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Testbericht

Stefan Grundhoff, 22. März 2017
Die analoge Zeit ist zumindest im Auto endgültig vorbei. Moderne Fahrzeuge aller Klassen sind längst mit digitalen Instrumenten ausgestattet. Doch das ist erst der Anfang.

"Der neue Audi A8 wird ein neues Zeitalter in Sachen Bedienung einführen", erklärt Audi-Chefdesigner Marc Lichte, "einen seriennahen Ausblick geben wir darauf mit unserem Q8 Concept. Es wird zukünftig nur noch sehr wenige haptische Schalter geben." Wenn man sich das Cockpit der beiden nahezu identischen Fahrzeugstudien von der Detroit Motorshow und dem Genfer Salon aus dem Hause Audi anschaut, sieht man genau, wohin die Reise geht. Animierte Instrumente sind längst nichts Neues mehr. Tacho, Drehzahlmesser, Motortemperatur oder Tankanzeige - nur bei Fahrzeugen vor vorgestern werden diese noch auf analogen Runduhren abgebildet. Audi ist hier kein Vorreiter im allgemeinen, auch wenn der Volkswagen-Konzern als erster Autohersteller über die Marken VW und Audi seine traditionellen Runduhren gegen ein entsprechendes Aufgeld weitgehend modellunabhängig von einem frei programmierbaren Display ersetzen ließ. VW Arteon, Golf, Tiguan und Passat sind ebenso mit einem variablen Einheitscluster zu bekommen wie Audi A4, A5 oder Q5. Die nächste Stufe zündet eben der A8 und die folgenden A6 / A7, die alle mehr als zwei animierte Bildschirme bekommen.

Einst waren Jaguar XJ und die vorherige Range-Rover-Generation die ersten, die statt präzise drehender Analoguhren hinter dem Lederlenkrad zittrige LCD-Anzeigen platzierten. Andere Hersteller folgten, hatten jedoch mit Kosten- und Temperaturproblemen zu kämpfen. Wie gerne hätte Mercedes seine aktuelle S-Klasse bereits mit einem mächtigen Breitkino ausgestattet und die beiden 12,3-Zoll-Displays für Instrumente und Navigation elegant zusammengeführt. Doch das große Display war als Cockpit-Einzelstück zu teuer. So mussten es zwei 12,3-Zoll-Standardbildschirme von der Stange tun - die Dreh- und Drückschalter auf dem Mittelsteg machen Daimler-Chefkrativkraft Gorden Wagener noch heute Bauchschmerzen. Erst mit der Modellpflege der S-Klasse in diesem Frühjahr gibt es zwar keinen durchgehenden Großbildschirm, aber ähnlich wie beim schicken E-Klasse-Interieur ist der Steg verschwunden und die beiden Displays wirken wie aus einem Guss.

Bei den nächsten Modellgenerationen der verschiedenen Autohersteller werden die beiden Hauptdisplays in der Armaturentafel zusammenwachsen. Per Fingerzeig werden Informationen über Bordcomputer, Navigation, Musiktitel oder Telefondaten dann vom Fahrer direkt an die Mittelkonsole weitergegeben und umgekehrt. So entsteht im Armaturenbrett ein mächtiger Informationsteppich, der dann nicht mehr derart gebastelt wirkt wie beim aktuellen Audi A4 / A5 oder der Mercedes A- / C-Klasse, wo die Bildschirme, mittig auf dem Armaturenbrett präsentiert, wie aus dem schlecht sortierten Autozubehör erscheinen. Sogar Porsche, lange Jahre in der Bedienhistorie versunken, hat mit der neuen Panamera-Generation zumindest in der Mittelkonsole Maßstäbe gesetzt und dabei den Charakter der Runduhren behalten.

