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Testbericht

Jürgen Wolff, 28. Januar 2008
Mit dem Klappdach-Astra schwimmt Opel gekonnt auf der aktuellen CC-Welle mit. Coupé, Cabriolet - der TwinTop macht für seine Passagiere aus jeder Jahreszeit das Beste. Wie praktisch ist der luftige Astra im Alltag?

Mechanik im Physik-Unterricht? Eine Plage war das. Erst im hohen Mannesalter merkt man, was man da eigentlich an Wunderbarem verschlafen hat. Dann zum Beispiel, wenn man fasziniert zusieht, wie sich das Klappdach eines der modernen Coupé Cabriolets zusammenfaltet und unter der Heckklappe verstaut. Bei modernen Pkw-Motoren versteckt sich das, was eigentlich faszinieren sollte, in der Regel längst unter Kunststoffabdeckungen - und macht sie optisch so aufregend wie einen Biomüllcontainer. Wer heute Konstrukteurskunst nicht nur indirekt beim Fahren sondern direkt beim Hinsehen erleben will, der sollte sich einfach mal neben einen VW Eos oder Volvo C70 stellen - oder neben einen Opel Astra TwinTop.

Auf Knopfdruck falten in perfekter Zusammenarbeit und leise surrend fünf Elektromotoren, acht Hydraulik-Zylinder und ein Gestänge mit 14 Gelenken das Dach in drei Teile, schieben sie kunstvoll über- und untereinander, lupfen, klappen, senken Abdeckungen und Fensterscheiben im perfekten Rhythmus zueinander - und wenn nach ampeltauglichen 27 Sekunden dieses Ballett zu Ende ist, liegen Dach, Gestänge und Verdrahtung fein säuberlich geschichtet und sortiert unter der Heckklappe verstaut. War da was? Außer Staunen?

Wie lange solch eine komplizierte Mechanik die Fährnisse, Schlaglöcher und Fliehkräfte eines Autolebens heil übersteht, das müssen die nächsten Jahre Fahrpraxis und Pannendienst erweisen. Ein Erlebnis ist es trotzdem. Und praktisch allemal. Ein schnittiges Coupé für Spätherbst und Winter, ein luftig sonniges Cabriolet für warme Frühlings- und Sommertage. Kein Basecap-Zwang mehr unter einem mäßig isolierten Stoffverdeck an kalten Wintertagen. Kein Flickenteppich mehr nach fünf Jahren Stoff-Verschleiß und Messerschlitzer-Attacken. Die CC-Klasse mag zwar nicht alle Ansprüche von Cabrio-Puristen erfüllen - dafür ist sie praktisch.

Und im Fall des Astra TwinTop auch durchaus ansehnlich. Die Seitenlinie steigt keilförmig an, das Heck ist rundlich, aber nicht wie bei so manchem Konkurrenten pummelig. Die rautenartig geformten Leuchten geben ihm zusammen mit der markanten Chromspange einen eigenständigen Charakter hinten. Geschlossen ein klassisches Coupé mit spannend gespannter Dachlinie. Offen ein Cabrio, in dem sich die optische Wasserlinie von den Scheinwerfern bis zu den Heckleuchen geradlinig ansteigend durchzieht - fast 4,5 Meter lang. So was läuft heute unter "Kompaktklasse".

Auch, wenn das Auge vier ausgeformte Sitze entdeckt: Der Astra TwinTop ist ein 2+2-Sitzer. Vorne ist das Platzangebot angenehm üppig - hinten wie üblich eher karg. Der Zustieg ist vor allem ins Heck und bei geschlossenem Dach mühsam. Die Sitze selbst sind straff gepolstert, körpergerecht geformt und bieten guten Seitenhalt. Cockpit, Materialien und Instrumentierung entsprechen weitgehend dem im Astra üblichen. Sprich: Sie sind übersichtlich, nicht allzu kompliziert und logisch angeordnet. Nur den Verdeck-Schalter und den Zentraltaster für die vier Fensterscheiben findet man beim Erstkontakt nicht auf Anhieb - oben beim Rückspiegel. Die Sicht nach vorne ist gut, nach hinten stören im geschlossenen Zustand die breiten Fenstersäulen. Das hohe Heck verdeckt Blumenkübel und andere Freunde der Karosseriewerkstätten - die Parksensoren (340 Euro extra) seien dringend empfohlen.

