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Testbericht

Jürgen Wolff, Wilbertoord, 4. September 2008
Dieses Auto hat die Hasskappe auf: Der Hummer H2 gilt als Klimakiller und Protzmobil. Doch der brachiale Ami schluckt auch nicht mehr als die Konkurrenz - und ist keineswegs nur eine Shownummer.

In dem Schlammloch, das sich da in der rechten Fahrspur öffnet, könnte ein Smart fast bis zur Dachkante versinken. Den Instruktor auf dem Beifahrersitz ficht das nicht an: "Und jetzt ganz langsam durch - und mit viel Genuss." Der mächtige Hummer H2 neigt sich vorne rechts tief in den Moder. So wie das Vorderrad im Schlamm versinkt, so hebt sich das linke Hinterrad nach oben und verliert die Bodenhaftung. Unbeirrt rollt der H2 weiter, das vordere Rad taucht aus dem Schlamm nach oben, das Hinterrad senkt sich, verkantet abenteuerlich nach außen - der Hummer rollt mit stoischer Gleichmäßigkeit voran. Auf den nächsten "Elefantenfuß" zu, wie sie die Mini-Tümpel hier im Waldboden nennen. "Der Hummer ist einfach ein grundehrlicher Geländewagen," kommentiert der Instruktor grinsend.

Wohl wahr. Den 4,82 Meter langen und 2,06 Meter breiten Parade-Ami hält so schnell nichts auf, hier auf dem eigens präparierten Waldparcours in einem ehemaligen Landsitz am Rande der niederländischen Kleinstadt Wilbertoord: Kein Bachlauf und kein Unterholz, keine Steigung und keine Schrägung. 293 kW/398 PS aus acht Zylindern mit zusammen 6,2 Litern Hubraum und ein brachiales Drehmoment von 574 Nm sorgen schon dafür. Die klassische Rahmenkonstruktion garantiert, dass sich nicht durchbiegt, was gelegentlich mal frei in der Luft hängt. Der Hummer wühlt sich durch. Hier ist er in seinem Element.

Oder? Nein. Hier ist er auch in seinem Element muss es eher heißen. Denn das Monstrum erweist sich auch auf der asphaltierten Straße als überraschend luxuriös und handlich. Feldwege sind eine leichte Übung für den H2 - er schwebt dank Luftfederung und Niveauregulierung über beinahe jedes Schlagloch. Im normalen Verkehr fließt er entspannt und locker mit. Auf den engen Landstraßen rund um Wilbertoord hat er ebenso wenig Probleme wie in den Tempo-30-Zonen des Örtchens.

Für Übersichtlichkeit nach vorne und zu den Seiten sorgt trotz der nur schießschartengroßen Fenster die klare Kastenform des Hummer. Nach hinten verschafft die - optionale - Heckkamera mit dem automatisch ausfahrbaren Monitor im Rückspiegel gute Sicht. Die fein dosierbare Automatik und das knackig ansprechende Gaspedal sorgen ebenso wie die präzise Lenkung dafür, dass sich der Koloss zentimetergenau manövrieren lässt. Innen bietet der H2 Platz satt - man kommt sich vor wie in einem Wohnzimmer. Allein schon der Laderaum des Fünfsitzers bringt es auf 1130 Liter Fassungsvermögen - doppelt so viel wie ein ausgewachsener VW Touareg. Die Sitze sind bequem und geben überraschend viel Seitenhalt. Den Amerikaner hängt der Hummer dann allerdings zum Teil bei der Verarbeitung und vor allem bei den meisten der innen verbauten Materialien heraus. Auf der einen Seite sind reichlich massive Griffe zum Festhalten vorhanden, auf der anderen Seite wackeln diverse Plastikanbauten wie etwa die Halterung des Gangwahlhebels. Das Hartplastik des Armaturenbretts wirkt schlicht billig - was allerdings eher Standard ist in amerikanischen Geländewagen.

Der brachiale V8-Motor passt zu dem ebenso brachial wirkenden H2. Er katapultiert den 3,5-Tonner in nur 7,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Bei 160 km/h ist Schluss. Und mit 3,5 Tonnen Zuglast dürfte es nur wenige Pferde- oder Bootsanhänger geben, die der H2 nicht schafft.

All das bekommt man zum Basispreis von 68.590 Euro. Nicht gerade wenig angesichts des US-Preises von umgerechnet rund 41.000 Euro. Aber im Vergleich zur Konkurrenz auch nicht gar zu üppig. Ein Audi Q7 mit V8-Benziner kostet mindestens 67.700 Euro, ein entsprechender BMW X5 startet bei 69.500 Euro. Und für den Cadillac Escalade mit dem gleichen Motor wie der Hummer H2 werden mindestens 69.750 Euro fällig.

Das Problem: Der Hummer ist nicht einfach nur ein bulliger Geländewagen zu einem halbwegs fairen Marktpreis - er ist ein Statement. Ein Symbol für politisch unkorrektes Autofahren. Der leibhaftige Klimakiller auf vier Rädern. Stimmt: Vor allem der H2 ist ziemlich durstig - das droht schon der 121 Liter fassende Tank an. Aber: Er ist nicht so viel durstiger als seine Konkurrenten, das es zur Hasskappe reichen sollte. 15,7 Liter schluckt der H2 im Drittelmix. Selbst ein VW-Bus mit Allradantrieb und V6-Motor braucht schon 13,5 Liter, ein VW Touareg mit dem V6 in sparsamer FSI-Technik schluckt 13,8 Liter. Der Porsche Cayenne reicht in der "S"-Motorisierung mit 15,0 Litern fast schon an den H2 heran - und der im Vergleich beinahe schon zierliche Mercedes-Benz G 500 liegt mit 16,7 Litern gar deutlich über dem Hummer.

Alle viel zu durstig, keine Frage - aber nicht durstiger als der Hummer H2. Auch beim Hummer arbeiten die Ingenieure daran. Der Motor des H2 etwa ist ab 2009 als FlexiPower verfügbar und schluckt dann E85-Kraftstoff, der mit bis zu 85% Bio-Ethanol versetzt ist. Das senkt nicht den Verbrauch, sorgt aber für eine etwas bessere Umweltbilanz. Den "kleinen" Bruder H3 wird es Ende 2009 auch mit einem Diesel-Motor geben. Voraussichtlicher Verbrauch: 10,7 Liter. Über einen Hybrid wird ebenfalls nachgedacht. Das Problem: Er darf die Geländetauglichkeit des H2 nicht schmälern.
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Quelle: press-inform, 2008-09-04

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