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Testbericht

3. Dezember 2004
Nizza, 3. Dezember 2004 – Es ist schon beeindruckend, wie sich Nissan aus seiner schweren Krise Ende der 90er-Jahre zum hoch profitablen und expandierenden Autohersteller wandelte. In nur wenigen Jahren haben die Japaner in enger Kooperation mit dem Allianzpartner Renault viele neue und attraktive Modelle wie den X-Trail erfolgreich in den Markt gebracht.

Wachstumsmarkt SUV Im Segment großer Luxus-SUVs hat Nissan in Deutschland jedoch weiterhin einen schlechten Stand. Das einzige Modell – der Pathfinder – verkauft sich kaum. Doch auch im wachsenden SUV-Markt muss man künftig mithalten können, um nicht insgesamt an Boden zu verlieren. Deshalb bringt Nissan bereits im März 2005 den Murano und kurz darauf den neuen Pathfinder.

US-Modell für Europa Der für den US-Markt konzipierte Murano ist mit 100.000 verkauften Exemplaren im Bush-Land bereits sehr erfolgreich unterwegs. Eine Einführung in Europa war ursprünglich nicht geplant. Deshalb musste die Euro-Version in 300 Details überarbeitet werden. Ob der Murano damit den Geschmack des anspruchsvollen deutschen Automarkts trifft, konnten wir auf seiner ersten Pressevorstellung in Südfrankreich überprüfen.

Dick und rundlich Das Murano-Design ist fraglos eigen. Mit seinen ausgeprägten Rundungen erinnert er an ein großes Stück Seife. Das kurvenreiche und zugleich muskulöse Heck mit zwei Auspuffendrohren setzt sich elegant von der Masse ab. Nicht ganz gelungen erscheint die Front mit dem breiten Chrom-Kühlergrill und den leicht zugekniffen wirkenden Leuchten, die zu einem breiten Grinsen verschmelzen.

Grüße vom Z Auffällig ist die bereits vom 350Z bekannte Lackierung in Metallic-Orange. Der sportliche Zweisitzer hat dem Murano auch die Cockpiteinheit mit drei gelb unterlegten Rundinstrumenten gespendet. Wie auch im Z ist der Murano-Arbeitsplatz aufgeräumt, weitgehend hochwertig und darüber hinaus auch noch extrem groß. Selbst Big Mac verliebte Super-Size-Amis dürften sich kaum über Platzmangel beklagen. So gesehen ist der Murano überaus bequem. Die elektrisch einstellbaren Ledersitze könnten jedoch eine spur straffer sein und mehr Seitenhalt bieten. Die richtige Position findet der Fahrer dank der Verstellmöglichkeiten für Pedalerie und Lenkrad problemlos. Beeindruckend ist auch der Platz im Fond. Der Murano bietet bis zu 66 Zentimeter Knieraum – ein Spitzenwert selbst in seiner Klasse. Die Rückenlehne ist zudem in der Neigung verstellbar, Armlehnen vorne und hinten, diverse Staufächer sowie Getränkehalter sind weitere Komfortdetails.

Gepäckabteil: Leicht erweiterbar Besonders elegant gelöst ist die Kofferraumerweiterung. Fensterhoch gehen 476 Liter in den Murano. Zwei große Hebel im Gepäckabteil werden einfach gezogen, schon klappt die Lehne von selbst nach vorne. Gleichzeitig senkt sich dabei die Beinauflage ab und ein fensterhoch 877 Liter großer, ebener Stauraum entsteht. Dachhoch sollen es 1.300 Liter sein. Sicherlich kein berauschender Wert angesichts seiner Größe.

Serienmäßig voll ausgestattet Ansonsten ist der Murano randvoll mit Luxus und Elektronik. Es gibt nur wenige Extras, die sich nicht bereits serienmäßig an Bord befinden. Der europäischen Version fehlen jedoch Nebelscheinwerfer. Sie wurden durch zusätzliche Ölkühler ersetzt, damit es dem Motor auch bei schnellen Autobahnfahrten nicht zu warm wird.

Geschmeidiger Kraftprotz Apropos Motor: Nicht nur Außenfarbe und Cockpit, auch den Antrieb hat der Murano vom 350Z. Das V6-Triebwerk mit 3,5-Litern Hubraum begeistert vor allem mit seidigem Klang und hoher Drehfreudigkeit. Im Stand kaum hörbar, wirkt es selbst bei Höchstdrehzahl knapp über 6.000 U/min keineswegs gequält. Vom sonoren Sportwagensound des 350Z ist jedoch wenig zu hören. Auch bei der Leistung gibt es statt der 280 Z-PS nur noch 234 PS und 318 Newtonmeter Drehmoment. Die Homologation ist noch nicht abgeschlossen, doch soll der Murano damit eine Höchstgeschwindigkeit von knapp über 200 km/h erreichen. Auf unseren Ausflügen in der französischen Provence konnten wir diesen Wert leider nicht überprüfen. Dafür haben wir uns von dem respektablen Durchzug überzeugt. Die 100 km/h erreicht der Murano bereits nach 9,3 Sekunden. Den guten Fahrleistungen steht ein stattlicher Verbrauch von 12,3 Litern Benzin gegenüber. Einen Diesel wird es übrigens nicht geben. Schlechte Voraussetzung für hohe Stückzahlen in Deutschland.

