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Testbericht

Peter Maahn/SP-X, 9. Januar 2017

Wer Peter Schreyer, den deutschen Chefdesigner von Kia, nach seiner liebsten Schöpfung mit Kia-Logo fragte, hörte Erstaunliches. Er nannte kein aktuelles Serienauto, sondern eine Studie, die schon 2011 auf der IAA in Frankfurt gezeigt wurde, dann aber wohl in der Versenkung verschwand. Schade eigentlich: Denn der damalige GT war wirklich eine rundum gelungene Sportlimousine, die eine Serienfertigung verdient hätte. Aber das optische Kraftpaket passte dann wohl doch nicht zur eher zurückhaltenden Marke Kia aus Korea.

Von wegen: Detroit 2017, der Vorabend der Motor Show in der nordamerikanischen Autometropole. Kia lud zur Präsentation eines neuen Modells. Und plötzlich war er wieder da, der GT von anno dazumal. In voller Schönheit und nur leicht modifiziert. Klammheimlich haben die Koreaner ihr Schmuckstück weiterentwickelt, auf dem Nürburgring zahlreiche Testrunden gedreht und die neueste Technik wie zahlreiche Assistenzsysteme eingebaut. Aus GT wurde „Stinger“ (Stachel), das bislang aufregendste Auto, seit es Kia gibt. Jetzt fühlt sich die noch junge Marke reif, sich sogar mit den betont sportlichen Limousinen von BMW, Mercedes oder Lexus anzulegen.

Elegant dynamische Frontpartie, eine schlanke Flanke mit sanft abfallender Dachlinie und ein knuffiges Heck, in dem Spoiler und Oberkante des Stoßfängers dank einer gemeinsamen Umrandung scheinbar verschmelzen. Ein wenig orientierten sich die in Deutschland ansässigen Kia-Designer sicher an den GT-Modellen von BMW oder auch den Sportback-Versionen von Audi. Trotzdem hat der Stinger einen starken eigenen Charakter, der keine Verwechslungsgefahr aufkommen lässt.

Ähnliches gilt für die Gestaltung des Innenraums. Der Kia gibt sich auch hier elegant, fordert die Premiumklasse heraus. Edle Materialien an Sitzen und Verkleidungen, sorgfältig gestaltete Mittelkonsole mit kurzem Wählhebel für die Acht-Gang-Automatik und ein aus der Mitte des Armaturenbretts ragender Monitor für Navi und mehr. Vor allem aber protzt der Stinger mit seinem Platzangebot. Mit 4,83 Meter ist er etwas länger als manche seiner Rivalen, hat mit 2,91 Metern aber den längsten Radstand in seinem Umfeld. Das ermöglicht auch im Fond komfortables Reisen, auch wenn es wegen des schrägen Dachs über dem Kopf etwas knapp wird. Der Kofferraum soll reichlich Ladegut schlucken können, genaue Angaben gibt es noch nicht.

Zwei Motorversionen sind vorgesehen: Ein Zweiliter-Vierzylinder mit 188 kW/255 PS als Einstiegsvariante. Wer mehr will, ist mit dem 3,3-Liter-Sechszylinder und Doppelturbo sicher bestens bedient. Eine Spitze von 270 km/h und ein Spurt in 5,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 war für einen Kia bislang außer Reichweite. Serienmäßig bzw. gegen Aufpreis sind viele Extras zu haben, die auch in europäischen Premiummarken bestellbar: Abstandsradar, Head-Up-Display, aktiver Spurhalteassistent oder elektronisch verstellbares Fahrwerk mit verschiedenen Fahrprogrammen von komfortabel bis extrem sportlich. Auch ein Allradantrieb kann geordert werden.

Natürlich stehen so lange vor dem Verkaufsstart noch keine Preise fest. Sicher wird der Griff in die Haushaltskasse nicht so tief ausfallen wie bei den deutschen Platzhirschen ähnlicher Ausprägung. Doch ein Schnäppchen wird der Stinger keinesfalls. Schließlich soll sich die jahrelange Arbeit für Kia auch auszahlen.

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Fazit

Vor fast sechs Jahren sorgte die bildschöne Studie einer fünftürigen Coupé-Limousine auf der Frankfurter IAA für Aufsehen. Dann geriet der vom Frankfurter Kia-Designstudio entwickelte GT in Vergessenheit. Bis zum Vorabend der Detroit Motor Show.

Testwertung
3.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2017-01-09

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