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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 14. Oktober 2020
Der neue Hyundai i20 positioniert sich betont sportlich und will so einen Kontrapunkt zum VW Polo setzen. Die Athletikkarte sticht und der kleine Koreaner gibt eine Figur ab - zumal auch die inneren Werte überzeugen.

Der Hyundai i20 war bisher immer so etwas wie der freundliche stille Mitschüler. Einer, der nie aufmuckt, nie in Gefahr läuft sitzen zu bleiben und auch bei den Klassenstreichen nicht mitmacht, einer, bei dem man sich hinterher fragt: \"Ach, der war auch in unserer Klasse.\" Jetzt hebt der zurückhaltende Zeitgenosse den Arm - und das nachdrücklich. \"Der neue Hyundai i20 ist näher am Ford Fiesta als am VW Polo\", sagt Produktmanager Andrea Manglaviti.

Im Klartext: Der Koreaner setzt mehr auf die sportliche Karte. Doch das ist für die Entwickler auch ein Tanz auf der Fahrwerksrasierklinge. Mit einer zu straffen Abstimmung vergrault man die Kunden, die eine kommode Art des Fortbewegens bevorzugen, stellt man Federn und Dämpfer zu weich ein, rückt man näher an den Klassenprimus aus Wolfsburg heran und bleibt letztendlich für viele nur zweiter Sieger. So viel sei jetzt schon verraten: Der Spagat zwischen den beiden Fahrwerks-Antipoden gelingt. Die dritte Generation des koreanischen Kleinwagens hat die Selbstfindungsphase erfolgreich abgeschlossen und stellt eine echte Alternative zu den Konkurrenten aus Niedersachsen und Köln dar.

Das Fahrwerk ist sportlich, strapaziert aber den Rücken der Insassen nicht zu sehr, was auch ein Verdienst der guten Sitze ist, die nicht nur bequem sind, sondern auch Seitenhalt bieten. Die Spreizung der einzelnen Fahrmodi geschieht per Lenkung und der Abstimmung des Antriebsstrangs. Und da haben die Techniker im Zusammenspiel mit dem unauffällig und damit gut agierenden Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe spürbare Unterschiede erreicht. Wobei der 1.3 Tonnen schwere Hyundai i20 im Sport-Programm durchaus zum Spaßfahren animiert. Denn der Einliterdreizylindermotor fordert Drehzahlen ein und das Doppelkupplungsgetriebe tut sich mit dieser Einstellung leichter, die Atempause unterhalb von 2.500 Umdrehungen zu kaschieren.

Die Lenkung agiert präzise, könnte aber noch natürlicher vermitteln, wie es um den Kontakt der Pneus zum Asphalt bestellt ist. Angenehm ist, dass die Steuerung des Kleinwagens aus der Mittellage heraus nicht nervös reagiert und deswegen auch bei Autobahnfahrten keinen zusätzlichen Stress verursacht. Wir haben die Lenkung bei der Individualeinstellung auf Komfort gestellt und den Rest auf \"Sport\". In den Städten kommt man mit \"Eco\" gut voran, zumal der i20 mit einem Mildhybrid-Modul versehen ist und sich so beim Benzindurst so gut es geht, zurückhält. Das merkt man auch, wenn die Drehzahl nach unten fällt und der Antrieb in den Segelmodus geht. Im Durchschnitt fließen 4,7 Liter pro 100 Kilometer durch die Brennkammern, nach 10,3 Sekunden sind 100 km/h erreicht und dieser Hyundai i20 ist maximal 190 km/h schnell. Damit ist man durchaus kein Verkehrshindernis und im Sportmodus sind auch flotte Landstraßen-Partien inklusive Überholvorgängen kein Thema.

Bei den Assistenzsystemen braucht sich der i20 ebenfalls nicht vor der Konkurrenz verstecken. Bis zu einer Geschwindigkeit von 180 km/h hält der Koreaner selbst die Spur und den Abstand zum Vordermann. Durch die Verknüpfung mit den Navigationsdaten wird die Geschwindigkeit vor Kurven auch prophylaktisch angepasst und auf Geschwindigkeitsbeschränken reagiert. Sensoren überwachen den toten Winkel und beim Ausparken den Querverkehr. Dazu passt auch die moderne Gestaltung des Infotainmentsystems, bei dem der 10,25 Zoll große Touchscreen von dem ebenso großen virtuellen Cockpit ergänzt wird. Die Instrumente sind übersichtlich gegliedert und dass angezeigt wird, welchen Modus man mit dem analogen Scheibenwischerhebel wählt, ist ein nützliches Extra. Die Bedienung des Infotainments per Touchscreens ist ebenfalls kein großes Problem, ebenso wie die Einbindung des Smartphones per Apple CarPlay oder Android Auto. Das Laden des Handys erfolgt drahtlos.

Platz ist in dem 4,04 Meter langen Hyundai i20 genug vorhanden. Selbst hinten haben 1,85 Meter große Personen gut Platz - und das, obwohl das Dach um 24 Millimeter niedriger ist als bisher. Dafür ist der Radstand um zehn Millimeter länger und die Karosserie um 30 Millimeter breiter. Der Kofferraum hat ein Volumen von 262 Litern, legt man die Lehnen der Rückbank um, werden 1.075 Liter daraus. Der Ladeboden ist eben, allerdings ist die Ladekante hoch und die Ladeluke recht klein. Der Hyundai i20 kostet aktuell mindestens 13.637,31 Euro und hat dann schon einen Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung an Bord. Wir waren in der Top-Version für 23.970,08 Euro unterwegs und freuten uns unter anderem über beheizbare Rücksitze, Voll-LED-Scheinwerfer, den Spurfolgeassistenten und den autonomem Notbremsassistenten inklusive Fahrradfahrererkennung und Abbiegefunktion.
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Technische Daten
Antrieb:Vorderradantrieb
Getriebe:Sechsgang-Handschaltung
Motor Bauart:Dreizylinder-Benziner
Hubraum:998
Drehmoment:172 Nm bei 2.000 UPM
Preis
Neupreis: 23.970,08 € (Stand: 2020-10-14)
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2020-10-14

Getestete Modelle
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