Wundersames CVT-Getriebe Einen zwiespältigen Eindruck hat das stufenlose CVT-Getriebe hinterlassen: Toll ist die sehr lineare Beschleunigung ohne Schaltvorgänge. Eigenartig wirkt hingegen der Gummiband-Effekt: Wenn es bergauf geht und man die Geschwindigkeit per Gasbefehl halten will, eilt zwar die Drehzahl nach oben, von Beschleunigung spürt man hingegen wenig. Ein simuliertes Schaltgetriebe mit sechs fest programmierten Gängen kann alternativ über den Wahlhebel in der Mittelkonsole betätigt werden. In diesem Schaltmodus vermittelt das CVT-Getriebe ein direktes und sportliches Gefühl. Schön wären noch Gangwahlschalter am Lenkrad. Denn wer auf engen Kurvenstrecken ambitioniert unterwegs ist, bekommt viel zu tun und braucht meist beide Hände am Lenkrad. Der Murano geht dann mit deutlicher Seitenneigung ums Eck und schiebt gerne über die Vorderräder. Nun, der große Nissan ist eher ein Cruiser denn ein Sportler, wobei er ein weitgehend Pkw-ähnliches und hand­liches Fahrverhalten mit tadellosem Federungskomfort bietet.

Kein Kletterer Einfach gestrickt ist das Allradsystem des Murano. Eine zentrale Lamellenkupplung sorgt im normalen Fahrbetrieb für eine Kraftverteilung von 91 Prozent an die Vorder- und neun Prozent an die Hinterräder. Sofern die Elektronik Traktionsverluste an den Vorderrädern registriert, werden bis zu 50 Prozent automatisch nach hinten dirigiert. Dies ist vor allem bei schlechter Witterung der Fall. Für schwierigen Untergrund kann man per Knopfdruck das Lock-Programm aktivieren. Dann werden permanent je 50 Prozent an beide Achsen verteilt. Obwohl das Allradsystem besseres Vorankommen abseits asphaltierter Wege ermöglicht, ist der Murano absolut kein Offroader. Warum sollte man auch Wagen mit aufwendiger Allradtechnik hochrüsten, wenn diese ohnehin nur selten zum Einsatz kommt.

Hohes Sicherheitsniveau Dafür sorgen ESP Plus, ABS, eine Traktionskontrolle und vier Bremsscheiben für ein sicheres Vorankommen auf asphaltierten Straßen. Unter anderem Front-, Seiten- und vorhangartige Kopfairbags vermindern zusätzlich die Unfallrisiken für die Insassen.
Technische Daten
Antrieb:Allrad
Getriebe:Stufenloses 6-Gang-Automatikgetriebe CVT
Motor Bauart:V-Motor
Hubraum:3.498
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:6
Leistung:172 kW (234 PS) bei UPM
Drehmoment:318 Nm bei 3.600 UPM
Preis
Neupreis: 42.500 € (Stand: Dezember 2004)
Fazit
Der Nissan Murano ist ein Auto für Leute mit gut gefülltem Konto. 42.500 Euro sind eben doch eine Menge Geld. Dafür bekommt man im Fall des Murano aber besonders viel Auto und eine ausnehmend üppige Ausstattung. Bei den Platzhirschen aus Deutschland wie M-Klasse, Touareg und X5 muss man für die zahlreichen hochwertigen Extras des Murano viele tausend Euro mehr berappen.

Vor allem im Fond begeistert der Murano zudem mit viel Platz. Angesichts der Größe ist der Kofferraum hingegen etwas klein ausgefallen. Dafür lässt sich das Gepäckabteil besonders leicht und elegant erweitern.

Ansonsten ist der Murano ein guter Allrounder, jedoch kein Gelände-Spezialist. Er ist einfach zu fahren und von den dynamischen Fahreigenschaften eines BMW X5 nicht allzu weit entfernt. Toll ist sein kultivierter und kraftvoller Motor. Trotz des stufenlosen CVT-Getriebes bleibt er ein nicht allzu sparsamer Geselle. Eine Dieselversion wird es definitiv nicht geben.

Quelle: auto-news, 2004-12-03

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