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Testbericht

Jürgen Wolff, 19. Januar 2016
Es sind vor allem optische Retuschen innen und an der Front, mit denen Lexus den GS ins Modelljahr 2016 schickt. Nach wie vor gibt es ihn ausschließlich mit Hybridantrieb.

Das Ganze ist ein Missverständnis. "Diabolo-Grill" nennt Lexus das massive Trumm, das vorne bei seinen Autos für die Luftzufuhr der Motoren sorgt und das Markengesicht bestimmt. Einmal über die ganze Breite zwischen den Scheinwerfern, dann verjüngt er sich zu einer Taille, um dann bis in die Stoßfänger hinein wieder in die Breite zu gehen. Doch teuflische Aggressivität war mit der Namensgebung nie gemeint - sondern das Kinderspielzeug Diabolo, mit dem man jonglieren kann. Die beiden an den Spitzen verbundenen Kegel, die man an einem Seil über zwei Handstöcke mehr oder weniger kunstvoll bewegen kann, dienten als Vorbild für den Namen.

Entsprechend ist auch die frisch überarbeitete Lexus-Limousine GS 450h keineswegs ein diabolischer Kurvenräuber, sondern eher ein spielerisch entspannter Gleiter. Viel geholfen hat ihm das bisher hierzulande nicht: Der Lexus GS kommt in Deutschland pro Jahr nicht einmal auf 120 Zulassungen - und die meisten davon dürften auf Lexus-Händler selbst gehen. Dabei kann der GS als komfortable Reiselimousine durchaus glänzen. Die dick gepolsterten Sitze vorne verbreiten schon beim Einstieg Clubatmosphäre, hinten geht es ähnlich zwar enger, aber immer noch gediegen zu. In der Ausstattungsvariante "Luxury" prägt mattes, offenporiges Holz Armaturenbrett und Verkleidung der Türen. Alles fühlt sich angenehm an. Wer in den Ausstattungslinien darunter bleiben will, der muss sich dagegen mit profaner wirkendem Plastik zufriedengeben.

Entspannter fahren - die Ingenieure bei Lexus haben auch für den facegelifteten GS noch einmal nachgelegt. Das Geräuschniveau innen ist weiter gesunken, die Festigkeit der Karosserie hat zugenommen. Für einen hohen Federungskomfort sorgen optimierte Radaufhängungen vorne und hinten. Gegen Aufpreis gibt es mit einem adaptiven Dämpfungssystem noch mehr Komfort. Zusätzlich zu den bisherigen drei Fahrmodi ECO, Normal und Sport hat der überarbeitete GS nun auch noch den Modus Sport+. Er strafft die Federung vor allem in Kurven, macht die auch so schon präzise Lenkung einen Tick direkter.

Wenig verändert der Sport+-Modus dagegen an der Einstellung des CVT-Automatikgetriebes. Und das hinterlässt einen eher zwiespältigen Eindruck. Hat es sich erst einmal zur Mitarbeit entschieden, sorgt es durchaus für eine flotte Gangart. Aber wer das Gaspedal zum Beschleunigen durchtritt, der erntet wie bei CVT-Getrieben üblich erst einmal unwilliges Murren. Der Motor dreht brav hoch, der Vorwärtsdrang bleibt aber zunächst bescheiden. Gehörte Kraftentfaltung und tatsächliche Beschleunigung passen nicht so recht zusammen. Bis die Automatik dann doch so weit ist und die Kraft des Motors an die Antriebsräder weiter gibt. Dem entspannten Reisen tut das keinen Abbruch - im Gegenteil: Es erzieht zu entspannter Gelassenheit beim Fahren.

Von den reinen Zahlen her ist der 450h dabei eher schon ein Kraftprotz: 245 kW/345 PS Systemleistung stehen in der Tabelle. Davon liefert der 6-Zylinder-Verbrennungsmotor allein bereits 215 kW/292 PS und ein maximales Drehmoment von 352 Nm. Der Elektromotor ist für 147 kW/200 PS und ein maximales Drehmoment von 275 Nm zuständig. Das reicht dann für eine Beschleunigung der immerhin 2,3 Tonnen schweren und fast fünf Meter langen Limousine von 0 auf 100 km/h in 5,9 Sekunden - das reicht an Sportwagen-Niveau heran. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h.

Der hauptsächliche Vorteil des Hybrid-Antriebes liegt im vergleichsweise genügsamen Verbrauch. Das gilt auch für den Lexus GS 450h - zumindest rechnerisch. Denn in der Realität kommt es hauptsächlich darauf an, wo man vor allem fährt. Innerorts kann der Hybrid seine Stärken am besten ausspielen - 6,5 Liter gibt Lexus dort als Durchschnittsverbrauch an. Nicht viel für eine Limousine diesen Kalibers. Wer mehr auf langen Strecken und Autobahnen außerorts unterwegs ist, kann die Vorteile des Hybridantriebs weniger gut nutzen: 5,4 Liter Durchschnittsverbrauch sind allerdings auch da kein schlechter Wert. Im Schnitt gibt sich der Lexus GS 450h wie schon der Vorgänger offiziell mit 5,9 Liter auf 100 Kilometern zufrieden, was einem CO2-Ausstoß von 137 g/km entspricht. Die Alternative ist der GS 300h mit 4-Zylinder-Hybridmotor und 223 PS Systemleistung - der kommt offiziell mit 4,4 Liter Super auf 100 Kilometern aus und fährt sich bei ähnlicher Charakteristik des CVT-Getriebes sogar noch harmonischer.

Den Premium-Anspruch des GS untermauert ein Blick in die Ausstattungsliste: Ein riesiger Bildschirm für das Navigationssystem, Head-Up-Display, High-Class-Soundsystem mit 17 im Innenraum verteilten Lautsprechern, WiFi, 3-Zonen-Klimaanlage, Pre-Crash-System, Adaptive Geschwindigkeitsregelung, Spurhalteassistent, Fernlichtassistent, Verkehrszeichenerkennung - alles da.

All das will sich Lexus auch in Deutschland gut bezahlen lassen: Den GS 450h gibt es in der Grundversion für 56.100 Euro, beim 300h ist man ab 47.100 Euro dabei. Schaut man sich bei der deutschen Premium-Konkurrenz um, wird es bei leistungsmäßig vergleichbaren Hybrid-Modellen deutlich teurer - so es sie überhaupt gibt. Wie bei den Bayern: Der BMW Active Hybride 5 etwa kostet ab 65.400 Euro aufwärts.
Technische Daten
Antrieb:Hinterradantrieb
Getriebe:CVT
Motor Bauart:Hybrid - 6-Zylinder-Benziner + Elektromotor
Hubraum:3.456 cm3
Leistung:254 kW (345 Systemleistung PS) bei UPM
Drehmoment:352 Nm bei 4.500 U/min (Benzinmotor) UPM
Preis
Neupreis: 56.100 € (Stand: 2016-01-20)
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2016-01-19

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