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Testbericht

Sebastian Viehmann, 9. Juli 2010
In 40 Jahren hat sich der Range Rover vom eher simplen SUV-Vorläufer zum König der luxuriösen Geländewagen entwickelt. Der neue Achtzylinder-Diesel mit Achtgangautomatik setzt dem Ganzen die Krone auf.

Wenn normale Autofahrer einen Platten haben, stöbern sie im Kofferraum nach dem Wagenheber. Range Rover-Piloten reicht eine Schaufel: Man gräbt zwei Löcher, die sich diagonal gegenüberliegen, und lässt den Wagen vorsichtig hinein rollen. Weil sich die Achsen des britischen Geländewagens extrem verschränken können, ragt das platte Rad in die Luft - schon kann man in aller Ruhe den Reifen wechseln.

Seit 40 Jahren rollt der Range Rover auf und neben den Straßen dieser Welt und existiert trotzdem erst in der dritten Generation. Selbst wenn manche von ihnen kaum mehr Gelände sehen als die Schotterstraße zum Golfplatz, lieben die Fans der Marke Land Rover dieses Gefühl: „Wenn ich wollte, könnte ich morgen durch die Kalahari fahren.“ Allradantrieb mit Untersetzung und Sperren, elektronisch gesteuerte Luftfederung und ausgeklügelte Geländeprogramme – der Range hat das potenzielle Abenteuer serienmäßig an Bord. Im Alltag muss er sich eher als luxuriöses Reisemobil bewähren, daher gibt es nun einen neu entwickelten Achtzylinder-Diesel. Alternativ steht wie bisher der V8-Benziner mit 510 PS und Kompressoraufladung zur Verfügung. Für den sollte man aber schon eine eigene Tankstelle besitzen.

Der neue Achtzylinder-Diesel schöpft aus 4,4 Litern Hubraum 313 PS (230 kW) und entwickelt ein maximales Drehmoment von 700 Newtonmetern. Der Durchschnittsverbrauch liegt bei 9,4 Litern pro 100 Kilometer, kaum mehr als beim Audi Q7 oder VW Touareg. Der BMW X5 allerdings ist mit seinen 306 Diesel-PS deutlich sparsamer unterwegs. Kombiniert wird der Selbstzünder im Range Rover mit einem Achtgang-Automatikgetriebe. Aus dem Stand kommt der Wagen ziemlich behäbig in Bewegung, das satte Drehmoment wird behutsam auf den Wandler abgegeben – und schließlich sind es ja auch 2,5 Tonnen, die da in Fahrt gebracht werden wollen. Sobald die Trägheit überwunden ist, kommt die volle Schubkraft zum Zuge. Beim Zwischenspurt auf Landstraße und Autobahn sind die 313 PS schon eher zu spüren.

Die Kombination mit dem Achtgangautomaten erweist sich als Glücksgriff. Vom Gangwechsel bekommt man kaum etwas mit, die breite Spreizung in Verbindung mit dem satten Drehmoment gibt dem Automaten bei entspannter Fahrweise wenig zu tun. Bei Tempo 100 auf der Autobahn im achten Gang kommt die Nadel des Drehzahlmessers kaum über 1500 Touren hinaus. Der Motor bleibt immer dezent im Hintergrund, ab 160 Km/h stören allein die Windgeräusche im Bereich der A-Säulen.

Der Range Rover hat einen ausgezeichneten Federungskomfort. Kurven sind aber nicht seine Domäne, dort zeigt das britische Dickschiff eine spürbare Wankneigung. Also macht man es sich auf den Ledersitzen gemütlich, die wie so ziemlich alles beim Range Rover serienmäßig an Bord sind, genießt das üppige Raumangebot und die erhabene Aussicht. Die zweigeteilte Kofferraumklappe ersetzt die Picknick-Bank, 535 bis maximal 2099 Liter Gepäckraum hat der Range zu bieten.

Das Offroad-Flaggschiff der Engländer bleibt ein teures Vergnügen. Die Basisversion TDV8 HSE kostet 88.500 Euro (BMW X5 40d: 61.800 Euro; Mercedes ML 450 CDI: 72.650 Euro; VW Touareg 4.2 TDI: 70.800 Euro). Damit ist der Range Rover 2600 teurer als der alte Achtzylinder-Diesel mit 272 PS. Die Ausstattung lässt aber kaum Wünsche übrig. Lederausstattung hat der Range ebenso an Bord wie Luftfederung mit Niveauregulierung, Navigationssystem, Rückfahrkamera, Tempomat, Bi-Xenon-Scheinwerfer, Soundsystem, elektrische Sitzverstellung oder die beheizbare Frontscheibe.

Der Range Rover TDV8 Vogue kostet 96.300 Euro, das Top-Modell Autobiography 114.100 Euro. Im Jubiläumsjahr gibt es außerdem das Sondermodell Autobiography Black. Es ist schwarz lackiert, hat diamantgedrehte 20-Zoll-Räder, spezielles Holz und Leder im Innenraum, beleuchtete Trittleisten und weitere Zierelemente. Mit 125.300 Euro ist das Sondermodell der teuerste Land Rover mit Dieselmotor. Weltweit werden nur 700 Exemplare gebaut, für Deutschland sind 40 Modelle vorgesehen.
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Quelle: Autoplenum, 2010-07-09

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