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Autoplenum, 2016-06-13

Porsche 911R - Einer für Puristen (Kurzfassung)

5.0 von 5

Testbericht

Benjamin Bessinger/SP-X

Dieses Auto ist für Porsche-Fans wie ein Befreiungsschlag: Denn mit vier Litern Hubraum, sechs Zylindern und Handschaltung spottet der 911R jedem Zeitgeist. Kaum ein anderer Elfer fasziniert die Fans so sehr wie dieses Sondermodell, das der von allzu viel Political Correctness zuletzt arg verwässerten Marke endliche ihre Glaubwürdigkeit zurückgibt. Kein Wunder, dass er trotz einem Preis von mindestens 189.544 Euro schon vor dem Start ausverkauft ist.

Im Heck schlägt womöglich zum letzten Mal bei einem neuem Porsche noch der klassische Sechszylinder-Sauger, der aus sündigen vier Litern Hubraum stolze 368 kW/500 PS und 460 Nm schöpft. Deshalb prangt auf dem Mitteltunnel anders als im GT3 RS tatsächlich noch einmal ein manuelles Getriebe mit sechs knackig-kurz gestuften Gängen und gerade so viel Widerstand, dass es zum Schalten einen starken Arm braucht. Und deshalb ist der 911R mit einem Fahrgewicht von 1.370 kg und einem Trockengewicht von 1.250 kg mit Abstand der leichteste Elfer im Line-Up.
 
Viel Power, wenig Elektronik, kaum Gewicht - das ergibt ein Fahrgefühl, wie man es diesseits der Rennstrecke in einem Porsche zuletzt selten erlebt hat. Der Motor dreht mit einer solchen Freude und Leichtigkeit bis weit über 8.000 Touren, die Gänge flutschen nur so durchs Getriebe und das Coupé tänzelt so leichtfüßig durch die Kurven, dass es süchtig macht. Festgeschnallt in Karbonschalen mit einem wunderbar spießigen Pepita-Polster und angestachelt von einer Geräuschkulisse, die so ganz ohne Dämmung authentischer kaum sein könnte, ist man in diesem Auto mittendrin statt nur dabei. Man fühlt deshalb mit jeder Faser seines Körpers, wie schnell der 911R Fahrt aufnimmt und wie leicht er mit der Fliehkraft kämpft. Von 0 auf 100 in 3,8 Sekunden und bei Vollgas 323 km/h – das sind imponierende Zahlen. Aber sie sagen nichts über den Rausch der Sinne, den man beim Rasen in diesem Auto noch einmal erleben darf.
 
Es ist aber nicht nur der Dreiklang aus großvolumigem Sauger, Schaltgetriebe und Leichtbau, der den 911R aus der Familie heraushebt. Es ist auch sein für einen Porsche dieses Kalibers ungewöhnlicher Auftritt. Denn egal ob beim Design, beim Klang oder bei der Fahrwerksabstimmung ist der 911R lange nicht so brutal, so vorlaut und so fordernd wie der GT3 RS und lange nicht so protzig wie ein Turbo. Dieses Auto braucht weder fette Flügel noch künstliche Fehlzündungen und auch weder Käfig noch Hosenträgergurte. Aggressiv, aber nicht zum Angeben, laut, aber nicht lärmend, potent, aber nicht protzig – so wird der 911R zum vielleicht authentischsten Elfer in der jüngeren Geschichte und zum ersten Porsche nach langer Zeit, den man wirklich für sich selbst und nicht für sein Ansehen kauft.

Fazit

Aggressiv, aber nicht zum Angeben, laut, aber nicht lärmend, potent, aber nicht protzig – so wird der 911R zum vielleicht authentischsten Elfer in der jüngeren Geschichte.

Testwertung
Quelle: Autoplenum, 2016-06-13