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Testbericht

3. Mai 2013
Barcelona (Spanien), 3. Mai 2013 - Ein Auto hat dann genügend Kraft, wenn man schon beim Aufschließen Angst hat. Dieser Satz wird Rallye-Legende Walter Röhrl zugeschrieben. Ob er den überarbeiteten Mercedes E 63 AMG kennt? Zeitgleich mit dem umfangreichen Lifting der E-Klasse haben auch deren stärkste Ableger eine geänderte Optik bekommen. Doch beim Betreten des Parkhauses zeigt sich, dass die Power-Benze auch nach der Überarbeitung eher auf Zurückhaltung setzen. Nun gut, drei üppige Lufteinlässe in der neuen Frontschürze hat eine Taxi-E-Klasse nicht unbedingt, "V8-Biturbo"-Schriftzüge am Kotflügel auch eher weniger. Wer freilich auf Tiefstapelei steht, sollte zum "AMG Business-Paket" greifen. Inklusive sind hier eine dezentere Heckschürze, eine zweiflutige Abgasanlage sowie der Entfall von Modellbezeichnung und V8-Schriftzug. Auf sie mit Gebrüll Doch auch ohne Schaf-Mutation wird klar: Dieser Wolf trägt seinen Pelz nach innen. Neues Mitglied des Affalterbacher Rudels ist der E 63 AMG S. Der schlichte Zusatzbuchstabe äußert sich innen durch ein Lenkrad im Leder-Alcantara-Mix und AMG-Wappen in den Kopfstützen. Die Bedienung ist ähnlich funktional wie in einem E 220 CDI, sieht man einmal vom kurzen Getriebewählhebel auf der Mittelkonsole ab. Also alles halb so wild, Walter, schießt es mir durch den Kopf. Bis ich den Zündschlüssel umdrehe. Der 5,5-Liter-V8 brüllt auf, als würde sich ein großer Grizzly auf einen stürzen. Ohne Frühstück. Seit drei Wochen. Zugabe, bitte: Im Stand aufs Gaspedal und die Wände der Tiefgarage scheinen zu vibrieren. Im Leerlauf brummelt der V8 wie in einem alten Muscle Car vor sich hin. Ähnlich wie damals lautet auch hier die Devise: Unauffälliges Auto, fetter Motor. Nur die restliche Technik ist beim E 63 AMG S denn doch etwas ausgefeilter. Ein Allradantrieb mit Lamellenkupplung und einer Kraftverteilung von 33 zu 67 Prozent plus Sperrdifferential an der Hinterachse hält den bärigen Benz im Zaum. Und der hat es wirklich in sich: 585 PS. In Worten: Fünf-Acht-Fünf. Das sind 28 PS mehr als beim bisherigen AMG Performance Package. Ermöglicht wird der Kraftanstieg unter anderem durch eine Erhöhung des Spitzendrucks des Turbos und eine Anhebung des Ladedrucks um 0,1 bar auf jetzt 1,0 bar. Bummelnde Bestie Also doch genügend Gründe, um zum Angsthasen zu werden? Immerhin stehen schon ab 1.750 Umdrehungen mächtige 800 Newtonmeter an. Raus aus der Tiefgarage, rein ins Stadtgewusel von Barcelona. Hier ist der Mercedes E 63 AMG S zwar nicht in seinem Element, aber mühelos zu beherrschen. Eher muss sich der Fahrer beherrschen, nicht bei Grün loszupreschen. Sogar ein weinig effizient soll der als Limousine und Kombi erhältliche Mega-Mercedes sein. Eigens für diesen Zweck ist das Fahrprogramm "Controlled Efficiency" zuständig. Mit dabei: frühes Hochschalten der sieben Gänge und eine Eco-Start-Stopp-Funktion. Sie haben richtig gehört: Eco. 585 PS, die an der Ampel ausgehen.
Flughöhe Null Endlich hinaus auf Autobahn und Landstraße. Hier kann der E 63 AMG S zeigen, was in ihm steckt. Höchste Zeit, die anderen Fahrprogramme auszuprobieren: "M" ermöglicht manuelle Schaltvorgänge am Lenkrad, wird aber zu hoch gedreht, wird der Gang doch automatisch gewechselt. Muss also nicht sein. Bei "S" und "S+" wird die Start-Stopp-Funktion ausgeschaltet, aber angehalten wird jetzt eh nicht. Die Gänge werden später gewechselt, eine Zwischengasfunktion schmeichelt den Ohren. Im S+-Modus nimmt sich das ESP zudem deutlich zurück, was ich beim starken Gasgeben merke: Das Heck bricht relativ früh aus, lässt sich aber gut wieder einfangen. Wir erinnern uns: 67 Prozent der Kraft leitet der Allradantrieb nach hinten. Quod erat demonstrandum. Ein Kurvenräuber ist der E 63 AMG S freilich nicht, dafür sorgt sein Gewicht von 1.940 Kilogramm. Viel mehr beeindruckt, wie mühelos die fast zwei Tonnen nach vorne fliegen. Gerade einmal 3,6 Sekunden benötigt die Limousine aus dem Stand auf 100 km/h. Nur zum Vergleich: 3,7 Sekunden sind es beim Lamborghini Gallardo LP 560-4. Der hat aber keine 540 Liter Kofferraumvolumen. Kraft kostet Etwas Volumen braucht es auch im Geldbeutel: 118.405 Euro werden für die Mercedes E 63 AMG S Limousine aufgerufen, knapp über 121.000 Euro für das T-Modell. Ein Wert, der durch eine Vielzahl an individuellen Extras noch locker gesteigert werden kann. Und die Konkurrenz: BMW hält den M5 bereit. Ihn gibt es nur als 560 PS starke Limousine ohne Allrad für beinahe bescheidene 103.300 Euro. Audi rollt den neuen RS 6 Avant an den Start. Er bietet ebenfalls 560 PS, aber inklusive Allrad für 107.900 Euro.
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Technische Daten
Antrieb:Allradantrieb
Anzahl Gänge:7
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:Benziner mit Biturbo-Aufladung und Direkteinspritzung
Hubraum:5.461
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:8
Leistung:430 kW (585 PS) bei UPM
Drehmoment:800 Nm bei 1.750 - 5.000 UPM
Preis
Neupreis: 118.405 € (Stand: April 2013)
Fazit
Beeindruckend, welches Gesamtpaket Mercedes in Form des neuen E 63 AMG S geschnürt hat. Natürlich kann nach dem Sinn von 585 PS für knapp zwei Tonnen gefragt werden. Doch wer den Big Benz nicht mag, muss ihn ja nicht kaufen. Die relativ unauffällige Mischung aus geräumiger Limousine und gierigem Boliden macht den Reiz des S-Modells aus. Aber Vorsicht: Trotz Allradantrieb fordert der AMG vom Fahrer Charakter, die Kraft will im Grenzbereich beherrscht werden. Apropos: Der E 63 AMG S soll die Nordschleife des Nürburgrings in unter acht Minuten umrunden. Walter Röhrl kann also seinen Helm aufsetzen.
Testwertung
5.0 von 5

Quelle: auto-news, 2013-05-03

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