erklärt Projektleiter Herbert Bayerl. Das System funktioniert dennoch, denn die Dreiliter-Bayern-Power marschiert aus dem Drehzahlkeller ambitioniert los, sprintet in 5,3 Sekunden von null auf 100 km/h und hämmert weiter bis zu optionalen 285 km/h. BMW gibt den Norm-Verbrauch mit 10,5 Liter pro 100 Kilometer an. Was in der Realität schwer zu erreichen sein dürfte, wenn man den X3 M Competition nur ansatzweise artgerecht bewegt.

Doch das Duell Zuffenhausen gegen München mit Außenseiterchancen von Affalterbach wird nicht auf der Geraden, sondern in den Kurven entschieden. Also haben die BMW M-Techniker das Fahrwerk angepasst, um den Spagat zwischen Agilität und Komfort zu erreichen. Mehr Sturz und ein veränderter Nachlaufwinkel an der Vorderachse verbessern das Einlenkverhalten, während aufwendig konstruierte Gummilager Komfort ohne Abstriche bei der Querdynamik gewährleisten sollen. Dazu kommen noch eine veränderte Hinterachse, eine Carbon-Domstrebe vorne und jede Menge Versteifungen, damit die Karosserie dem Dynamikanspruch des Triebwerks und des Fahrwerks auch gerecht wird. Die Kehrseite der Medaille ist, dass der X3 M Competition mit 1.970 Kilogramm Gewicht rund 160 Kilogramm mehr wiegt als ein BMW X3 M40i.

So lange man sich auf guten Straßen oder der Rennstrecke befindet, geht die M-Gleichung, dank des Allradantriebs und den Differenzialen hervorragend auf. Es ist beeindruckend, mit welcher Kurvengier und hoher Geschwindigkeit der BMW X3 M Competition um die Ecken pfeift. Dabei bleibt der 4,72 Meter lange Zweitonner stoisch ruhig und lässt sogar kleine Drifts zu. Es macht Spaß sich den Münchner Sport-Crossover nach Gusto zu konfigurieren und dann diese Einstellung mit den M-Knöpfen abzurufen. \"Wir wollen die Menschen überraschen\", sagt Herbert Bayerl. Das ist geglückt, bei der Agilität hält der Münchner mit dem Porsche mit und weist den Mercedes in die Schranken.

Doch - und jetzt kommen wir wieder zur Kehrseite der Medaille - das Autofahren besteht nicht nur aus Querbeschleunigung und der Bestzeitenjagd auf Rennstrecken. Im Mobilitätsalltag gibt es immer häufiger schlechte Straßen und da lässt einem der BMW X3 M Competition nicht viel Wahl. Sobald man das Fahrwerk und die Lenkung auf Sport oder Sport Plus stellt, wird die Fahrt unkommod und die Bodenunebenheiten deutlich spürbar. Die Lenkung ist ohnehin sportlich stramm und erreicht nicht die Kombination aus Kommunikationsfreude ohne zu schwergängig zu sein, die die Steuerung des Porsche Macan auszeichnet. Also empfehlen wir Lenkung und Fahrwerk auf Comfort zu stellen und die Achtgangautomatik sowie die Gaspedalkennlinie mindestens auf Sport. So hat man auf öffentlichen Straßen mit dem BMW X3 M Competition am meisten Spaß.

Das Kapitel Infotainment entscheidet der Münchner Sportler für sich. Die Kombination aus Drehrücksteller, guter Sprachbedienung, Touch- und Head-Up Display ist unserer Meinung nach immer noch die beste Kombination, was geringe Fahrerablenkung und intuitive Handhabung angeht. Bleibt nur noch der Preis: Der BMW X3 M Competition steht ab September beim Händler und kostet mindestens 93.400 Euro, der Macan Turbo bisher mindestens rund 85.000 Euro (ohne Performance Paket / neues Modell steht vor Tür) und der Mercedes AMG GLC 63 ist für 86.37,20 Euro zu haben.
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Technische Daten
Antrieb:Allradantrieb
Getriebe:Achtgang-Automatik
Motor Bauart:Reihensechszylinder
Hubraum:2.993
Drehmoment:600 Nm bei 2.600 – 5.950 UPM
Preis
Neupreis: 93.400 € (Stand: 2019-06-17)
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2019-06-17

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