Generell gibt es zwei Kerntrends. Die einen lassen die Informationsflächen stimmig und üppigst dimensioniert zusammenwachsen; andere setzen auf Einzeldisplays, die mehr oder weniger stilvoll in das Gesamtkunstwerk Armaturenbrett integriert werden. Einzelne Displays sieht man zum Beispiel beim schicken Zwillingspärchen BMW 5er / 7er, dem neuen Mazda CX-5 oder eben dem kommenden Audi A8. Große Displays, die zusammenwachsen können wir in den nächsten Jahren bei Mercedes, Tesla, Volvo oder Hyundai / Kia erwarten. Die großen Displays schaffen wie in E-, S- oder der kommenden A-Klasse von Mercedes auf den ersten Blick mächtig Eindruck und inszenieren perfekt abgestimmt Informationen, Entertainment, Fahrerassistenzsysteme und Bedienmodule. Dadurch wirken Cockpit und Armaturentafel edel, informativ und technisch. Mit den einzelnen Displays bleibt die Armaturentafel schlanker, flacher und wohl etwas schicker. Gerade das zentrale Infotainment- und Navigationsdisplay wirkt dabei bisweilen wie ein Fremdkörper. Ferrari präsentierte mit dem FF als bisher einziger Hersteller ein drittes Kleindisplay - nicht animiert - für den Beifahrer. Nachahmer gab es nicht. Anzunehmen, dass sich zeitnah auch Beifahrer über Bildschirme freuen können, da sich die Dual-View-Bildschirme, die es aktuell bei Mercedes und Jaguar Land Rover gibt, wegen ihrer niedrigen Auflösung durch die Winkellochmaske nicht durchgesetzt haben.

Hersteller wie Tesla, Volvo oder auch Renault gehen einen etwas anderen Weg und präsentieren die automobile Mittelkonsole zu großen Teilen als Hochkant-Display. Bei Teslas Model X ist dies mit einer 17-Zoll-Diagonale noch größer als bei Volvo mit dem schicken Interieur von XC 60 / XC 90. Beide male geschehen hier große Teile der Fahrzeugbedienung. Woran es bei den meisten Herstellern jedoch noch mangelt, ist es die Displays intelligent miteinander zu verquicken. Zulieferer die Harman oder Bosch haben ebenso wie einige andere Firmen längst fertig entwickelt, dass Displays zusammenwachsen oder Informationen vom einen auf das nächste übergehen.

Mittelfristig wird es bei zwei Einzeldisplays kaum bleiben. Die Studie des Audi Q8 oder der neue Range Rover Velar zeigen, dass auch Licht- oder Klimabedienteile bald animiert sein werden. Der aktuelle BMW 5er / 7er ging hier zumindest einen halben Schritt mit einer schmuck anzusehenden Bedienfläche für Klima, Sitzheizung / -belüftung und Raumduft. Die berührungsempfindlichen Schaltflächen der Mittelkonsole hatte vor Jahren bereits Cadillac in Großserie eingeführt. Wie es bessergeht, zeigt das aktuelle iPhone 7, das ebenfalls an der Vorderseite keinen haptischen Knopf mehr hat, sondern diesen nur vorgaukelt. Eine Rückmeldung für den Finger gibt es trotzdem. Eine ähnliche Technik wird bald bei Audi und Jaguar / Range Rover zum Einsatz kommen.

Dass sich die Head-Up-Displays durchsetzen, ist nicht mehr aufzuhalten. Immer größere Anzeigen werden in den nächsten Jahren zunächst auf Front- und dann auf Seitenscheiben projiziert. Unsicherer erscheint, wie es mit der Gestensteuerung aussieht. BMW führte diese mit dem luxuriösen 7er ein und legte mit dem 5er nach. Jetzt sprang Volkswagen mit seinem 9,2 Zoll großen Bildschirmsystem auf den Zug auf. Nach ersten Kundenkliniken nutzen jedoch allzu wenige Autofahrer die einfache Bedienmöglichkeiten per Handgeste. Kaum anzunehmen, dass sich dieser Trend langfristig ändern wird. Einige Hersteller werden diese Technik jedoch trotzdem bringen - sie liegt fertig in der Modellschublade. Noch schwieriger dürfte es mit dem seit Jahren eifrig erprobten Eyetracking werden, das ebenfalls kurz vor der Serienreife steht. Doch ob sich dies gegen Touchdisplays, Schnellzugriffe durch frei belegbare Tasten oder Sprachbedienung durchsetzen kann, muss ebenfalls bezweifelt werden. Nach und nach dürfte es so auch dem Dreh-Drück-Steller an den Kragen gehen. So lange sich die Touchdisplays in Griffnähe von Fahrer und Passagieren befinden, werden die praktischen Drehkreisel wohl überflüssig. Die Touchbedienflächen auf der Mittelkonsole, wie es sie aktuell zum Beispiel bei Mercedes oder Audi gibt, sollten wegen redundanter Systeme ebenfalls zeitnah verschwinden.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: press-inform, 2017-03-22

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