Kia Optima 2.4 GDI - Passat-Winde
Testbericht
Kia will sich in der europäischen Mittelklasse breit machen. Eine erste Testfahrt im neuen Optima – dem Passat-Gegner aus Korea.
Er sieht gut aus und hält mit seinen hohen Ansprüchen nicht hinter dem Berg. Der neue Kia Optima mischt in Asien als „K-5“ bereits mächtig die Mittelklasse auf. Jetzt sind die Vereinigten Staaten dran und ab nächstem Sommer werden Europa und der Platzhirsch VW Passat ins Visier genommen. „Wir sind hier in den USA mit dem Optima sehr gut gestartet und konnten zuletzt sogar den Hyundai Sonata überholen“, freut sich Kias Chef-Produktplaner Benny Oeyen über sein nächstes Erfolgsmodell. Die Koreaner mauserten sich in den letzten Jahren mächtig und schießen aktuell aus allen Rohren. In Europa, Asien und den USA haben sich die einst belächelten Emporkömmlinge längst in der Kompaktklasse und bei den SUV breit gemacht. Im August kommenden Jahres startet mit dem Nachfolger des Kia Rio ein ernsthafter Konkurrent für VW Polo, Peugeot 207 und Opel Corsa. „Wir sind eine Marke in Bewegung, die den Korea-Turbo gezündet hat“, unterstreicht Benny Oeyen, „vor fünf Jahren haben wir unseren Kunden gerade einmal eine automobile Grundversorgung zu Kampfpreisen geboten. Aber wir haben uns stark entwickelt.“
Zeitgleich mit dem Rio-Nachfolger kommt in Deutschland mit dem Kia Optima der Nachfolger des müden Magentis auf den Markt. Sehenswertes Auftreten, europäische Design-Gene und standesgemäße Motoren sollen die umkämpfte Importmittelklasse aufmischen. Der gründlich überarbeitete Klassenbestseller VW Passat dürfte vom Optima kaum etwas befürchten. Doch bei den Mittelklassemodellen in der zweiten und dritten Reihe sieht das ganz anders aus. Denn Mitstreiter wie ein Suzuki Kizashi, Peugeot 508, Citroen C5 oder Mazda 6 dürften vor dem neuen Koreaner jede Menge Respekt haben.
Neben seinem gefälligen Design kann der 4,85 Meter lange Optima in erster Linie im Innenraum punkten. Design, Verarbeitung und Materialien dieser Art waren bei Importmodellen bisher kaum zu sehen. Die Sitze sind auf Wunsch vollklimatisiert, elektrisch zu verstellen und das Cockpit neigt sich sanft in Richtung Fahrer. Haptik und Verarbeitung sind überzeugend. Festplattennavigation, Bluetooth-Modul, elektrisches Sonnendach und sogar eine Sitzheizung im Fond setzen in Sachen Komfortausstattung Maßstäbe. Dabei ist der Lebensraum für Beine und Schultern im Optima-Innenraum mehr als ordentlich; für die Fönfrisur wird es bei groß gewachsenen Personen jedoch eng. Ein Grund ist die vergleichsweise hohe Sitzposition. Zum anderen hat die coupéartige Linie von Designchef Peter Schreyer einen nennenswerten Nachteil: das niedrige Dach.
Die getestete Optima-Version mit 2,4 Litern Hubraum bleibt zunächst dem US-Markt vorbehalten. Der Vierzylindermotor arbeitet leise und unaufgeregt. Mit den 147 KW / 200 PS ist der Koreaner gut, aber nicht sportlich motorisiert. Dafür sorgt auch die optionale Sechsstufen-Automatik, die dem Fronttriebler seine Dynamik nimmt, ihn jedoch zur entspannten Reiselimousine macht. Sportliche Höchstleistungen lassen sich von der 200 km/h schnellen Limousine jedoch nicht erwarten. Das US-Topmodell wird von einem zwei Liter großen Turbomotor mit 260 PS angetrieben. Für den europäischen Markt sind zunächst ein zwei Liter großer Benziner mit Direkteinspritzung und rund 170 PS sowie ein Commonrail-Diesel mit 1,7 Litern Hubraum verfügbar. Der Diesel dürfte sich angesichts einer erwarteten Motorleistung von gerade einmal 115 PS trotz eines Normverbrauchs von fünf Litern Diesel im harten Wettbewerbsumfeld schwer tun. Die Konkurrenz bietet Selbstzünder bis 200 PS an. „Wir bemühen uns, auch den 2.0 T-GDI als Topmodell nach Deutschland zu bekommen“, unterstreicht Benny Oeyen, „er würde als Imageträger gut zum sportlichen Design des Optima passen.“
Anfang 2012 soll der Kia Optima auch mit einem Hybridantrieb nach Deutschland kommen. Seine Weltpremiere feierte das Hybridmodell jüngst auf der Los Angeles Autoshow. Bereits in den nächsten Monaten kommt er zu den US-Händlern. Der Vollhybrid mit zwei parallelen Antriebssträngen und einem 41 Kilowatt starken Elektromodul beschleunigt in 9,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h und verbraucht 6,2 Liter. Durch eine spezielle Kupplung kann der Benzinmotor vom Antriebsstrang entkoppelt zu werden. Im emissionsfreien vollelektrischen Betrieb erreicht der Magentis-Nachfolger eine Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h. Elektromotor, Lithium-Polymer-Akku und Benziner stellen dem Optima Hybrid eine Systemleistung von 209 PS und ein maximales Drehmoment von 265 Nm zur Verfügung.
Für den europäischen Wettbewerb wird das allzu komfortable US-Fahrwerk straffer nachgeschärft. Auch Bremsen und Lenkung sollen einen Euro-Feinschliff bekommen. Allein in Sachen Assistenzsystemen patzt der Bruder des Hyundai Sonata auf beiden Seiten des Atlantiks. Denn während die Konkurrenz zahlreiche Sicherheitsmodule wie Überhol-, Einpark- oder Spurhalteassistent im Programm hat, bietet der Optima aktuell nichts dergleichen. Ob der Optima für Kia ein Erfolg wird, dürfte nicht zuletzt sein Preis entscheiden. In den USA geht es für die 200 PS starke Basisversion bei 19.000 Dollar (rund 14.000 Euro) los. Selbst das komplett ausgestattete Topmodell Kia Optima 2.0 SX T-GDI kostet gerade einmal 26.000 Dollar. In Deutschland dürfte der Kia Optima bei deutlich unter 25.000 Euro starten.






