Gewöhnen muss man sich mental erst einmal an den Kofferraumdeckel. Beim Öffnen schwabbelt er ungewohnt - aber da er Teil der Dachmechanik ist, war nun mal nichts mit festen Scharnieren hinter dem Fahrgastraum. Dafür heißt der Kofferraum nicht nur so, sondern wird diesem Namen auch gerecht. 440 Liter Stauraum stehen als Coupé zur Verfügung. Das ist durchaus ordentlich - eine C-Klasse Limousine mit dem Stern hat gerade mal 15 Liter mehr Platz im Heck, der Konkurrent VW Eos 60 Liter weniger. Bei eingelegtem Dach bleiben beim TwinTop noch 215 Liter übrig. Die lassen sich aber dank eines separaten Hebemechanismus halbwegs vernünftig be- und entladen. Nur bei Sprudel-Kästen wird es ein wenig eng. Einen Reservereifen gibt es nicht - ein Reparaturset muss reichen, meint Opel. Bei offenem Dach hält sich die Zugluft im Innern zumindest bis Tempo 80 im Rahmen. Wer ohne Naturföhn schneller unterwegs sein will, sollte sich das große Windschott (265 Euro) zulegen. Oder kurz anhalten und das Dach schließen. Immerhin funktioniert diese Show (gegen Aufpreis) auch per Fernbedienung. Und bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h.

Der Motor. 1,8 Liter Hubraum, 103 kW/140 PS Leistung, 175 Nm Drehmoment. Liest sich gut, passt aber nur dann wirklich gut zum TwinTop, wenn man überzeugter Cruiser ist. Wer es sportlich mag, wird nicht wirklich zufrieden sein und besser einen der beiden stärkeren 2-Liter-Turbo-Benziner mit 170 bzw. 200 PS wählen. Oder den durchzugstarken 1,9-Liter Diesel mit 150 PS. Der 1,8-Liter Benziner läuft zwar rund und kultiviert, hat gelegentlich aber seine Mühe mit dem Fast-Zweitonner. 11,4 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h sind nicht prickelnd. Und wer so schaltfreudig fährt, wie der Motor es verlangt, der wird mit einem Verbrauch nicht unter neun Liter Super bestraft.

Das Fahrwerk ist gut und sportlich stramm ausgerichtet - vor allem das 615 Euro Aufpreis teure IDS-Sportfahrwerk. Das geht auf Knopfdruck noch einen guten Tick härter zu Sache. Was zum Astra TwinTop durchaus passt. Unebenheiten werden aber auch dann noch gut abgefedert. Geschlossen als Coupé zeigt sich die Karosserie verwindungssteif und auch als Cabrio bleibt der TwinTop sehr wabbelfrei, solange der Untergrund nicht so holprig wird, dass man ohnehin nicht auf ihm fahren mag. Zur Sicherheitsausstattung zählen ABS, ESP und auch sonst alles, was heute dazu gehört. In schnellen Kurven drängt das Heck gerne leicht nach außen, bevor die Elektronik eingreift und die Sache regelt. Die gut abgestimmte 5-Gang Handschaltung läßt sich präzise und mit kurzen Wegen bedienen. Das in Höhe und Tiefe verstellbare Lenkrad reagiert direkt, genau und vermittelt einen guten Kontakt zur Straße. Wer einen Opel Astra offen fahren will, muss mindestens 23.650 Euro hinlegen - für den 105 PS starken 1,6-Liter Basis-Benziner. Den von uns gefahrenen 1,8-Liter TwinTop gibt es ab 25.400 Euro. Und für den Diesel in der empfehlenswerten Cosmo-Version mit Klimaanlage, Einparkhilfe, Tempomat und Bordcomputer werden mindestens 28.980 Euro fällig. Damit liegt der Opel TwinTop bei den deutschen CC-Modellen preislich etwas über dem Ford Focus Coupé Cabriolet. Und ein gutes Stück unter dem VW Eos.

Quelle: Autoplenum, 2008-01-28

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